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Londoner Universität
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für das Privatsiudium. So gibt es in Oxford und Cambridge, deren Docivr-diplome das königliche Collegium der Ärzte allein anerkennt, keine Gelegenheit sichdiejenigen Kenntnisse zu erwerben, welche Ärzte besitzen müssen, um im praktischenLeben zu wirken. Die für die akademischen Vorlesungen bestimmte Zeit dauert 'jährlich nur sieben Monate; während der übrigen Zeit sind Ferien. Bei dieser Ein-richtung der englischen Universitäten können die Zöglinge sich nur mit den Vorbe-reitungswissenschaftcn bekannt machen, für eigentliche Berufswissenschaften abersich nicht vollkommen ausbilden, mit Ausnahme der Theologen, welche die vorhan-denen Lehrmittel benutzen, um sich Ansprüche auf die geistlichen Stellen zu ver-schassen, über welche die Universitäten zu verfügen haben. Für andere Berusswis-senschaften hat man daher in England besondere Lehranstalten stiften müssen, wiedie viel besuchten Rechtsschulen und die treffliche medicinische Schule in 0,^'sHospital zu London. Der angegebenen Mängel ungeachtet, sind die beiden Uni-versitäten fast immer überfüllt, sodaß die Zahl der Studirenden auf beiden zusam-men gewöhnlich über 6000 beträgt. Die Hochschulen stehen mit den politischenund kirchlichen Einrichtungen des Landes in enger Verbindung und haben nicht we-nig beigetragen, jene volksthümliche Neigung der Englander ?n einer festen, oft hart-näckigen Anhänglichkeit an alte Einrichtungen, Gewohnheiten und Ansichten zu näh-ren. Die Verbindung mit der herrschenden Kirche wird auch dadurch befestigt, daßnur Angehörige derselben zurTheilnahme an den Vortheilen der Universitatsstiftungmbefähigt sind, und nur Diejenigen zur Mitgliedschaft gelangen können, welche dasGlaubensbekenntniß der bischöflichen Kirche, die 39 Artikel, annehmen.
Je größer nun in neuern Zeiten die Zahl Derjenigen, welche von diesem Be-kenntnisse abweichen, selbst unter den höhern Classen geworden ist, desto mehr mußteauch diese Rücksicht zur Stiftung einer Lehranstalt auffodern, welche bei der Auf-nahme der Zöglinge den Glauben nicht beachtet und daher weder den Unterricht ineinem bestimmten kirchlichen Dogma in den Kreis ihrer Lehrgegenstände aufnimmt,noch auch gemeinschaftliche gottesdienstliche Übungen nach der Liturgie der Herr- mschenden Kirche verlangt. Dazu kommen die bedeutenden Kosten des Aufenthaltsin Oxford und Cambridge, da kein Student, der nicht aus den Stiftungen Vor- btheile zieht, mit weniger als 350 Pfund Sterling auskommen kann, wodurch ein >ligroßer Theil des gebildeten Mittelstandes von der Benutzung jener Anstalten aus- Ageschlossen wird. Diese Rücksichten und der Vortheil, eine Gelegenheit zu vollstän-digem Unterricht in den Berufswissenschaften zu erhalten und die wissenschaftliche ^Ausbildung mit der Wohlthat häuslicher Aufsicht zu verbinden, führten zu dem Pla- ssne, eine Hochschule zunächst für die Bewohner Londons zu stiften. Die erste Anre-gung gab 1835 der Dichter Thomas Campbell in „Detter to ülr. krougcham ontüe subject oku I^onckon Dniversit?" (London 1835). Brougham, der schon früher jmit dem lebendigen Eifer, welchen er den wichtigsten Volksinteressen widmet, an der ^Verbesserung des Schulwesens gearbeitet und die Mängel der höhern LehranstaltenEnglands aufgedeckt hatte, ergriff den Gedanken mit Theilnahme. Im Sommer ^jenes Jahres schritt man zur Ausführung des Entwurfs. Die neue Anstalt ward aufActien gegründet, jede zu 100 Pf. Sterl., die verkäuflich und erblich sind, jährlich hmit vier Procent verzinst und in Fristzahlungen wiedererstattet werden sollen. Je- hy
der Aktieninhaber hat das Recht, einen Zögling auf die Hochschule zu senden, ^mDec. 1835 ward unter Brougham's Vorsitz eine Versammlung der Actieninhabergehalten, die einen Universitatsrath von 35 Mitgliedern wählten, zu welchemaußer Brougham und Campbell auch Lord Lansdowne, Lord John Russell,Mackintosh,der geistreiche Parlamentsredner Macauley, Joseph Hume und OlinthusGregory gehörten. Der Bau eines Universitätsgebäudes wurde beschlossen, wozuam 30. April 1837 durch den Herzog von Sussex der Grundstein gelegt wurde.Man gebrauchte bei dieser Feierlichkeit denselben Hammer, der 1675 bei der Grund-