Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
901
Einzelbild herunterladen
 

Lingard 901

Lingard (John), lebte als katholischer Priester zu Ncwcasile am Tyne inder Grafschaft Northumberland, als er zuerst 1805 in seiner Schrift: „tutlmlicvililiicateti", zur Vertheidigung seiner Glaubensgenossen gegen protestan-tische Schriftsteller auftrat. Je mehr, besonders seit der Union Irlands und Groß-britanniens, die wichtige Frage über die von den Katholiken gefoderten Rechtsge-wahrungen auf den Kampfplatz gebracht wurde, desto heftiger regte sich der Wider-stand der AnHanger der bischöflichen Kirche, die vorzüglich die staatsbürgerlichePflichttreue der einem fremden Oderhaupt unterworfenen Katholiken in Zweifel zusetzen suchten. Wie L. in der angeführten Schrift diesen Zweifel zu entfernen sichbemühte, so trat er 1807 abermals in die Schranken gegen einen von dem Bischofvon Durham 1806 erlassenen Hirtenbrief (ctmr^e) an die Geistlichkeit seinesSprengcls, der ahnliche Angriffe gegen die Katholiken aussprach. Dies gab An-laß zu einem lebhaften Streite, an welchem mehre tüchtige Manner Theil nahmen.L. faßte seine Antwort 1808 in einer Flugschrift zusammen, in welcher er seineBemerkungen über den Hirtenbrief des Bischofs vertheidigte. Durch Zeugnisseder Geschichte suchte er die Unterthanentreue der britischen Katholiken zu beweisenin seinen „Oocuments to 38certaiu tüe seutiments of biitisü cuttrolics in formenages" (London 1812), worauf er auch gegen eine Schrift des gelehrten Bischofsvon Peterborough mit seinen „8trictures on Doctor Narsü's com^arative viewostko cburcbes ofLnglanü auck Uome" (London 1815) in die Kampsbahn trat.Die Behauptung, die er in dieser Schrift aufstellte, daß die englische Kirche jüngerals die römische sei, reizte den verstorbenen Theologen Kipling so sehr, daß er L.mit einer Klage drohte, wenn nicht der Beweis dieser Behauptung beigebracht würde.L. war durch diese Streitigkeiten auf das Gebiet der Geschichte geführt worden,und weil er bei seinen Forschungen eine polemische Absicht im Auge hatte, konnte^ er sich leicht in einer Stimmung befestigen, mit welcher Unparteilichkeit und Wahr-haftigkeit nicht vereinbar waren, sobald das Parteiinteresse, für dessen Verfech-I tung er Waffen im Zeughause der Geschichte suchte, auf seinem Wege lag. DieseRichtung zeigte sich schon in seinem verdienstlichen, aus fleißiger Forschung her-vorgegangenen Werke: ,,^atitimtie8 ot tüe Haiglo ctlurctr" (2 Bde.,London 1809), entschiedener aber und beharrlich verfolgt trat sie hervor inseiner „Ilistor)' of Kn^Ianck tili tberevolutiou vf 1688", die von 1819 — 31in 8 Quartdanden und gleichzeitig in 14 Octavbanden zu London erschien. DieAbsicht, die katholische Kirche und Geistlichkeit in England gegen protestantischeGcschichtschreiber zu vertheidigen, findet in den ersten Banden dieses Werksweniger Gelegenheit scharf hervorzutreten, wiewol schon die Darstellung derStreitigkeiten zwischen Heinrich II. und Beckct den gewandten Verfechter derHierarchie zeigt, und man kann sich seiner gründlichen Entwicklung der angel-sächsischen Zustande, die den schatzbarsten Theil seiner Untersuchungen bilden,meist ungestört erfreuen; sobald aber die Reformation als ein entscheidendesMoment in das Volksleben eintritt, wird die Parteilichkeit des Geschichtschrci-bers um so verführischer, je größer seine Sachwaltergcwandtheit ist und je gründ-lichere Kenntnisse dazu gehören, den unredlichen Darsteller zu erkennen, der bei demtäuschenden Schein der Unbefangenheit bald Thatsachen verschweigt, bald künstlichverschleiert, bald absichtlich entstellt. In den letzten Banden des Werkes, welchedie Geschichte der Stuarts auf dem englischen Throne erzählen, ist L. bei allergeheimen Hinneigung zu Karl II. und Jakob II. im Ganzen weit unparteilicher,und diese Partie des Werkes ist auch durch gute Benutzung der Quellen reich anneuen Aufschlüssen. Wo er in die Geschichte Schottlands hinübergeht, hat er sichviele Unrichtigkeiten zu Schulden kommen lassen, die ihm der gründliche Tytlernachgewiesen hat. L.'s Styl ist klar und einfach und in den spatern Banden des! Werkes gebildeter als in den frühern, wo die verfehlte Nachahmung Gibbvn's stö-