Londons Conferenz
Die Beschwerden der Empörer, erklärte er noch am Z. Nov. 1830 im Oberhause,gegen den König der Niederlande seien durchaus unbegründet. Dagegen wider-sprach die Opposition, namentlich Lord Grey, jeder Einmischung in die innern An-gelegenheiten Belgiens, und in einer besondern Conferenz mit Wellington stellteFürst Talleprand die Erhaltung des europaischen Friedens als den Angelpunkt derPolitik auf. Indem nun Frankreich als Congreßmacht in die diplomatische Bera-tung der übrigen Großmachte mit eintrat, wurde Zeit gewonnen; die von Parisund Brüssel aus verbreitete Aufregung der Völker in Deutschland, der Schweizund Italien, endlich der blutige Wetterschlag in Warschau befestigten Ludwig Phi-lipps Thron und gaben seiner Stimme mehr Gewicht in dem europaischen Mini-sterrats)?. Die Furcht vor einem europäischen Kriege bemächtigte sich insbesonderedes neuen, am 21. Nov. 1830 an Wellingtons Stelle getretenen Whigministe-riums Grep, welches auf die Volksgunst gestützt, einen Reformplan beförderte,der die alte Constitution des britischen Reichs erschütterte. Diese.Sachlage benutzteFürst Talleprand, um den zu Frankreichs Vorthcil durch die belgische Revolutionin das wiener Congreßsystem gemachten Riß durch die Conferenz sanctioniren zulassen. Da nämlich die von den fünf Congreßmächten zuletzt noch in Verona be-haupteten wiener Congreßbeschlüsse nur durch die gemeinsame Übereinkunft dersel-ben Congreßmächte abgeändert werden konnten; da femer der König Wilhelm vonHolland die Bürgschaft und Vermittelung der Congreßmächte, als seiner Alliirten,auf die Congreßbeschlüsse zu Aachen von 1818 gestützt, in Anspruch nahm; daendlich der Prinz von Oranien selbst am Ende des Ottobers 1830 nach London ge-kommen war, um daselbst sein Interesse wahrzunehmen: so war es natürlich, daßdie Gesandten der vier Congreßmächte in London mit dem britischen Minister derauswärtigen Angelegenheiten zu einer besondern Conferenz sich vereinigten, um dieholländisch-belgische Frage im Friedensgeiste der europäischen Politik zu entschei-den. Diese londoner Conferenz trat, mit Vollmachten dazu versehen, am 1. Nov.1830 zusammen. Sie hat seitdem vom 4. Nov. 1830, an welchem sie das ersteProtokoll unterzeichnete, bis zum 1. Ott. 1832 ihre Thätigkeit durch 70 Pro-tokolle bewiesen.
Die Conferenz bestand aus den Bevollmächtigten von ^streich: Fürst Esterhazyund Baron von Wessenberg, später auch Baron von Neumann; von Frankreich:Fürst Talleprand (und auf kurze Zeit in dessen Abwesenheit Herr von Mareuil); vonGroßbritannien: Graf Aberdeen, dann, unter Grep's Verwaltung, Viscount Pal-merston; von Preußen: Baron von Bülow; und von Rußland: Fürst Liewen undGrafMatuszewicz. Die Versammlungen wurden im auswärtigen Amte (?or«ixn<Mce) gehalten, und der königlich niederländische Gesandte, Baron Falck, in des-sen Stelle später Baron Auplen van Nyeveld und im März 1833 Herr van Debet ein-trat, sich ihren Berathungen anzuschließen eingeladen. Der erste Beschluß der Confe-renz war, daß sie einen englischen und einen französischen Commissair — den zum eng-lischen Gesandten bei der Bundcstagsversammlung in Frankfurt ernannten HerrnCartwright *) und den frühern diplomatischen Agenten in Colombia, jetzt erstenSecretair des Fürsien von Talleprand, Herrn Bresson — nach Belgien sandte, umeine Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Holland und Belgien zu bewirken.Diese Herren übergaben am 8. Nov. der provisorischen Regierung in Brüssel das(erste) Protokoll der am 4. Nov. 1830 gehaltenen Conferenz, welches denGrund, den Zweck und die Form dieses diplomatischen Congresses mit folgendenWorten bezeichnete: „Nachdem Sr. Majestät der König der Niederlande die Höfevon Ostreich, Frankreich, Großbritannien, Preußen und Rußland, als diejenigen
"si Spater trat Lord Ponsonby an dessen Stelle, und Ponsonby wurde durch SirRobert Adair als britischer Gesandter am belgischen Hofe ersetzt.