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Zweiter Band (1833) F bis L
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967
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Ludwig Philipp (König der Franzosen)

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Acte,welche Frankreichs Schicksal sichern sollte". Am 9. Aug. halb 3 Uhrfand im Palast Bourbon (Sitz der Deputirtenkammer) die königliche Sitzungstatt, in welcher der Herzog von Orleans die Verfassung beschwor und den Königs-titel annahm. *)Die Nation", sagte der ,Moniteur",darf seinem Wort wieseinem Degen vertrauen." Der Herzog v. Chartres nahm den Titel ?rincs(nicht Dauphin) an. Am 1 t,. Aug. ernannte der König sein Ministerium(S- Frankreich.) Der Gang feiner Negierung war verwickelt und schwie-rig, aber gerade, offen und fest. Der Bürgerthron behauptete sich mitten unterEmeuten, von Karlisten und Republikanern erregt oder benutzt; die Ministerienwechselten; die Opposition in der Deputirtenkammer drohte mehrmals die Mehr-heit an sich zu reißen; die Presse wurde immer zügelloser und verschonte zuletzt denKönig so wenig als die Kammern. Das Gemeine und Unedle sprach sich in denCaricaturcn der ?oire u. s. w. mit Frechheit aus; sehr oft bloß, um aufzuregen oderdurch das Lächerliche den König herabzuwürdigen. Pariser Pöbelaufruhr nöthigteihn sogar die Kreuze von den Kirchen und die Lilien aus seinem Wappen zu nehmen.Der König blieb seinem Eide treu; allein er konnte nicht die Erwartungen aller Fran-zosen erfüllen; er konnte die stolze, feurige Jugend ebenso wenig befriedigen, als dieKarlisten versöhnen. Die traurigen Folgen der Revolution zu entfernen, lag außerdem Bereiche menschlicher Kraft. Lafsitte und Ternaux verloren ihr Vermögen.Der König rettete seinen Freund Lafsitte wenigstens vom Bankerott. Er ge-wahrte von seinem beträchtlichen, und, damit es nicht zum Krongute geschlagenwürde, an seine Kinder abgetretenen Privatvermögen, und von seiner auf 12 Mill.Francs bestimmten Civillifle, Bedürftigen bei mehren Gelegenheiten Unterstützun-gen ; für die Verwundeten in den Juliustaqen unterzeichnete er am 30.Jul. 106,060Francs, den arbeitlosen Fabrikanten und Wcrklcuten in Paris, Lyon u. f. w. gab ergroße Bestellungen; die Chokeraanstalten in Paris und Frankreich unterstützte ermit mehr als einer halben Million aus seiner Chatoulle u. f. w. Auf seinen Reisenin versä/iedene Departements des Nordens und des Ostens gab er die mann ichfal-tigsten Beweise seiner Aufmerksamkeit auf alles Wichtige, indem er ein bewunderns-würdiges Talent der Rede und eine nicht zu ermüdende Thätigkeit zeigte. In ge-fahrvollen Tagen, wie am 5. und 6. Jun. 1832, bewies er Gegenwart des Gei-stes und Muth. Gab er dem ungestümen Drange der Opposition und der Um-stände nach, so fanden auch wol politische Fehler und Misgriffe statt. Sein Sy-stem war das vom Eigendünkel der Journale oft verspottete System der richtigen(der hohen) Mitte, das freilich oft auch nur halbe Maßregeln, statt der rechten, er-griff. Die auswärtigen Angelegenheiten leitete Ludwig Philipp selbst, jedoch mitTalleyrand einverstanden; auch hörte er auf Sebasiiani's Rath. Nach Perier'sTode (16. Mai 1832) stand er dem Minifterrathe vor, bis er am 11. Ort. 1832den Marschall Soult an die Spitze desselben stellte. Das neue sogenannte do (tri-tt a i r e Ministerium verstärkte sich durch 62 Pairsernennungen. Aber auch in derneu gewählten Deputirtenkammer (459 Mitglieder) erhielt es die Majorität. DerKönig eröffnete die noch jetzt fortdauernde Sitzung am 19. Nov. 1832. Ein Pi-stolenschuß, der auf ihn siel, wahrend er zur Sitzung ritt, regte die Besorgniß einerWiederkehr der Anarchie auf.") Dieses Ereigniß, dessen Urheber nicht ermitteltwerden konnte, bewies, wie sehr die öffentliche Meinung in der Erhaltung des Kö-nigs, welcher sich auch bei dieser Gelegenheit kaltblütig, besonnen und würdig be-nahm, die Bürgschaft der Ordnung, der Ruhe und des Heils, folglich der Freiheitvon Frankreich erkannte. Auch der Ruhm der französischen Waffen bei der Erobc-

*) DerlUoniteur" vom 10. Aug. enthält die Declaration, die Beitrittsacte derPairskammer und das Protokoll der Sitzung am 9.

") Odilon-Barrot soll gesagt haben:Unter solchen Umständen gibt es kemeOpposition."

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