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Lindpaintner
bestimmender Charakter wohnt, durch die Wendung der Ereignisse und Verket-tung der Umstände auch wieder ebenso unverdient in den entgegengesetzten Geruchzrlrückversiele. Wie dem aber auch sei und werden möge, unter die ersten Talenteunserer politischen Literatur wird L. stets zu rechnen sein und seine Schriften indieser als classisch gelten. Als 1832 die „Bairische Scaatszeitung" begann, erhieltL. die Redaction derselben, und führte sie während der kurzen Zeit, wo dieses Blattbestand.
Lindpaintner (Peter Joseph), würtembergischer Hofcapellmeister zuStuttgart, ward 1791 zu Koblenz geboren. Sein Vater, Jakob, war ausge-zeichneter Tenorist aus Righini's Schule am Hofe des letzten Kurfürsten von Trier,Clemens Wenzeslaus. Mit der Sacularisation des Kurfürstenthums löste auchdie Capelle sich auf, und der Vater L. folgte seinem Fürsten in der Eigenschaft einesersten Kammerdieners und Reisecassiers nach Augsburg. Hier wurde L. vomfünften Jahre an erzogen, besuchte das katholische Gymnasium und Lyceum, undlag bis zum sechzehnten Jabre den Studien od. In der Musik, die er als Neben-beschäftigung, doch leidenschaftlich trieb, erhielt er den ersten Unterricht auf der Vio-line von dem kurfürstlichen Musikdirector Plödterll, der als Solospieler und Diri-gent gleich ausgezeichnet war, und im Clavierspicl und Generalbaß vom Domcapell-meister Witzka. Sein Talent war zu entschieden und das innere Gefühl zu mäch-tig, als daß ein anderer Beruf dem Jünglinge hätte genügen mögen. Der kunst-liebende Kurfürst sandte ihn zur Erlernung der Composinon zu Winter nach Mün-chen, unter dessen Leitung L. seine erste Oper: „Demophovn", eine Messe und einTedeum schrieb, welche sämmtlich 1811 aufgeführt wurden. Er sollte nun zu sei-ner ferner» Ausbildung nach Italien reisen, als plötzlich sein Wotllthäter 1812starb, und L. sich durch die Umstände genöchigt sah, die Stelle eines Musikdirectorsbei dem eben neu errichteten Hoftheater am Jsarthore anzunehmen, welcher er bis1819 vorstand. Er setzte indessen seine Studien im Gebiete der höhern Tonwissen-schaft bei dem bekannten Contrapunktisten Joseph Graz unermudct fort; da aberdurch das Aufblühen des neuen münchener Hof- und Natiom.ltheaters das Theateram Jsarthor nach und nach verfiel, folgte L. dem Rufe zurDirection der königlichenHoscapelle in Stuttgart, die unter seiner Leitung in Pracision, Reinheit und Kraft desVortrags gleich trefflich ward. Als Dirigent weiß er das Orchester tüchtig zusam-menzuhalten und jedes musikalische Werk zur gelungenen Ausführung zu bringen,wobei die kräftig geleitete Capelle, in welcher Molique, Schunke, Krafft, Krügeru. A. wirken, von ausgezeichneten Sängern, Häser, Hambuch, Pezold, KatharinaWallbach Canzi, Haus, unterstützt wird. L.'s Composilionen zeugen von einemin der Theorie gründlich bewanderten Geiste und haben Melod e, Charakter undAusdruck. Die große deutsche'Oper in der Weise, wie sie als dramatische Musik vonWeber und Spohr behandelt wird, hat an L. gleichfalls einen verständigen Bear-beiter gefunden, wiewol auch dessen Lieder und Singspiele, z. B. „Der blinde Gärt-ner. oder die blühende Aloe", durch Innigkeit, Anmuth und Leben zu den besten die-ser Art zu rechnen sind. Einen Reichlhum von Melodie hat L. besonders in dembekannten Ballet „Joco" entwickelt. Sein jüngstes Oratorium: „Der Jünglingvon Nain", ist in kirchlichem Ernste gehalten, einfach und sangbar und mit schönenChören ausgestattet. Außer diesen nennen wir noch folgende Werke als die aus-gezeichnetem: „Moses Errettung", Melodram; Musik zur Deklamation von Schil-lers „Glocke"; die Opern: „Timantes" (eine Überarbeitung des „Demophoon");„Die Rosenmadchen", „Der Vampyr" (Text von Cäsar Heinze), „Die Amazone"(Text von Ludwig Rodert); die Ballette: „Agla>a", „Zephyr und Rose", „Zella";eine große Anzahl von Jnstrumentaleonccrtcn, die zum Theil weithin bekannt undgeschätzt sind, wie denn überhaupt Wenige zu einer ahnlichen Meisterschaft in derInstrumentation gelangt sein mögen. (61)