Ludwig Philipp (König der Franzosen) 965
gerkrieges und der Gesetzlosigkeit zu bewahren. Als ich in die Stadt Paris zurück-kehrte, trug ich mit Stolz jene glorreichen Farben, die Ihr wieder angenommenhabt, und die ich selbst lange getragen hatte. Die Kammern werden sich nächstens!kk'versammeln, und auf die Mittel Bedacht nehmen, die Herrschaft der Gefetze unddie Aufrechthaltung der Rechte der Nation zu sichern. Die Charte wird von nun^ ^ an eine Wahrheit sein." An demselben Tage vereinigten sich die Deputirtcn wie-der, 89 an der Zahl, bei Lafsitte, der den Vorsitz führte. Man befahl den Druck^r Proclamation des Herzogs zu 10,000 Exemplaren. Guizot, Villemain, Ve-rard und Benjamin Constant versahen das Amt als provisorischer Secretairs.Hierauf ward eine, von Guizot entworfene „Proclamation der in Paris besindli-chen Deputirten an das französische Volk" erlassen. *) Die äußere Ordnung^war jetzt hergestellt. Der Generalstatthalter des Königreichs erließ hierauf am1. Aug. neun Ordonnanzen: 1) Die französische Nation nimmt ihre Farben wieder"Mz an; es soll keine andere als die dreifarbige Cocarde getragen werden; 2) die Pairs-und die Deputirtenkammer sollen sich am 3. Aug. in dem gewöhnlichen Sitzungs-saale einfinden (gegengezeichnet Guizot); die 3. — 6. enthielten die Erncn-nungen von Dupont de l'Eure, Gerard, Guizot und Louis zu Commissa-rien in den verschiedenen Ministerien, die sich sofort unter dem Namen einer Com-Mission im Palais royal versammelten; die 7 — 9 betrafen die Ernennun desw KHiP, Gerichtsraths Girod de l'Ain zum Polizeiprafecten von Paris, Auberne's zum Prä-O sicten von Versailles und Clausse's zum Maire ebendaselbst. Ferner wurden Un-tercommissairs in den Ministerien, Graf Reinhard provisorisch zum Vorsteher desWmM Departements des Auswärtigen und General Lamarquc zum Oberbefehlshaber in», den westlichen Departements (Vendee, Bretagne, Pyrenäen) ernannt. AnchMM demselben 1. Aug. legte die städtische Commission von Paris die Functionen, dieMI OiN sie 5 Tage lang bekleidet hatte, in die Hände des Generalstatthalters nieder, undLttßM am 2. Aug. zeigte der General Lafayette an, daß er, auf den Wunsch des General-nNKilW, statthalters, das Amt eines Generalcommandanten sämmtlicher französischer Na?iMtsiM äonalgarden übernommen habe. Die an demselben Tage von Karl X. (s. d.)WWÄ«» ""d Dauphin erlassene Entsagungsacte lautete dem ,Momteur" zufolge so:„An meinen Vetter, den Herzog von Orleans, Statthalter des Königreichs. Ram-iiiüMsii bouillet, 2. Aug. 1830. Mein Vetter! Ich empfinde zu tiefen Schmerz über diewelche meine Völker heimsuchen oder sie noch bedrohen könnten, als daß ichMydO hätte ein Mittel suchen sollen, denselben vorzubeugen. Ich habe daher denEntschluß gefaßt, zu Gunsten meines Enkels, des Herzogs von Bordeaux, derKrone zu entsagen. Der Dauphin, der meine Gesinnungen theilt, verzichtetgleichfalls zu Gunsten seines Neffen auf seine Rechte. Sie werden daher in IhrerEigenschaft als Statthalter des Königreichs die Thronbesteigung Heinrichs V. zuPwclamiren haben. Sie werden außerdem alle Maßregeln nehmen, soviel von Ihnen^ abhängt, um die Regierungsformen während der Minderjährigkeit des neuen Kö-
nigs festzustellen. Ich beschränke mich hier, diese Bestimmungen kund zu thun;^ ^ Mittel, um noch manches Unglück abzuwenden. Sie werden meine
>5^' Ansichten dem diplomatischen Corps mittheilen, und die Proclamation, durchOB s welche mein Enkel unter dem Namen Heinrichs V. als König anerkannt wird, bald-Mtil möglichst zu meiner Kenntniß bringen. Ich beauftrage den Generallieutenant Vi-comte von Foissac-Latour, Ihnen dieses Schreiben zuzustellen. Er hat den Befehl,^s'ch mit Ihnen über die Anordnungen zu verständigen, die zu Gunsten der Perso-
Lm „Nonlteur" vom 1. Aug. Unter den Unterzeichneten bemerkt man die Na-«en Agier, Vatismenil, Cormenin, Duvergier de Hauranne, d'Arroz, Villemain,^aborde, Ternaux, B. Constant, Köratry, Viennet, Sebastiani, Bertin de Vaux,Casimir P«rier, Salverte, Dupont de l'Eure, Corcelles, I. Lafsitte, Bignon undAndere mehr.