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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
963
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Ludwig Philipp (König der Franzosen)

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von Geblüte den Sitzungen der Kammer nicht mehr beiwohnen sollten, außer beifeierlichen Gelegenheiten. In Frankreich nahm jetzt die Zahl der Misvergnügtenimmer zu. Man sprach von einer Partei Orleanisten. Nur der Herzog gehörtenicht zu derselben, und keine Stimme wagte es, ihn zu verdächtigen, als ob er ge-gen den Thron seines Blutsverwandten kabalire. In England besaß der Herzogdie Achtung des englischen Hofes, und der Herzog von Kent sagte von ihm in ei-nem durch öffentliche Blatter bekannt gewordenen Briefe, daß er unter allen seinenBekannten keinen bravem und edler denkenden Mann als den Herzog von Orleanswüßte. Die Loyalitat des Herzogs, vielleicht auch die Verwendung einer wichti-gen Mittelsperson, versöhnte endlich den König Ludwig XVIII. mit ihm, und am14. Febr. 1817 kehrte der Herzog von Orleans nach Paris zurück, wohin ihmbald nachher auch seine Familie folgte. Von dieser Zeit an lebte er als Privat-mann, allgemein geachtet, im Kreise seiner Familie, theils im Palais royal zuParis, theils aufsemem Landgute zu Neuilly. Er bezog vom Staate eine Mil-lion Francs jährliche Appanage; wahrscheinlich als Rentenentschadigung für seineVerluste wahrend der Revolution, die auf47 Millionen Francs berechnet wordenwaren. Einige Zeit nach der Ermordung des Herzogs von Bern (13. Febr. 1820)sollte er den Titel königliche Hoheit erhalten. Dies geschah aber erst nach derThronbesteigung Karls X. im J. 1824. Die Augen der Nation waren auf ihn, dennächsten Thronerben, gerichtet, als die Witwe des Ermordeten, die Herzogin vonVerri, am 29. Sept. 1820 Heinrich gebar, der Herzog von Bordeaux genannt wurdeund jetzt der Prätendent der Krone von Frankreich ist. Daß der Herzog von Orleansdamals einen Protest gegen die Echtheit der Geburt des Prinzen in England nieder-gelegt habe, ist nicht gegründet, obgleich bald nachher eine solche Protestatio», vom30. Sept. 1820 datirt, in englischen Blättern erschien, die auch neuerlich imAug. 1830 von französischen Blättern wiederholt worden ist. Der Herzog lebteübrigens, je mehr ein antinationales System am Hofe Karls X. vorwaltete, im-mer zurückgezogener, und nahm durchaus nicht an den Jntriguen der beiden ent-gegengesetzten Parteien Antheil. Er ließ seine Söhne bürgerlich erziehen, in dieöffentlichen Schulen gehen und mit ihren Schulgenossen Umgang haben. Einstsragte ihn der Lehrer eines seiner Söhne, welche politische Grundsätze er demselbenvortragen solle.Machen Sie aus ihm," antwortete der Herzog,einen Repu-blikaner, er wird künftig immer Royalist genug sein." *)

Daß es eine Partei Orleans und einen Entwurf für dieses Hcus vor denJuliusordonnanzen gegeben habe, wird ohne Grund von Marrast und Andern be-hauptet. Es gab aber allerdings Freunde und Anhänger des Hauses Orleans.Der Herzog selbst befand sich während des Juliuskampses in Neuilly. Lafsitte fo-derte ihn auf, sich an die Spitze der Nation zu stellen. Er sandte Boten über Bo-ten. Der Herzog kämpfte lange. Er durchstreifte des Nachts die Fluren vonNeuilly, unentschlossen was er thun sollte. Endlich, als der Bruch zwischen deralten Dynastie und dem Volke entschieden und keine Rückkehr möglich war; als dieRepublik von der pariser Jugend und den Männern des Stadthauses proclamirtwerden sollte (s. Juliu srevoluti on); als Anarchie, Bürger-und Factionen-kampf, ein Krieg mit Europa und ein allgemeiner Bankerott vor den Augen allerbesonnenen und vermögenden Männer über Frankreich im Gefolge der Republikhereinzubrechen drohte: da beschloß der Herzog, sich voranzustellen, durch seinenNamen das Gesetz und die Ordnung mit der Freiheit zu verbinden, alle kräftigenund verständigen Bürger um sich zu versammeln und mit ihnen das neue Grundge-setz des monarchischen Frankreichs aufzurichten; nicht von Grund aus, mittels

*) Diese Anekdote erzäblt von Tscharner in denÜberlieferungen zur Geschichte' Unserer Zeit" (1317)

6! *