Lindner
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was zur Aufmunterung der Wissenschast, zur Ausbreitung nützlicher Kenntnisse,zur Beförderung des Handels und der Gewerbe, was zur Veredlung der Ansichtendes bürgerlichen Lebens und seiner Geschäfte beitrug, fand an Ihnen einen auf-merksamen Beobachter, einen kundigen Berather, einen ermunternden Vorgän-ger. Und sollen wir nicht in diesem Augenblicke, wo unser Herz von den mannich-faltigsten Gefühlen überwallt, auch Das aussprechen, was zu einer andern Zeit dieEhrfurcht zu sagen verbieten würde ? Wenn Sie durch offenkundiges Verdienst un-fern Dank, durch weisen Rath unsere Bewunderung gewonnen hatten, wurden Ih-nen nicht dann auch durch den Zauber der liebenswürdigen Freundlichkeit, die jedeIhrer Äußerungen begleitete, alle Herzen zugewendet? Wer hat je Ihre Geschäfteunterbrochen und Sie nicht heiter gefunden ? Wer hat nicht von Ihnen, wo er esbedurfte, die bereitwilligste Belehrung erhalten? Wer ist nicht, wenn auch seineWünsche unerfüllt bleiben mußten, dennoch befriedigt weggegangen? oder wer hatin einem solchen Falle jemals gezweifelt, daß unbest'egliche Hindernisse, nicht Gunstoder Ungunst, daß Gründe des gemeinsamen Wohls, nicht persönliche Rücksichten,seinen Wünschen entgegenständen? Darumsehen wir Sie mit tiefen Schmerzenaus unserer Mitte scheiden, darum beneiden wir den Fürsten und das Volk, dassich künstig mit Ihren Einsichten und Tugenden schmücken wird!" Fürwahr,könnte je der beklagenswerthe Fall eintreten, daß der Lebende den königlich sächsi-schen Staatsdienst verließe, würde sich das sächsische Volk in seinen unfehlbar dannihm auszudrückenden Dank- und Wehmuthsäußerungen auch nur ein Wortvon Dem abdingen lassen, was schon damals ein kleiner sächsischer Volksstammso rührend und so kräftig aussprach ? Und wie viel würde das überströmende Ge-fühl hinzufügen müssen? Seine persönliche Würde, die nie eines Ordensbandesbedurfte, seine nur Zutrauen einflößenden Züge im sprechenden Auge und um dieberedten Lippen, seine hohe Einfachheit in seinen Bedürfnissen und täglichen Um-gebungen, seine streng geordnete Zeiteintheilung, die es ihm möglich macht, jedesschriftliche Anliegen, jede persönliche Bitte zu beantworten, sind nur der allgemeinenBeobachtung offen liegende Erscheinungen in einem Mann, dessen sich aufopferndeStaatsthätigkeit, wenn sie oft auf Genüsse geistiger und geselliger Unterhaltungverzichtet, um so höher gestellt werden mag, als er für das Alles den lebendigstenSinn hat und aus dem Schatze seines Wissens- und Erfahrungskreises mit derihm eignen Heiterkeit stets mehr zu geben als zu empfangen bereit wäre. DasAlles, verbunden mit der gesetzlichsten Rechtlichkeit und Aer offenherzigsten Wahr-heilsliebe, wo die Pflicht nicht zu schweigen gebietet, kann erwähnt werden, da esdem public cburacter angehört. Seine häuslichen Tugenden, seine Gewissen-haftigkeit, seine gefühlvolle Menschenliebe und stets und im Großen sich erweisendeWohlthätigkeit gehören vor einen andern Richterstuhl und werden da erst ihre volleWürdigung finden, wo man den hochgestellten Staatsminister über dem nochhöher gestellten Menschen vergißt. (55)
Lindner (Friedrich Ludwig), Doctor der Medicin und politischer Schrift-steller, seit längerer Zeit privatisirend in München, ward geboren zu Mitau in Kur-land im Oct. 1772. Sein Vater war ein angesehener Prediger, sein Oheim einausgezeichneter Arzt, Beide vertraute Freunde des berühmten Hamann, in dessenBriefwechsel ihre Namen und Blätter häufig vorkommen. Unter solchen edelnVorbildern und geistreichen Einflüssen entwickelte der Knabe und Jüngling schnellund glücklich die schönen Anlagen seines heitern Geistes. Nach seinen im Vater-lande zurückgelegten sehr guten und umfassenden Schulstudien reiste er nachDeutschland, um sich in Jena dem Studium der Arzneiwissenschaft zu widmen.Seine schnelle Fassungskraft und sein gewandter Eifer ließen ihn ohne Anstren-gung die erfolgreichsten Fortschritte machen, fein frohes Naturell und die frischeRegsamkeit feines Jugendsinnes gewannen ihm enthusiastische Freunde, unter wel-Conv Ler. der neuesten Zeit und Literatur. II. 57