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Ludwig Philipp (König der Franzosen)
neu, welche mich begleitet haben, zu treffen sind, nicht minder auch über die qeeia-neten Anordnungen in Betreff meiner und meiner übrigen Familie. Wir werdendemnächst die andern Maßregeln feststellen, welche eine Folge des Regierungswech-sels sind. Ich erneuere Ihnen, mein Vetter, die Versicherung der Gesinnungenmit denen ich bin Ihr wohlgeneigter Vetter Karl. — Ludwig Anton.
Der Statthalter befahl diese Acte in das Reichsarchiv niederzulegen. Znder Kammer hatte man schon vorher die Erledigung des Thrones und dieAusschließung der altem Linie des Hauses Bourbon ausgesprochen. Bei derEröffnung der Kammern am 3. Aug., wo 194 Deputirte und 07 Pairs zugegenwaren, erklarte der Statthalter in seiner Rede, daß er von Herzen und aus Über-zeugung den Grundsätzen einer freien Regierung zugethan wäre, daß er im VorausAlles, was daraus herflösse, annehme, und daß er versichert wäre, Frankreichwürde glücklich und frei sein und Europa zeigen, daß es, einzig mit seiner innemWohlfahrt beschäftigt, den Frieden ebenso sehr als die Freiheit liebe und nur dasGlück und die Ruhe seiner Nachbarn wolle. Wie hierauf des Deputirten Be-rard's Vorschlag einer Abänderung der Charte und die Ernennung des Gcneral-statthalters zum König der Franzosen am 7. Aug. in der Kammer der Deputirten,unterdes Viceprasidenten Lafsitte Vorsitz ^), von 219 Stimmen gegen 33, undin der Pairskammer, die damals 308 Mitglieder zählte, von denen aber nur 114zugegen waren, von 89 gegen 10 Stimmen (es gab 15 leere Zettel)") angenom-men wurde, ist in den Artikeln Frankreich und Juliusrevolution bereitsgesagt worden. Unter den Deputirten sprach Conny für den Herzog von Bor-deaux; Hyde de Neuville äußerte sich mit edler Wärme für die alte Dynastie; Le-zardiere meinte, das Recht zur Entthronung des Königs dürfe nicht Staatsrechtwerden, dies führe zu großen Unordnungen; Berryer erklärte, daß er nicht be-fugt sei, an diesen Verhandlungen Theil zu nehmen. Dagegen rief Benjamin Con-stantaus: „Hinweg von mir jene Lcgitimitätslehre, in deren Namen man Parismit Blut getränkt hat." In der Pairskammer sprach, unter Mehren, Chateau-briand für den Herzog von Bordeaux. Die Herren d'Andlau, Bouille, Hocquartund Grosbois verzichteten in derselben Sitzung auf ihre Pairswürde. Der Be-schluß beider Kammern, welcher die Charte von 1830 (s. d.) und das An-erbieten der Krone enthielt, wurde eine Declaration genannt. Um halb kUhr (7. Aug.) empfing der Statthalter, von seiner Familie umgeben, die Kammerder Deputirten. Der Vizepräsident Lafsitte las die Erklärung vor, vermöge wel-cher Ludwig Philipp von Orleans, Generalstatthalter des Königreichs, unter denBedingungen, welche mit den in der Charte getroffenen Modifikationen eintraten,auf den Thron berufen wurde. Der Prinz ertheilte hierauf folgende Antwort:„Ich empfange mit tiefer Bewegung die Erklärung, welche Sie mir überreichen.Ich betrachte sie als den Ausdruck des Willens der Nation, und sie scheint mirden politischen Grundsätzen, zu welchen ich mich mein ganzes Leben hindurch be-kannt, angemessen. Voll von den Erinnerungen, welche in mir stets den Wunscherweckt hatten, nie dazu bestimmt zu werden, den Thron zu besteigen, frei von al-lem Ehrgeiz, und an das stille Leben gewöhnt, welches ich im Kreise meiner Fami-lie geführt, kann ich Ihnen die Bewegungen meines Herzens bei diesen großen Zeit-umständen nicht verbergen: es gibt indeß eine, welche alle andern beherrscht — dieLiebe zu meinem Vaterlande; ich fühle, was sie mir vorschreibt, und werde dieserfüllen." Am Ende dieser Worte, welche der Prinz mit großer Bewegung undunter Thränen aussprach, umarmte er Lafsitte. Um 11 Uhr Abends überreichteauch die Pairskammer, ihren Präsidenten Baron Pasquier an der Spitze, die
*) Der Präsident, Casimir Perier, war wegen Krankheit abwesend.
**) Durch einen Druckfehler steht im Artikel Juliusrevolution, S. 616, statt1V Stimmen 30.
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