Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
956
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Ludwig (Großhcrzvg von Baden)

gesetzten Besoldungen Abhülfe finden werden. Diesen ministeriellen Finanzmisgriffen widerspricht schon der vom König L. für S0jährige Staatsdienste eigens gc-stiftete Verdienstorden, wodurch er den Werth guter Beamten anerkannt hatAuch die Königin hat für die Töchter veramter Adeligen einen Orden mit zwölfPräbendm gestiftet. Der König hat die Wiederaufrichtung der Klöster sich ange- ^

legen sein lassen und dadurch den Bestimmungen des Concordats mehr als Ge- ^nüge geleistet. (S. Kloster wesen in Baiern.) Auch die protestantisch?

Kirche erfreut sich des thätigften Schutzes des Monarchen, welcher einige von sei- 'ncn Ministern erlassene, die constitutionnelle Freiheit und Gleichheit sämmtlichcrreligiösen Gesellschaften gefährdende Verfügungen, sobald er deren nachtheilige WZ!«Wirkungen erfuhr, wieder aufhob und die strengste Beobachtung der bestehendenGesetze befahl. Der König bereist von Zeit zu Zeit seine Staaten, um sich durch üb

Anschauung von dem Zustande des Landes zu unterrichten. Da die eigentlichen Re- ^gierungshandlungen in constitutionnellen Staaten mehr zu dem Kreise ministeriellerWirksamkeit gehören, so bleibt der Gang der öffentlichen Verwaltung billig von ^gegenwartiger biographischer Skizze ausgeschlossen, obgleich nicht mit Stillschwei-gen zu übergehen ist, daß der König L. durch unmittelbare Theilnabme an denRegierungsgeschäften als selbständiger Regent sich auszeichnet. Die Theilnabme,die der König dem Schicksale der Griechen bcw-esen hatte, fand 1832 ihre Aner- Äkennung in der Wahl seines zweiten Sohnes Otto (s.d-) zum König von Grie- Uchenland. Des KönigsGedichte" (zweite Ausgabe, 2 Bde., Stuttgart 1829) Msind bei allen Mängeln der Fvrm als ein treuer Spiegel des Gemüths und derGesinnung höchst beachtungswerth.

Ludwig (Wilhelm August), Großherzog von Baden, wurde geboren den9. Febr. 17H3 zu Karlsruhe. Sein Vater war der damals noch über eine kleineMarkgrafschaft regierende Karl Friedrich, seine Mutter Karoline Luise, ge-borene Landgräsin von Hessen. Der jüngste von drei Brüdern und sonach ohnegroße Aussichten in der Heimath, trat L., seiner Vorliebe für das Militair unddem gewöhnlichen Loose nachgeborener Prinzen folgend, in fremde Kriegsdienste,und wohnte als preußischer General den Feldzügcn gegen die französische Republikbei. Später nach Baden zurückberufen, war er nacheinander Vorstand einigerhöhern Verwaltungsbehörden, des Finanzministeriums, der Forstadministrationund zuletzt des Kriegswesens, bis ihn der Widerwille Napoleons aus der Nähe desThrons in ein ländliches Exil entfernte. Bald nach Napoleons Sturz eröffnetesich für L. die Aussicht auf die Thronfolge, indem sein ältester Bruder, Karl Lud-wig, schon 1801 noch als Erbprinz gestorben war, und 1817 auch der zweite,der Markgraf Friedrich, mit Tode abging. Am 8. Dec. 1818 starb derGroßherzog Karl, L.'s Neffe, ohne einen Sohn zu hinterlassen, und L. warGroßherzog von Baden. Als Vermächtnis seines Vorfahren fand er eine con-stitutionnelle Verfassung, welche eben erst aus Veranlassung der Streitigkei-ten mit Baiern und einer den Bund mit der öffentlichen Meinung suchen-den Politik verkündet worden war, und damit die auf ihn übergegangeneAufgabe vor, das Grundgesetz ins Leben einzuführen. Er that es mit demAnschein von Aufrichtigkeit, und als er am 22. April 1819 die erste Stände-Versammlung eröffnete, sprach er in der Thronrede die Worte:Meinem in Gott ^ ^ruhenden Herrn Neffen und Regierungsvorfahren gehört das erhabene Verdienst, .dem Lande eine Verfassung gegeben zu haben, dem Thron zur Stütze und Allen ^zum Schutz. Was er zu vollenden wünschte, ward ich berufen zum Ziel zu führen.

Ich konnte dem Verlangen nicht widerstehen, eine Verfassung baldmöglichst insLeben zu rufen, die von dem Vaterlande mit so einstimmigem Dank und von demAusland selbst mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurde. Heilig sei uns derSinn, sowie der Wortlaut der Verfassungsurkunde!" Es fehlte Viel, daß diese .