Londoner Universität 9Z9
^ Londoner Universität. Je mehr sich das Bedürfniß Wissenschaft-
licher Bildung auä) unter den mittlem Standen in England, besonders in derHauptstadt, verbreitete, je weiter der Kreis der Wissenschaften wurde, die zu denErfodernissen einer liberalen Erziehung gehören, desto mehr mußte die Unzuläng-. lichkeit der beiden englischen Hochschulen gefühlt werden, und der Wunsch, in der^ > Hauptstadt eine große Lehranstalt zu besitzen, gerechtfertigt erscheinen. Man hatzwar in neuem Zeiten in Oxford und Cambridge durch Errichtung neuer Lehrstühle,^ besonders für Naturwissenschaften, den frühern Vorwürfen einer einseitigen Stu-dienrichtung abzuhelfen angefangen; aber die ganze alterthümliche EinrichtungiRl jener Anstalten drücken Gebrechen, welche den Zeitfoderungen durchaus widerstreb^ ten. Die englischen Universitäten unterscheiden sich sowol von den deutschen, als^!i selbst den bedeutendsten schottischen, Edinburg und Glasgow, durch mehre eigen-es thümliche Einrichtungen. Sie sind nicht bloß Lehranstalten für Srudirende, jagerade dies am wenigsten, sondern sie besitzen auch Gelehrtenpfründen, die ausH reichen alten Stiftungen ihre Einkünfte erhalten. Jede der beiden Universitätenhat sogenannte Colleges, Oxford 19 und Cambridge 12. Jedes derselben hat einÄ besonderes Gebäude, worin die Pfründenbesitzer (kellons, socü), die Studententitz und ihre Privatlehrer (tutors), die häufig aus den Fellows genommen werden,ftb unter einem Oberhaupte in einer Art von klösterlicher Gemeinschaft leben. DasM Oberhaupt jedes College bildet mit den Pfründenbesitzern, den Lehrern und Studi»iidm renden eine Genossenschaft, welche von den übrigen Collegien und der Universitätselbst, die ihre eignen Verwaltungsbeamten hat, unabhängig ist. Die Mitgliederder Collegien, die Promovirte (gratluat.es) sein müssen, werden aus der Stiftungunterhalten und beziehen bestimmte jährliche Einkünfte. Sie behalten ihre Pfrün»m; ich dm auf Lebzeit, ausgenommen wenn sie hcirathen, oder ein Vermögen erben, dasstzck» i ein größeres Einkommen als ihre Pfründe gewährt, und rücken nach und uachWtzl, i höher, sodaß ihre Einkünfte von 50 — 150 Pfund Sterling und mehr steigen.M ^ Aus diesen Mitgliedern werden die Pfarreien besetzt, über welche die UniversitätenSM das Patronatrecht haben, und sie verlieren in diesem Falle gewöhnlich die Vortheile^ der Mitgliedschaft. Außer diesen werden noch Andere zum Theil aus dem Stisitungsvermögen der Collegien erhalten, zu welchen auch die sogenannten DienerM (servitors) gehören, junge Leute, die den übrigen bei Tische aufwarten müssen undiG dafür vier Jahre hindurch Kost und Unterricht genießen. Die NichtMitglieder, dieeigentlichen Studenten (uutler-xratluates), sind einer strengen Zucht unterworfen.HM Sie müssen täglich dem Gottesdienste im Hause beiwohnen. Die meisten Colle-Ml gien in Oxford und Cambridge haben außer den abhängigen, ganz oder zum Theilaus dem Vermögen der Stiftung unterhaltenen Mitgliedern, auch unabhängige,zM die auf ihre Kosten leben, aber den meisten Gesetzen der Anstalt gleichfalls unterwor--Hi sm sind. Sie heißen nach ihrem Range und nach dem Betrage der Kosten noble-wen, iellovv commoners und commoners. Die eigentlichen Studenten auf bei-^ HB den Universitäten gehören als Mitglieder oder als Unabhängige zu den verschiedenenCollegien. Wenn in den Collegien in den Verwaltungsangelegenheiten Streit ent-M' steht, so entscheidet der Oberaufseher, der ein von dem Stifte ernannter Bischof.M! oder Lord ist. Neben den Collegien hat Oxford noch sechs sogenannte Hallen (Kalls),Kosthäuser, die kein Stiftungsvermögen und also auch keine Fellows haben, und(M in welchen die Studenten unter den Gesetzen der Universität ans ihre Kosten leben;in Cambridge aber gibt es vier Hallen, die Stiftungsvermögen besitzen. Die Ge-genstände der Studien in den Collegien unter der Leitung der Privatlehrer sind fastausschließend klassische Literatur und Mathematik, diese vorwaltend in Cambridge.^ Die Professuren der Universitätslehrer werden theils aus öffentlichen Cassen Unter-st halten, theils sind sie Stiftungen von Privatpersonen. Ihre Vorlesungen sind' sj i mager, oft nur auf wenige Vorträge beschränkt und geben kaum die nöthiaen Winke