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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
968
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968 Lukasinöki

rung der Citadette voll Antwerpen (23. Dec. 1832) beschwichtigte die OppositionObgleich nun aber Ludwig Philipps Lage, seit dem Tode des Herzoqs vonReichstadt (22. Jul. 1832), seit der Verhaftung de- Herzogin von Bern (7. Nov1832) und seit der Erklärung ihrer Schwangerschaft (22. Febr. 1833), sich gumstiger gestellt hat, so bleiben doch immer noch große Schwierigkeiten zu überwin-den übrig. In den äußern Angelegenheiten sind es die Verwickelungen der franzö-sischen Interessen mit der ägyptisch-türkischen Frage; die noch schwebende Ent-scheidung des Besitzes der Colonie Algier; eine ehrenvolle Räumung Anconas;die Ausgleichung des portugiesischen Bruderkrieges und der belgisch-holländischenFrage, mit Einschluß der beträchtlichen, von Frankreich aufgewandten Kriegsko-sten. In den innern Angelegenheiten erschweren Ludwigs Regierung sowol derDruck der Abgaben und die Zunahme der Staatsschuld, beide die nothwendigeFolge theils von der Iuliusrevolution, theils von der anmaßenden, ja drohendenStellung Frankreichs den Großmächten des Continents gegenüber, als auch diepolitische Desorganisation des französischen Nationalcharakters. Statt beharrlichein großes Ziel der Nationalwohlfahrt zu erstreben, wird das Land gequält von ei-ner leidenschaftlichen Veränderungssucht: die republikanische Jugend steht verwe-gen, roh und blutdürstig dem Alter gegenüber, das, seinerseits der Revolutionensatt, Genuß und Ruhe verlangt; der Fanatismus und der Karlismus aber habendem Bürgerthrone eine ewige Feindschaft geschworen. An Ludwig Philipps Lebenhängt Frankreichs politische Wohlfahrt. *) (7)

Lukasinski (Valerian), geboren um 1790, stammt aus einer armenadeligen Familie und trat in Kriegsdienste, als Napoleon die Polen zum Kampfeaufrief. Er diente mit Auszeichnung in den Kriegen seit 1806, zuerst im Gene-ralstabe des Obersten Zielinki, später als Zahlmeister im dreizehnten Regiments, indessen Reihen er in der Schlacht von Pawlowice tapfer focht. Als Joseph Po-niatowski bei Krakau eine Heerabtheilung zusammenzog, um den Rückzug derFranzosen zu decken, wurde L. von Zamosc abgerufen und einer Abtheilung derMilitairverwaltung vorgesetzt; er folgte dem französischen Heere, zeichnete sich imAugust 1813 bei Dresden aus, ward aber endlich von den Ostreichern gefangenund nach Ungarn gebracht.. Als er 1815 seiner Haft entlassen war, trat er in dieneu gebildete polnische Armee, wurde bald zum Major des später so berühmt gewor-denen vierten Regiments ernannt, das schon zu jener Zeit durch die tressliche Hal-tung sich auszeichnete, die L. ihm zu geben verstand, und von dem GroßfürstenKonstantin allen übrigen Regimentern vorgezogen wurde. L. war der Hauptstifterder geheimen Verbindung, durch welche die letzte Revolution vorbereitet und be-schleunigt wurde, und die nur eine Fortsetzung des 1819 gestifteten Bundes war,den die Worte des sterbenden Dombrowski, der alle Polen, unter welchen Regie-rungen sie auch stehen möchten, zur Einigkeit, zur Vereinigung ihrer Wünsche,Kräfte und Anstrengungen ermahnte, hervorgerufen hatten. **) Unter dem Namennationale Maurerei bildete L. eine Gesellschaft, deren Einrichtungen die gewöhnli-chen freimaurerischen Statuten zum Grunde lagen. Die äußern Formen warenin beiden Verbindungen gleich, nur hatte die nationale Maurerei das Eigentüm-liche, daß sie eine ausschließend polnische Verbrüderung war. Alle Symbole bezo-gen sich auf vaterländische Gegenstände, und berühmte Namen aus der polnischenGeschichte dienten als Erkennungswörter. Es entging den Häuptern des Bundes

*) Über -Ludwig Philipp sind mehre Flugschriften in Paris und London erschie-nen, nach welchen wir unter den deutschen Bearbeitungen folgende nennen:LudwigPhilipp I." (Kiel 1830);Ludwig Philipp I." (Leipzig 1830);Geschichtliche Dar-stellung des königlichen Hauses Orleans" (Dessau 1830).

**) Vergl. Spazier'sGeschichte des Aufstandes des polnischen Volkes" (3 Bde.,Altenburg 183L), Bd. 1, S. 80 fg.