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Ludwig Philipp (König der Franzosen)
der Urwähler, und eines UrVertrags, sondern auf dem alten Grunde der Constitu-tion und der schon vorhandenen Kammern. Dadurch wurde der Abgrund der Re-volution, welche bereits außer den öffentlichen so viele Privatverhältnisse erschüt-tert hatte, schneller geschlossen als es außerdem möglich gewesen wäre. OhneLudwig Philipps Entschluß, die Bürgerkrone anzunehmen, welchen der darum vomHerzog befragte Talleyrand mit den Worten: „U käut I'accepter" entschieden ha-ben soll, ohne diesen Entschluß konnte jener Erfolg nicht erreicht werden; aberebenso nothwendig knüpfte sich an Ludwig Philipps Thronbesteigung der Friede mitEuropa. Hätte er als Vormund und Generallicutenant des unmündigen KönigsHeinrich V. austreten wollen, so stand er allein mitten in dem aufgeregten Paris unddie Anarchie triumphirte. Dies Alles mochte ihm klar vor die Augen treten, als ermit Lafsitle und Lafayette am 31. Iul. Arm in Arm die Stufen des Stadthauses er-stieg. *) Dasselbe wollten aber auch die Männer, welche jetzt um ihn sich scharten. Ben-jamin Constant, Lafsitte, Dupin der Ältere, Guizot u. A wollten eine Dynastie, wel-che die Bedingungen einer Repräsentativmonarchie annahm und erfüllte; eine Dy-nastie, die dem Volke den Thron verdankte. Kein anderes Haus war so nationalals das Haus Orleans, an dessen Spitze ein aufgeklärter, liberaler Fürst stand, derden Fehlern der bisher regierenden Dynastie würdig und gesetzlich entgegengewirkthatte; ein Fürst voll Tugend, Aufklärung, Wissenschaft und Geist, erfüllt vonpatriotischem Sinn; ein Krieger endlich, der für die Nationalfarben bei Valmyund Jemappes ruhmvoll gefochten hatte. Also erhob die Opposition den Prinzen,der 15 Jahre lang des Thrones würdig erschienen war, den Courier undCauchois-Lemaire in ihren Flugschristen als den Mann der Nation bezeichnethatten, auf den leeren Thron, und die Häupter, welche die Opposition in beidenKammern 15 Jahre lang geleitet hatten, wurden seine Minister.
Die unter Lafsitte's Vorsitz in dessen Hotel versammelten Deputaten, etwa50 an der Zahl, ernannten am 30. Iul., also noch vor der von Karl X. auf den3. Aug. bestimmten Eröffnung der Kammern, den Herzog von Orleans zum Statt-halter des Reichs. ") In dem Protokolle dieser Sitzung vom 30. Iul. heißt es:„Der gegenwartig in Paris befindliche Verein von Deputirten hat geglaubt,daß es dringend nothwendig sei, Se. königliche Hoheit den Herzog von Orleanszu bitten, daß er sich nach der Hauptstadt begebe, um das Amt eines Statthaltersdes Königreichs zu übernehmen und ihm den Wunsch zu erkennen zu geben, daß erdie Nationalfarben beibehalte. Der gedachte Verein hat überdies die Nothwendig-keit erkannt, sich in der nächsten Session der Kammern vor Allem damit zu beschäf-tigen, dem Lande die, zur vollständigen Ausführung der Charte unerläßlichen Bürg-schaften zuzusichern." Die zu Paris versammelten Pairs (über 30) billigten die-sen Schritt. Von den Deputirten eingeladen, begab sich der Herzog noch an dem-selben Abend um 11 Uhr von Neuilly nach der Hauptstadt, und erließ am 31. fol-gende Proclamation: „Einwohner von Paris. Die gegenwärtig in Paris versam-melten Deputirten Frankreichs haben mir den Wunsch zu erkennen gegeben, daßich mich nach dieser Hauptstadt verfüge, um das Amt eines Statthalters des Kö-nigreichs zu übernehmen. Ich habe keinen Anstand genommen, Eure Gefahrenzu theilen, mich in die Mitte Eurer heldenmüthigen Bevölkerung zu bege-ben und alle meine Kräfte aufzubieten, um Euch vor den Trübsalen des Bür-
*) S. Juliusrevolution, S. 61Z. Daß er dabei auch sein eignes Schicksalund das Schicksal seiner fünf Söhne und drei Töchter, seiner Gemahlin und seinerSchwester erwog, daß er sein Vermögen nicht preisgeben, daß er nicht zum drittenMale in die Verbannung gehen, noch in Frankreich Proscriptionsgreuel erlebenwollte: wer könnte dies in seiner Lage ihm verdenken?
**) Am demselben Tage hatte Karl X. in St.-Cloud einen Verhaftsbefehl gegenden Herzog von Orleans erlassen.