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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
978
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978 Französische Kunst der neuesten Zeit

vergnügten zurück, die in jenen Bevorzugungen bald Spuren der Hofgunst, baldin den Aussprüchen der Prüfungscommissionen akademische Kameradschaft zu wit-tern glaubten. Viele der Künstler sahen daher mit einer Art von Sehnsucht nachden Tagen der Kaiserzeit zurück, wo sie Kranze sich errungen hatten, welche diekleinliche Furcht der Gegenwart angstlich zu verstecken gebot. Und doch waren siesicher, daß jede geistreiche Erinnerung aus den Tagen der großen Armee, jede Scenedes Soldatenlebens unendlich mehr ansprach als ein halbes Dutzend schmachtenderHeiligen oder die Herrlichkeit des jetzigen Lebens im Hofkleide und im elegantenMorgenanzug e der Boudoirs. Nur die täglich fortschreitende Technik, die Eleganzder Ausführung und der Geist in der Composition konnten diesen modischen Wer-ken Aufmerksamkeit sichern, denen damals noch die jetzt öffentlich zur Schau getra-gene Lüsternheit als Reizmittel abging. Dabei verheimlichte man sich jedoch nicht,daß christliche Aufgaben, wie sie durch die Vorsorge der Congregation häufigerwurden, meistens hohl und kalt ließen, und daß nur die Aufgaben wahrhaft an-sprechend erschienen, die das Vorliegende ohne Streben nach tieferer Bedeutsamkeit,aber treu und in gefälligem Lichte wiederzugeben beabsichtigten. Auf eine größereInnigkeit in der Erfassung der Aufgaben drangen zwar einzelne Stimmen, abererst als man wagen durfte, schonungslos die Götzen der frühern Zeit zu verhöhnen,gewannen diese vereinzelren Stimmen Zusammenhalt und durch geistreiche Wort-führer größere Bedeutung.

Die Juliusrevolution, welche alle Träume der französischen Unzufriedenen zuWirklichkeiten machen sollte, wurde von den artistischen Bewegungsmännern alsdiese neue Ära begrüßt. Sie würdig zu bezeichnen, wurde im Ott. 1830 eine Kunst-ausstellung zum Besten der im Jul. Verwundeten in der Galerie des Luxemburg zuParis angeordnet, wo eine freiecwählte Jury über die Zulassigkeit der Werke denAusspruch that. Einer verfemten Zeit reichte hier die neueste die Hand, indem eineMenge jener Bilder dabei zum Vorschein kam, welche die Besorglichkeit der Restau-ration fortwahrend unter Schloß und Riegel gehalten hatte. Lethier's (geb. auf Gua-deloupe 1760, gest. 1831) Erstürmung der wiener Brücke sah man hier neben Gue-rin's (Pierre, geb. 1774) Begnadigung der AufrührerzuKairo, sowie Meynier's (geb.1768) Wiederaufsindung derFahnen des 76.Regimenrs im Zeughause zuJnnspruck,und des Barons Gros Pest zu Jaffa, die mit desselben Schlachtfeldern von Eylauund von Abutir zu den bedeutendsten Werken der David'schen Schule gerechnetwurden. Girodet's Empfangnahme der Schlüssel von Wien durch Napoleon,Gerard's Schlacht von Austerlitz, Negnault's Tod des Generals Desaix, Henne-quin's Schlacht bei den Pyramiden und Karl Vernet's Schlacht bei Marengo ne-ben jenen genannten Werken zeigten zwar alle künstlerische Illustrationen der Kai-serzeit vereinigt und erweckten bei den Bewunderern derselben stolze Erinnerungen,sowie das Andenken der Lobsprüche, die man einst der Kunstrichtung ihrer Tage ge-spendet hatte; aber ein jüngeres Geschlecht, dem jene Erinnerungen zu fern lagenund das auch die Werke des Auslandes mehr zu vergleichen erzogen war, entblödetesich nicht zu gestehen, daß es diese gerühmten Meisterwerke herzlich bunt, frostigund langweilig finde. Mit der Zuversichtlichkeit, mit welcher man denGeronten"gegenüber alles Gefeierte oder Bestehende in Prüfung nahm, wurde jetzt behaup-tet, daß David wol einen Leib aber niemals die Seele zu malen verstanden habeund daß seine Schule es auch nicht weiter gebracht hätte. Organ dieser Stimmungwaren mehre kleine Tagesblätter, doch selbst der artistische Mitarbeiter am47'mps"und amJournal ckes äebats", sprach sich in diesem Sinne aus. Man verlangtejetzt in der Kunst wie in der Poesie Darstellung von Momenten, wo das Gemüthin seiner Tiefe und Energie, frei der Bande, welche das Conventionnelle darum ge-wunden hat, wie in Byron's Gedichten hervortrete. Den tiefsten Schmerz, diehöchste Lust soderte man verkörpert zu sehen, Das, was Theilnahme erregt, sich frei