942 Londoner Universität
nen einheimischer Aeltern bestehen sollte, welche die Vorlesungen über ihre Beruft-wissenschaften zu verschiedenen Tagesstunden besuchten. Dieser Umstand hatte atmin England so viel Gewicht, daß der Universitätsrath in seinem „Seccmllswtement"(London 1828), worin er den Unterrichtsplan darlegte, die ausgesprochene Bedenk-tichkeit gegen die Ausschließung taglicher Morgenandachten im Universitätsgebäudeumständlich erörterte. Man suchte den Vorwurf auch aufandere Weise abzuwehren.Zwei bei der Universitär angestellte, der bischöflichen Kirche angehörige Lehrer kün-digten an, daß diejenigen Zöglinge, die in der Gegend des Universitätsgebäudeswohnten, in einer benachbarten Capelle täglich Gelegenheit zu gottesdienstlichenÜbungen finden würden, und erboten sich in derselben Capelle auch einen theologüschen Cursus zu eröffnen. Ebenso erboten sich zwei presbyterianische Geistliche,Mitglieder der Hochschule, zu Vorlesungen über die Dogmen ihrer Kirche in einembenachbarten Hause. Die Vorsteher hätten selbst gegen die Gründung eines katho-lischen, unitarischen oder baptistischen Lehrstuhls nichts einzuwenden gehabt, abermit strenger Consequenz wollten sie von einer Anstalt, welche wissenschaftlicheKenntnisse lehren sollte, die für alle Parteien brauchbar sind, jede Theilnahme andiesen Privatunternehmungen fern halten. Sie suchten jedoch, aller Anfeindun-gen ungeachtet, jede Opposition mit den Landesuniversitäten, von deren abgeschlos-senem Wirkungskreise sie in ihren Mittheilungen immer mit Achtung sprachen, zuvermelden, und erinnerten oft daran, daß die verschiedenen Lehranstalten sich allein dem gemeinsamen großen Zwecke begegnen sollten, dem Volke die Gelegenheitzu höherer Ausbildung nahe zu bringen und den Geist echter Wissenschaftlichkeit zuverbreiten, welche besondern Wege auch jede dazu wählen möge.
Die neue Anstalt begann indeß unter günstigen Vorbedeutungen. Selbstmehre indische Kaufleute in Bombay kauften Actien, um ihre Söhne an den Vor-theilen der europäischen wissenschaftlichen Bildung Theil nehmen zu lassen. Manzählte 1829 schon K80 Zöglinge, und besonders hob sich die medicinische Schule.Zu Anfange des Jahres 1832 aber war die Zahl der Zöglinge auf ungefähr 400gesunken, wozu noch 80 Zöglinge in der mit der Universität verbundenen Elemen-tarschule kamen; das Stammvermögen bestand jedoch aus 164 ,852 Pfund Ster-ling, wovon 2377 Pfund aus Schenkungen herrübrten, und es ergab sich mit denRückständen ein Überschuß der Einnahme, der 6650 Pfund überstieg. Um so mehrmußte es überraschen, zu Anfange des Jahres 1833 ein so ungünstiges Ergebniß
hervortreten zu sehen, daß man die Fortdauer der Anstalt nicht ohne neue Anstren-zu k
gungen sichern zu rönnen glaubte. Aus dem Berichte des Ausschusses ergab sich, 'A ^daß das ursprünglich unterzeichnete Capital von 158,882 Pf. Sterl. verwendet ^ze«inun^worden und eine Schuld von 2946 Pf. angewachsen ist. Man drang auf neue MnMcheMijährliche Unterzeichnungen, um die Universität in eine unabhängige Lage zu setzen.
Wir sind über die Ursachen dieser Erscheinung noch nicht genau unterrichtet, H»,es scheint aber, daß außer einigen Mängeln in dem Plane der neuen Anstalt selbst,besonders die von der Regierung, von der reichen Aristokratie und der bischöfli-chen Geistlichkeit begünstigte ähnliche Lehranstalt in London das fröhliche Gedeihenihrer Nebenbuhlerin gehindert habe. Als die Gegner der londoner Universität sahen,daß die Ausführung des Entwurfs nicht gestört werden konnte, versammelten sicham 21. Jun. 1828 unter dem Vorsitze Wellingtons die Erzbischöfe von Canter-dury und Pork und mehre Bischöfe und AnHanger der Torypartei zu London undfaßten den Beschluß, eine Lehranstalt in der Hauptstadt zu gründen, welche alleHauptzweige der Wissenschaften lehren, aber es zugleich als einen wesentlichenTheil des Unterrichtssystems festsetzen sollte, den Gemüthern der Jugend dieKennt-niß der Lehren und Pflichten des Christenthums einzuflößen, wie sie in der vereinig-ten Kirche von England und Irland gelehrt werden. Es wurden bald so ansehn-liche Summen unterzeichnet, daß der Bau eines eignen Gebäudes beginnen konnte.