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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
916
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916 Löben

nicht selten auch dein leidenschaftlichen Hohne einer nur nach Äußerlichkeiten oderstehenden Lieblingsnormen aburtheilenden Menge preisgab, an welchem freilich aberauch zuweilen die wohlwollendsten Beurtheiler Anstoß nehmen mußten. Erst zuHeidelberg, wo er seit 180.7 im Kreise geistesverwandter Freunde unter philosophi-schen und poetischen Studien mehre glückliche Jahre verlebte, scheint er über denfernerhin einzuschlagenden Weg mit sich zur Klarheit gekommen zu sein. Dieneuere Philosophie regte ihn an, ohne ihn ganz zu befriedigen; dagegen fand er inNovalis' Schriften eine Welt von Ideen und Bildern aufgeschlossen, in der ihm,wie er sich bald überzeugte, ein in Ansicht und Streben verwandter Geist liebendentgegentrat. Von nun an war die Richtung seines geistigen Lebens entschieden.Mit feuriger Jugendliebe nahm er an den Bestrebungen der Freunde Theil, die imGeiste der neuen Dichterschule, wenn auch oft in einer Weise, die selbst die Mei-ster nicht zu billigen geneigt waren, einen reichen Dichterfrühling über Deutsch-land hervorzurufen gedachten. Ein Grundirrthum, den das einseitig aufgefaßtePrincip jener Schule wol größtentheils verschuldet hatte und der auch spater ihnnicht verließ, bemächtigte sich damals seiner eine weniger aus dem Standpunkteder Geschichte, als dem der Poesie gewonnene phantastische Ansicht des Mittelal-ters, nach dessen glänzend ausgemalter Herrlichkeit, nach dessen Völker- und Lan-derfrühling sein Herz ihn unwiderstehlich zurückzog, und dessen zum Theil nur er-träumte Eigenthümlichkeit er, wenn nicht in die Wirklichkeit, doch in den Kreisder Dichtung und seiner nächsten Umgebung heraufzubeschwören nicht müde ward.So entstand sein RomanGuido" (Manheim 1808), den er unter dem seitdembeibehaltenen Dichternamen Jsidorus Or i enta lis herausgab, und der, wiesehr er auch im Ganzen als ein Nachhall von Novalis sich kundgab, dennoch ineinzelnen Liedern, Anschauungen und Bildern ein poetisches Gemüth offenbarte,dem vielleicht nur noch die Gestaltungsfähigkeit mangelte, um Ausgezeichnetes zuleisten. Au gleicher Zeit erschienen seineBlatter aus dem Reisebüchlein eines an-dächtigen Pilgers" (Manheim 1808). Ungern verließ er das geliebte Schwabenund den Rheinstrom mit seinen Resten der Vorzeit und seinen großartigen Erin-nerungen und ging erst nach Wien, dann nach Berlin, wo er mit Fouque, sowiespäter auf dessen Gure zu Nennhausen einige für sein ferneres literarisches Strebeneinflußreiche Monate verlebte. Von seiner während der Zeit fortgesetzten poetischenThätigkeit zeugen die zu Berlin 1810 erschienenenGedichte" und seinArkadion,ein Schäfer- und Ritterroman" (2 Bde., Berlin 181112). Als 1818 dassächsische Volk sich dem Kampfe gegen Frankreich anschloß, trat L. als Souslieute-nant in das Banner der sächsischen Freiwilligen und folgte dem Heere der Ver-bündeten nach Frankreich. Wiewol die Ereignisse der Jahre 1813 und 1814 inseiner Grundansicht der Dinge keine Veränderung hervorbrachten, so scheinen siedoch den Ernst der Idee in ihm erweckt und den Trieb nach festerer Gestaltung an-geregt zu haben. SeineDeutschen Worte über die Ansichten der Frau von Staelvon unserer poetischen Literatur" (Heidelberg 1814) enthalten vieles Treffliche undTiefgedachte, und auch in seinen poetischen Arbeiten ist von nun an das Strebennach Gestalt unverkennbar. Unterdessen war L. nach Dresden zurückgekehrt, woer fortan seinen bleibenden Aufenthalt nahm, der in der Regel nur durch einige beiseiner Mutter im Stift Joachimsstein in der Oberlausitz zugebrachte Sommermo-nate unterbrochen zu werden pflegte. In stiller Zurückgezogenheit, von wenigenerlesenen Freunden umgeben, unter denen Malsburg, der seit 1817 in Dres-den einen diplomatischen Posten bekleidete, seinem Herzen vorzüglich theuer war, lebteer hier der Poesie und dem sinnigen Verkehr mit einigen gleichgestimmten Freun-den in der Ferne und blieb dieser seiner Natur zusagenden Lebensweise auch nachseiner Verheirathung mit einer Gräsin von Breßler um so mehr getreu, da ein vonHaus aus kränklicher Körper ihm die strengste Lebensordnung zur Pflicht machte.Mitten unter diesen Beschäftigungen und unter zahlreichen literarischen Planen für