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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
922
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9^2 Londoner Confercnz

des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen" (erste bis dritte LieferungLeipzig 1832 33, 4.) hat er verschiedene Beitrage, besonders über Topogra-phie und Klimatik des Landes, geliefert.

LondonerConferenz. Die Geschichte der unter diesem Namen berühmtgewordenen, in den AnKrlen der Diplomatie beispiellosen, mehr als zweijährigen undim April 1833 noch nicht zu einem Endresultate gediehenen Unterhandlungen überdie politische Trennung Süd- und Nordniederlands, ist ein prak-tischer Commentar zu der Theorie des europaischen Völker- und Staatsrechts. Eskann hier nur eine fragmentarische Andeutung des labyrinthischen Ganges diesergroßen publicistischen Anomalie gegeben werden, weil theils noch nicht alle Schrif-ten und Mittheilungen der dabei beschäftigten Diplomaten und Ministerien voll-ständig geordnet und amtlich der Öffentlichkeit vorliegen, theils eine umfassende,hinsichtlich der Form und Sache gleichmäßig genügende Entwicklung und Darstel-lung derselben zu einem Buche anschwellen würde. Die ganze Verhandlungschließt außerdem mehre in das europäische Staatengeflecht überhaupt tiefeingrei-fende Staats- und Rechtsfragen in sich, welche, wie die luxemburger und dieScheldefrage, eine besondere publicistisch-geschichtliche Behandlung erfodeen.Wir bemerken daher nur im Allgemeinen, daß dieser diplomatisch-staatsrechclich-po-litische Kampf um europäische Lebensfragen in ihrer Anwendung auf Belgien und WMadHolland, von mehren Seiten mit einem Talent und mit einer Kunst geführt wor- Wi-KDden ist, welche diesen Gegenstand dem tiefern Studium jedes angehenden Staats- sichHlWmannes vorzugsweise empfehlen. Wahrhaft bewundernswürdig erscheint hier ins- HWiMbesondere die niederländische Diplomatie. Die Staatsschriften eines Verstolkvan Solen werden stets als classisch, was Gcdankenform und Sprache betrifft, MMWin der Geschichte der Staatspraxis genannt werden; wir erlauben uns, in dieser Hin- Mchn Wficht, unter so vielen Musterschriften der einzelnen Diplomaten der Conferenz, nur MPDauf eine, hinzuweisen, auf die Mittheilung des genannten niederländischen Mini-sters der auswärtigen Angelegenheiten an die beiden Kammern der Generalstaaten,vom 18. Dec. 1832.

Um uns aus den historischen Standpunkt des Eintritts der londoner Con-ferenz in die neuere Diplomatie zu stellen, schicken wir Folgendes einleitend vor-aus. Die belgische Revolution hatte das seit 1815 neu aufgerichtete Staatsge-bäude von Europa in einer seiner Grundfesten erschüttert. Das Königreich derNiederlande war nicht mehr ein Bollwerk gegen Frankreichs Eroberungspolitik;

Belgien mit seinem Festungswalle war in Begriff, sich an Frankreich ganz an-zuschließen, oder dem in Europa proclamirten monarchischen System zumTrotz, eine Republik zu errichten. Nun hatte Frankreich selbst in Folge seinerJuliusrevolution ein anderes Grundgesetz des neuen europaischen Völkerrechts z!verletzt, das Grundgesetz der Legitimität. Ludwig Philipps Bürgerthron und

die belgische Demokratie waren daher natürliche Verbündete gegen die euro-

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päischen Congreßmachte. Ein offener Kampf gegen die verschwisterte Revolu-tion von Paris und Brüssel hätte aufs Neue die Throne und die Völker Europasallen Wechselfällen der Revolutionskriege und Coalitionen seit 17921815 preis-gegeben. Da ergriff die Diplomatie das Lenkseil des europäischen Schicksals.Ludwig Philipp zuerst, indem er die Aufrechterhaltung der Verträge von Parisund Wien vom Jahre 1815 zusicherte und dafür von Europa als König der Fran-

zosen anerkannt wurde. Nun ging Fürst Talleyrand, das Haupt der europäischen ^ ^

Diplomatie, als Frankreichs Botschafter nach London, wo die Volksstimme, für ^die Resultate der Juliuswoche sprach. Damals stand an der Spitze des britischenMinisteriums der Herzog von Wellington. Er hatte die Volksgunst verloren, unddie Opposition sah das Königreich der Niederlande, welches gewissermaßen Wel-lington's Werk war, mit ganz andern Augen an, als der Herzog - Feldmarschall.