Die mit * bezeichneten Artikel sind bereits in der siebenten Auflage des Conv.-Lex. enthalten, hier aber in Beziehung auf die neuesten Zeicverhältnisse bearbeitetworden.
Verweisungen mit Bemerkung des Bandes beziehen sich auf die siebente Auflagedes Conv.-Lex., die übrigen auf Artikel des vorliegenden Werks.
F.
^abre (Marie Jacques Joseph Victorin), französischer Dichter, geborenam 19. Jul. 1785 zu Jaujac (im Departement Ardeche) und in Lyon erzogen,kam m seinem achtzehnten Jahre nach Paris und erwarb sich durch seine Gedichtewelche er dort herausgab, vornehmlich das Lob Parny's. Als das Nationalinstitut1805 eine Preisschrift über die Unabhängigkeit der Schriftsteller aufgab, war derjunge F. der Mitbewerber Millevoye's, welcher zwar den Preis davontrug, doch er-hielt die Arbeit F.'s eine sehr ehrenvolle Erwähnung. Bei dem folgenden Con-curse 1807 wurden Millevoye und F. beide gekrönt. 1811 reichte F. eine neuePreisschrift über die Verschönerungen von Paris ein, welcher der Preis einstimmigzuerkannt wurde, während Millevoye nur das erste Accessi't, und der jetzige Akade-miker Soumet das zweite erhielt. Auch die Provinzialakademien krönten F. mehr-mals. Seine Ode „Tasso" gewann den ersten Preis der leux Uoraux im Jahre1812, sowie auch sein Gedicht über den Tod Heinrichs IV. von der Akademiedes Departements Gard durch einstimmiges Urtheil gekrönt wurde. Gleiche Aner-kennung fanden seine Preisschriften in Prosa, wie z. B. die Lobrede zu Ehren Cor-neille's, welche durch Acclamation den Preis erhielt. Außer der auf Befehl des In-stituts gedruckten Quartausgabe dieser Rede wurden zwei Octavausgaben im Lauseeiniger Monate vergriffen. F. gewann 1801, jedesmal durch einstimmiges Urtheil,den Preis für die Lobrede zu Ehren Labruyere's, wie auch für sein wichtigstes undausführlichstes Werk, das sbleau litteinire de la?rance su dix-llu!tieme siede".Zu seinen Richtern gehörten Delille, Bernardin de St.-Pierre, Ducis, Parny, Che-nier. F. war damals noch nicht 25 Jahr alt. Man foderte ihn auf, sich um die aka-demische Würde zu bewerben; er schlug es jedoch aus, indem er es vorzog, lieber inseinen Preisbewerbungen fortzufahren. Seine Lobrede zu Ehren Montaigne's er-hielt 1812 ein ausgezeichnetes Lob, wiewol nicht den Preis, da man die in ihr sichaussprechende Richtung.attgemein als einen Ostracismus betrachtete, und F. reichtefortan keine Preisschrift mehr ein. Auch alle Anstellungen und Gnadengehalteschlug F. aus, und er wollte sich ungeachtet der glänzendsten Anerbietungen nichtentschließen, „die großen Begebenheiten, welche die Ruhe der Welt gründeten", zubesingen. Als er aber nach dem russischen Feldzuge aufgefodert ward, die Leichen-rede des Marschalls Besseres zu halten, nahm er das Anerbieten sogleich an, unterder Bedingung, man dürfe von seiner Rede so viel man wolle streichen, doch keinWort hinzusetzen. Diese Rede sollte im Jnvalidenhause, vor dem Sarge des Mar-schalls, in Anwesenheit des Kaisers vorgetragen werden, fand aber wegen der Er-eignisse des Jahres 1814 nicht statt. F. ist auch durch die 1810 und 1811 im pa-riser Athenäum gehaltenen vielbesuchten literarischen Vorlesungen bekannt, die aberConv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. II. !