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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
961
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Ludwig Philipp (König der Franzosen) 961

lag. Von jetzt an entwickelte der Herzog eine moralische Kraft, die außerdem viel-leicht weniger hervorgetreten wäre, und die jetzt eine Bürgschaft mehr für den Cha-rakter des Königs der Franzosen ist. In Schasshausen traf er mit seiner Schwe-ster (Adelaide) und mit der Frau von Genlis zusammen. Er versorgte sie mit demgrößten Theile seiner geringen Baarschaft und begab sich mit ihnen nach dem Klo-ster Bremgarten, wo der ebenfalls geflüchtete General Montesquieu den beidenDamen einen Aufluchtsort verschaffte. Er selbst war dort nicht sicher; er irrte aufden Bergen von Hütte zu Hütte, und litt vier Monate lang die größten Entbeh-° mngen. *) Er gab taglich nicht mehr als einige Groschen aus, um sich und seinen" alten Diener, der ihn nicht verlassen wollte, zu beköstigen. Als er nur noch einen! Louisdor hatte, suchte und erhielt er, unterstützt von Montesquieu, Ende Oct.^ 1793, die Professur der Geometrie und Geschichte an dem Collegium zu Reichenau,zwei Stunden von Chur. Hier blieb er acht Monare, unter dem Namen Chabos,ohne daß ihn, außer-den Vorstehern (Professor Nesemann, Oberstlieutenant vonJost und dem Stadtvoigt von Tscharner) Jemand kannte. Er erwarb sich dieMi Achtung seiner Mitlehrer und die Liebe seiner Schüler in hohem Grade. Ein Herr' ^ von Salis trug ihm die Stelle eines Hosmeisters bei seinen Kindern an. Er lehnte'w sie ab. Späterhin drückte sich der Herzog, bei Gelegenheit eines Geschenks fürW xinm Verein zur Unterstützung hülfsbedürftiger Schullehrer, über seine damaligeLage so aus:Was mein Mitgefühl für arme Schullehrer ganz besonders erregt,Pli ist der Umstand, daß ich selbst einmal zu dieser nützlichen Staatsbürgerclasse gehört>ul habe. Au den vielen Schicksalsveränderungen, die meinem Erdenloose sielen, ge-hört auch das, daß ich, zu einer Zeit harter Verfolgung, als Lehrer in einem Gym-nasium aufgenommen wurde, wo ich acht Monate hintereinander regelmäßigenVM Unterricht ertheilte. Ich hoffe daher, daß die Gesellschaft mein als von einem Mit-

.schullehrer kommendes Scherflein annehmen werde."

!«» Erst nach Robespicrre's Tode (28. Jul. 1794), als er nicht mehr wegen», bn seiner Mutter und Geschwister in Sorgen war und die Prinzessin von Orleans sich! zu ihrer Tante, der Prinzessin von Conde, nach Freiburg begeben hatte, verließ erSP ' seinen Aufluchtsort, entdeckte sich einigen Freunden und begab sich nach Vremgar-W ten, wo er bis 1795 unter dem Namen Corby, als Montesquiou's Adjutant,M lebte. Als aber in Frankreich der Ort seines Aufenthalts bekannt wurde, mußte erL«- die Schweiz verlassen. Er wendete sich jetzt, in der Absicht nach Amerika zu gehen,«üa nach Hamburg. Da er hier die erwartete Unterstützung nicht fand, so ging er nachi Kopenhagen, wo er durch einen Banquier, dem er als reisender Schweizer empfoh-zB len war, Geld und Pässe zu einer Wanderung nach dem Norden erhielt. Er reistemst nach Schweden, Norwegen und Lappland, stellte am Nordcap (24. Aug. 1795)üiB astronomische Beobachtungen an, und ging über Finnland nach Stockholm, wo erM ' vom Könige Gustav I V. (jetzigen Obersten Gustavson) auf das Wohlwollendste auf-W genommen wurde. Er kehrte 179k nach Hamburg zurück. Hier lebte er ziemlichdürftig von den Früchten seines Fleißes. Der Gesandte der französischen Republikstellte ihm hier ein Schreiben seiner Mutter zu, welche ihn bat, um ihrer, derFamilie und der Republik willen, nach Amerika zu gehen.In dem Augenblicke",antwortete er,da meine theure Mutter diesen Brief erhalten wird, sind ihre Be- fehle schon vollzogen." Im Oct. 1796 kam er in Philadelphia an, wo seine BrüderMit von Marseille aus erst im Febr. 1797 eintrafen. Mit ihnen durchstreifte er die^ kzß Vereinigten Staaten und fand eine freundliche Aufnahme bei Washington. AlsMs ihre Mutter, die ihre Söhne jetzt mit ihrem Vermögen unterstützen durfte(18. Fruclidor, 4. Sept. 1797), nach Spanien deportirt worden war, beschlossenM sie, sich zu ihr zu begeben. Nach vielen Widerwärtigkeiten und vom spanischen

^ / *) Em Gemälde von Horace Vernet stellt ihn dar, wie er, müde und entkraf-litt, die Mönche des Hospitiums vom St.-Gotthard vergeblich um ein Obdach bittet.

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