Lindner
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laßte, wurde noch dieser nämlichen Quelle zugeschrieben. Reisen nach Frankreichund England, nach welchem letztern Lande ihn ein dortiger Staatsmann eingela-den hatte, gaben seinem regen Geiste nur neue politische Nahrung. Indessen ließder künstliche Standpunkt einer rein süddeutschen Politik in den großen Verhalt-nissen sich kaum für einen Fürsten, geschweige denn für einen isolirten politischenSchriftsteller lange halten, und das Talent rang vergebens gegen das Ubergewichtder Umstände. Schon war diese Richtung fast aufgegeben und L.'s persönlichesVerhältniß, wie es scheint, größtenteils wieder gelöst, als eine Warnung, seine ge-heimen Papiere zu verbrennen, ihn vielmehr veranlaßte, unter dem Titel „GeheimePapiere" seine pikantesten Aufsätze gesammelt herauszugeben. Wie man überInhalt und Richtung seiner Schriften auch sonst urtheilen mag, und wenn man sienoch so sehr haßt und verdammt, immer wird man gestehen müssen, daß sein Talentzur politischen Schriftstellern außerordentlich ist, und bei uns Deutschen geradezueinzig wäre, stände nicht aus der Gegenseite das noch größere des Herrn von Gentzvor Augen. Die lichtvolle Auffassung, die gewandte Darstellung, die logische Fol-gerungsweise, die Richtigkeit und Rundung des Ausdrucks, welche Beiden eigensind, wüßten wir wenigstens keinem Dritten auf diesem Gebiete beizumessen. Un-ter andern befindet sich in L.'s Sammlung ein Aufsatz zur Verteidigung einer frü-hern, in den „Annalen" abgedruckten Diatribe über die Diplomaten; diese letzterewar am Bundestage zur Sprache gebracht und von einem Bundesgesandten zumGegenstand einer heftigen Kritik gemacht worden; gegen diese nun führt L. seineSache mit einer so siegreichen Polemik, mit so scharfer, pressender Consequenz,mit so schlagendem Witz, und dabei in so gediegener, gebildeter und gemessenerForm, daß wir in unserer Sprache nichts Ähnliches zum Vergleiche bringen kön-nen, sondern an Pascal und Beaumarchais zusammen denken müssen. DieseSchrift mag indeß dazu beigetragen haben, L.'s Beziehungen in Würtemberg zuverändern, er verließ Stuttgart und nahm wieder eine Zeitlang seinen Aufenthaltim Elsaß. Von hier begab er sich 1326 nach München, wo ihm eine neue Frei-statte angeboten wurde und er die Redactwn der „Politischen Annalen" erst allein,dann in Gemeinschaft mit H. Heine übernahm. Man sing nach und nach an,sich zu überzeugen, daß L. eigentlich keiner politischen Partei und noch weniger ei-ner Faction angehöre, nie demagogische Sachen getrieben habe, und zwar im Gan-zen dem Liberalen angehöre, aber nur im weitesten Sinne und eigentlich nicht ein-mal recht den Constitutionnellen, die ihm eine Nebensache zur Hauptsache zu ma-chen schienen und die er in allen Ländern als entschiedene Feinde Napoleons er-kennen mußte. Man ließ ihn gewähren und fand ein ganz gutes und billiges Aus-kommen mit ihm; sein außerordentliches Talent wurde gerechter anerkannt undweniger angefochten. Der Antheil für die Griechen führte ihn der Politik seineseigentlichen Vaterlandes wieder zu, und die russische Regierung nahm ihn unterihren Schutz. Als Baiern mit Preußen einen Handels- und Zollvertrag abschloß,zeigte er in einer besondern Schrift die Vortheile dieses wichtigen Schrittes, der bei-den Staaten zum größten Ruhme gereichen müsse, und erhielt dafür vom Königevon Preußen ein huldreich belobendes Schreiben. Auf diese Weise glücklich aus-gesöhnt mit den bestehenden Verhältnissen und von ihnen sogar begünstigt, blieber gleichwol in seinerschriftstellerischen Unabhängigkeit, und brauchte seine Ansichtenund Grundsätze nicht zu verändern, um gegen manche Richtungen der Zeit zu spre-chen, denen man ihn als befreundet aus Jrrthum vorausgesetzt hatte. Ist es dochdahin gekommen, daß neuere Wortführer ihn, weil er auch die Regierung, wo eres recht findet, zu vertheidigen weiß, des Übertrittes zum Servilismus beschuldigthaben! Uns aber sollte es ebenso wenig wundern, wenn ein so redlicher, eigenthüm-I'cher und begabter Schriftsteller, in welchem ein so echt deutscher, nach den ihmwirklich aus der Sache zugekommenen Eindrücken seine Überzeugung jedesmal neu
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