Lohbauer
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tig erzogen und entwickelte schöne Anlagen, besonders ein künstlerisches Talent, auswelchem bei ungestörter Entwicklung etwas Ausgezeichnetes hatte werden können.Nach dem Tode des Großvaters verließ der dreizehnjährige Knabe das Gymnasiumzu Stuttgart und wurde vom König Friedrich 1815 in die Cadettenschule aufge-nommen. Hier schloß er mit einem seiner Mitschüler, von einer sehr reichen aberwildkräftigen Natur, einen engen Freundschaftsdund, welcher entschieden auf sei-nen ganzen Charakter einwirkte. Sein Kunstsinn wurde durch Ossian und Shak-speare auf das Erhabene und Gigantische geleitet, wie sich solches in mehren Skizzenund Gedichten, die er damals verfertigte, kundgibt. Bei Auflösung des Cadetten-instituts 1817 wurde L. mit ehrenden Zeugnissen entlassen, widmete sich dreiJahre lang der Architektur, wandte sich spater wieder zur Malerei, und, als un-günstige Verhaltnisse ihn von dem Besuche der Akademie in München und voneiner Reise nach Italien abhielten, aufs Neue dem Militair zu und ward beimGeneralstabe in Ludwigsburg als topographischer Zeichner angestellt, in wel-cher Eigenschaft er auch 1822 zu Stuttgart eine Stelle erhielt. In seinen Frei-stunden führte er hier ein Gouachegemälde, eine Scene aus Hölderlin's „Hype-rion" vorstellend, aus, das von poetischer Auffassung zeigte und bei der Kunstaus-stellung zu Stuttgart 1824 die Aufmerksamkeit der Kenner auf sich zog. Über die-ser Arbeit war die Sehnsucht nach einem freien Künstlerlebcn mächtig in ihm er-wacht, er nahm seine Entlassung, bezog die Hochschule zu Tübingen, machte dort,wie er sich selbst brieflich gegen einen Freund äußerte, „einige Anläufe an die Philo-sophie", studirte Kunstgeschichte und Sprachen, und arbeitete unter Anderm einenCyclus geistreicher Skizzen zu der Oper „Don Juan" aus, der lithographirt erschie-nen ist. Die Theilnahme an einem politischen Feste wurde Veranlassung, daß er1828 die Universität verlassen mußte, und er unternahm nun in Stuttgart die Re-daction eines Tagblattes: ,,Die Stadtpoft", welches er besonders durch geistvolleTheaterkritiken sehr emporzubringen wußte. Im Der. 1830 trat er die Redactiondes politischen Tagblattes „Der Hochwächter" an, das von ihm in Gemeinschaftmit seinen Freunden, den Rechtskonsulenten Rödinger und Tafel gegründet wurde,und das einflußreichste Volksblatt in Würtemberg geworden ist. Eine Flugschrift,deren Verfasser nicht in den Reihen der Opposition gesucht wird, sagt von diesemBlatte: „Die Gründung des „Hochwächters" war entscheidend für die Hoffnungender liberalen Partei, die großartige Theilnahme des ganzen Würtemberg an diesemBlatte war das Signal einer neuen Zeit, die für das Land anbrach. Jetzt hattendie vereinzelten Klagen ihren Centralpunkt gefunden, fast eine Art von Systemallgemeiner Beaufsichtigung organisirte sich, die Beschwerden, die dort ein Land-städtchen, hier eine Gemeinde aus dem Gebirge schickte, ließen sich bald vergleichen,und es wurde möglich, auf Misbräuche, die durch die ganze Verwaltung durch-griffen, zu schließen. Alle verschiedenen Beschwerden sind in ihren Details durchnichts so hervorgetreten, als durch ein unscheinbares Volksblatt, dessen Verfasserman billig das ganze Land nennen kann. Vor diesem Feinde war die Regierungam meisten besorgt. Sie hat ihn weder durch Censurstriche noch durch Entziehungder Privilegien besiegen können. In neuern Zeiten ist der „Hochwächter" vomJnlande auf das Ausland übergegangen, er hat, statt von Würtemberg, zu viel vonDeutschland gesprochen; das ist ein Misgriss, der sich schwer wieder gut machenläßt." An diesem Urtheile der auch im Auslande bekannt gewordenen „Divinationauf den würtembergischen Landtag" ist neben manchen Übertreibungen viel Wah-res. Daß dieses Blatt von mancherlei Seiten die heftigsten Gegner finden mußte,ist natürlich. Inzwischen hätte es durch minder zuversichtliche Aufnahme unerwie-sener Beschuldigungen und eine weniger leidenschaftliche und in Persönlichkeitenübergehende Polemik sich, selbst nach dem Urtheile seiner Freunde, seine Wirksam-keit erleichtern können. In Tendenz, Form und Styl der Aufsätze, die er selbst für
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