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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
980
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Wi) Französische Kunst der neuesten Zeit

lois, Lessore, Deftouches, Court, Schnetz sind Namen, die auf gleiche BeachtungAnspruch haben. Unter den Wenigen jedoch, die sich vom Modell frei zu machen ver-stehen und im großen Sinne der Alten aufzufassen und darzustellen vermögen, istIngres (Jean Aug., geb. 1781), der Meister von Rafael und der Fornarina.Napoleons Tod von Steuden (geb. zu Manheim 1791) wurde wol mehrdes Gegenstandes wegen so sehr gepriesen. Als bedeutendster in der romanti-schen Richtung wird von Vielen ebenso hoch gestellt als tief herabgesetzt EugenDelacroix, der Schöpfer einer Menge aus dem Leben gegriffener Werke, dessenmit ihrer Mutter spielende Tieger die verschiedenartigsten Urtheile erfuhren. In-dividualität ist sein höchstes Streben. Scheffer (beide Brüder, besonders derJüngere), Descamps, die Brüder Iohannot sind die glücklichsten seiner Nachfol-ger. Als eigentliche Genremaler schafften sich neben dem durch Zuziehung der in-teressantesten Localitat noch immer unübertroffenen Granet und seinem FreundeForbin, Laurent, Debacq, Bellange, Pigal, Lepaul, Vauchelet, Spindler, Ro-queplan geachtete Namen; Scheffer scheint der ernstern Geschichtsmalerei sich zu-zuwenden; Robert ist noch immer durch seine Rauber und seine italienischländlichenScenen der Liebling des Publicums und verdient es, da seine Rückkehr von derErnte, die durch Mercury's vortrefflichen Stich europaisch geworden ist, eine naiveAusfassung zeigt, wie sie nur echtkünstlerische Gemürher sich aneignen. Naigronhat auf gleiche Weise die römische Volkseigenthümlichkeit sich erkoren. Für dieLandschaft im engern Sinne ist Gudin durch vortreffliche Marinen, Regnier, Raf-fort, Bertin, Giroux, Aligny der Beachtung Werth. Doch liegt es in der Eigen-thümlichkeit der Franzosen, daß Belebung der Natur durch menschliche Gestaltenjenem geheimen Watten der unbelebten Natur, das mehre deutsche Künstler sichin ihren Bildern zur Aufgabe machten, entschieden vorgezogen wird. In der Por-zellanmalerei hat Madame Jacotot einen sehr weitverbreiteten Namen. Mit ihrwetteifern jetzt die Herren Conftantin und Pastier, und die Damen Debon und Le- jduc, deren Werke jedoch bei der letzten Ausstellung für die königlichen Manufaktu-ren (Jan. 1833) nicht so allgemeine Ansprache wie früher fanden, zum Theil wolaus Schuld der jetzt beliebten Formen. Auffallend war jedoch seit den Juliustagenüberhaupt ein freiwilliges Zurücktreten der ältern berühmten Künstler, die bei denöffentlichen Schaustellungen ebenso wie bei den Bewerbungen jüngern Talentendas Feld räumten. So fand die aus 21 Künstlern (Mitgliedern des Institutsund Freien) zusammengesetzte Jurv, welche im April 1831 über die am 25. Sept.1830 angeordneten beiden großen Gemälde zur Ausschmückung der Deputirten-kammer zu entscheiden hatte, nur Skizzen von Hesse, Court, Mauvoisien, Dela-croix, Serrur, Debacq, Chenavard, Boulange, Marquis und Abel de Pujol zurBeurtheilung und entschied sich für die Arbeit des Ersten. Vielleicht ist ein Künst-ler aber nicht zu beneiden, dem Aufgaben wie Ludwig Philipps Eid und die consti-tuirende Versammlung am 2t. Jun. 1789 für die Bearbeitung gestellt wurden,wo es schwer sein mag, das allgemein menschliche Interesse mit dem gefedertendramatischen Pompe zu verbinden.

Uberhaupt fühlte man durch jene Aufgaben sich um 40 Jahre zurück-versetzt: denn auch in den Statuen, die zu gleichem Zwecke am 25. Sept.1830 angeordnet wurden, der kolossalen Freiheit und öffentlichen Ordnung,sowie in dem befohlenen Basrelief: Frankreich, das die Künste und Wissen-schaften schützt, machte die alte Liebhaberei zu unplaftischen Allegorien wiedersich geltend. Eins der Nationaldenkmäler, auf welche der angeregte StolzFrankreichs jetzt mit trotziger Ereiferung blickte, war die Vendomesäule, derenSchlußzierde im I. 1814 mit ruchloser Barbarei war heruntergeworfen wor-den. Schon am 5. Mai 1831 sollte die Säule durch das ursprüngliche Stand-bild wieder geschmückt werden, als sich ergab, daß Napoleons Statue während der