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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
909
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Lilurgiewesen 909

die vom Pfarrer Behrends (Magdeburg 1823), besonders aber die „Kritik derneuen preußischen Kirchenagende" von Augusti (Frankfurt a, M. 1823), hattendie Ehre, vom Ministerium den evangelischenPredigern ofsiciell empfohlen und zumLesen ausgetheilt zu werden. Gerade aber diese Empfehlungen regten den Streitnur lebendiger an, und es erschienen eine Menge nachtheiliger Beurtheilungen derAgende, die wir hier übergehen müssen. Mitten in diesen Kämpfen erfolgte am24. Marz 1824 ein Ministerialrescript, mit welchem die etwas verbesserte und> vermehrte Agende, der nun auch noch eine verkürzte Liturgie beigegeben war, sowieman auch die Einschränkung der Gottesverehrung auf eine Stunde aufgegebenhatte, den Consistorien zugefertigt wurde, mit der Weisung, die Prediger solltensich nun über die Annahme der Agende kategorisch mit einem einfachen Ja oderNein ohne weiter hinzuzusetzende Bemerkungen erklären. Zugleich wurde denPfarrern, welche die Agende darum abgelehnt hatten, weil die Gemeinden angeb-lich dagegen wären, das höchste Misfallen über diesen Vorwand, der ungegründetsei, zu erkennen gegeben- Hierauf erschien den 28. Mai 1825 ein Publicandumdes Königs, in welchem man las, die Agende habe den Zweck, „den ursprüng-lichen Lchrbegriff der evangelischen Kirche wiederzugeben und dadurch die evange-lischen Unterthanen gegen die Gefahren und Misbrauche einer, regellose Zweifel-sucht und Jndisserentismus erzeugenden Willkür zu schützen und die verloreneGeistesgemcinschaft in der Gesammtheit der Gemeinden wiederherzustellen". Vonden 7782 evangelischen Kirchen des preußischen Staats hätten, bis zum Schlüssedes Jahrs 1824, nun 5343 die neue Agende angenommen, und man hoffe, daßdie andern, die „gewiß nur aus Unkunde und Misdeutung" die Annahme verwei-gert hätten, bald nachfolgen würden. Zugleich hieß es: „Diejenigen Consistorien,Superintendenten und Pfarrer, welche die Wichtigkeit der Sache, das Bedürfnisder Zeit und meinen (des Königs) reinen Zweck begriffen, sich die Beförderungdieses gottseligen Werks mit glücklichem Erfolge angelegen sein lassen und mir da-I duech einen erfreulichen Beweis ihres Vertrauens zu meinen Absichten gegebenhaben, werden in der evangelischen Kirche des Landes als Männer, die Das, was! Noth thut, richtig ausfassen, jetzt und später anerkannt werden und als solche inmeinem Gedächtnisse bleiben". Hierauf erfolgte am 4. Jul. 1825 ein Ministe-rialrescript an alle evangelische Consistorien des wesentlichen Inhalts: Die Will-kür der Geistlichen in der Liturgie sei so groß gewesen, daß man sie nicht länger habedulden können; die neue Agende begünstige nicht, wie man fälschlich vorgebe, denKatholicismus, sondern entspreche allen Änfoderungen und sei echt evangelisch;j alle Geistliche daher, welche sie bis jetzt noch nicht angenommen hatten, müßtennun entweder die neue Agende annehmen, oder dürften in Zukunft nur allein diebei ihnen bis dahin güttige und erweislich mit landesherrlicher Genehmigung ein-geführte alte Agende gebrauchen und hätten sich diesfalls kategorisch zu erklären,auch, wenn sie bei der alten Agende verharren wollten, ihre unter landesherrlicherAutorität geschehene Einführung nachzuweisen; endlich dürfe das Ministerium„die Aussicht eröffnen, daß die Beibehaltung solcher gottesdienstlichen Formen undl Gebräuche, welche durch die altern Kirchenordnungen eingeführt und den Gemein-den lieb geworden seien, mit dem Beirath geeigneter Geistlichen aus der Provinzerwogen, und ihnen nach Befinden, so weit es mit dem wesentlichen Charakter dererneuerten Agende vereinbarlich sei, eine angemessene S'elle in derselben werde an-gewiesen werden". Die hier gemachte Hoffnung auf Anhänge aus den alten Pro-vmzialagenden wurde später erfüllt, und war die einzige Concession, welche die Re-gierung den Renitenten machte. Die in diesem Ministerialerlasse gestellte Wahl,entweder die neue Agende anzunehmen oher sich ausschließend an die alte, gesetzlicheingeführte zu binden, bewog zwölf Prediger zu Berlin (Schleiermacher, aus des-sen Feder die Vorstellung ist, Schlemüller, Schulze, Jdler, Hoßbach, Lisko, Pi-