Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
954
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S54 Ludwig II. (Großherzog V .Hessen) Ludwig I. (König v. Baiern)

kräftigen Naturen ging es hausig in den entgegengesetzten Pol über; die Festigkeitward Eigensinn, die Menschenfreundlichkeit schmolz zuweilen in zu weiche GüteSeine halbe Abneigung gegen Rheinhessen, das er nie besuchte, seit er es erworbenhatte, waren Ursache, daß manches Gute von dort nicht herüberkam. Aber allDieses hindert nicht die lebhafte Anerkennung seiner Tugenden und die warme Erin-nerung an denalten Herrn". slli)

Ludwig II., Großherzog von Hessen, ward am 26. Dec. 1777 z«Darmstadt geboren, der älteste Sohn Ludwigs I. Seine Studien machte er unterder Leitung des nachherigen Geheimraths von Petersen in Leipzig. Seit 1804 mitWilhelmine Luise, Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden, vermählt,lebte er bis zu seinem Regierungsantritte am 6. April 1830 meist still in Darm-stadt, fern von unmittelbarer Theilnahme an Regierungsgeschäften, weder demMilitair, noch dem Reisen, noch der Jagd mit Vorliebe zugethan. Der Landes-berr fei ein milder und verständiger Fürst, sagte der Freiherr von Gagern am 10.Oct. 1830 in der ersten Kammer; er kenne keine Neigung des Großherzogs alsPflege der Dürstigen und Pflege der Gärten, Neigungen, die gewöhnlich die Wei-sesten und Klügsten bezeichneten. Er hatte zwar gegen 18 Jahre lang eine Apa-nage von mehr als 207,000 Gulden bezogen; eine seiner ersten Mittheilungen andie Stände aber war der Antrag, seine Privatschulden, die über 2 Millionen Gul-den betrugen, auf die von mehr als 12 Millionen Staatsschulden schon belastetenLandescassen zu übernehmen, was beide Kammern, die erste mit dem Ausatzefürjetzt", ablehnten. In der bei seinem Regierungsantritte erlassenen Bekanntma-chung vermißte man die Zusage treuer Beobachtung der Verfassung, und mehreunbeliebte schnelle Beförderungen bei dem Militair machten gleichfalls einen un-günstigen Eindruck. Eine der ersten neuen Einrichtungen des Großherzogs wardie Umwandlung des Hofoperntheaters in ein Hoftheater, das aber nicht ohne neueOpfer im Jun. 1831 wieder aufgegeben ward. (Vergl. Küstner.) Auch wur-den andere Ersparungen versucht und zum Thcil durchgesetzt, wobei freilich die Hof-bibliothek zu Darmstadt alle Unterstützung aus der großherzoglichen Privatcasseverlor. Die Unruhen, die im Oct. 1831 in Oberhessen ausbrachen, besonders dieunglücklichen Vorfälle bei Södel, machten einen schmerzlichen Eindruck auf denGroßherzog, welcher die schleunigste Untersuchung und Bestrafung derselben zu-sagte; aber es ist im Artikel Hessen umständlich erzählt worden, wie lange dieUntersuchung sich verzögerte. Auf jenen Artikel müssen wir auch verweisen, wennwir an den Eindruck erinnern, den die Ordonnanzen, welche mit der Verordnunggegen politische Vereine vom 12. Marz 1832 begannen, im Großherzogthum Hes-sen hervorbrachten, um so mehr, da die Verantwortlichkeit für solche Regierungs-handlungen nach dem constitutionnellen Princip auf dem Ministerium ruht, wiedenn auch dort die Ereignisse bei der Eröffnung des Landtags am 1. Dec. 1832erzählt worden sind, welche auf die Volksstimmung vielfach einwirkten. Das Volkkennt die Gesinnungen des Großherzogs, seine Gutmüthigkeit, seine Redlichkeit,und beurtheilt die persönlichen Absichten desselben in der Regel sehr günstig. (16)Ludwig I. (Karl August), König von Baiern, der erstgeborene Sohndes Königs Maximilian aus dessen erster Ehe mit Marie Wilhelmine Augu-ste, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, geboren am 25. Aug. 1786, vermahlt1810 mit Therese, Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, bestieg den Thronam 13. Oct. 1825. Er hatte die Universitäten Landshut und Göttingen be-sucht und sich im Krieg gegen Ostreich und in Tirol ausgezeichnet. Bei Lebzei-ten seines Vaters nahm er an den Regierungsgeschäften wenig Antheil, hielt sichselten am königlichen Hoflager auf, sondern wohnte abwechselnd in Salzburg,Jnnspruck, Würzburg und Aschassenburg, wo er sich der Vorbereitung zu seinemBerufe, dem Studium der Alten und der Geschichte und mit besonderer Vorliebe

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