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Zweiter Band (1833) F bis L
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Seite
894
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Mktl

894 Lindenau

ningen und Koburg. Es war um diese Zeit, daß L., um eine schwierige Unter-handlung mit der in Genua noch lebenden Herzogin Mutter schnell zu beendi-gen und um ihre Einwilligung zu erhalten, mit außerordentlicher Schnelligkeiteine Reise dahin unternahm. Das durch oft sehr entgegengesetzte Ansichten derBetheiligten und der ihm zugeordneten Rache erschwerte Dienstverhältniß erreichtebei Abschluß des gotha-altenburgischen Theilungsvertrags im Nov. 1828, woraufder König von Sachsen, als Senior beider Linien, dazu aufgerufen, durch zweiCommifsarien segensreich einwirkte, seine Endschaft. Friedrich August hattebei dieser Veranlassung von L.'s gewissenhafter Gesammtverwaltung und um-sichtiger Vermittelung aufs Neue so viel Gutes vernommen, daß der Gedanke,ihn für Sachsen zu gewinnen, selbst zur Verwunderung mancher Einheimischen,die bereitwilligste Genehmigung erhielt. L. trat in königlich sächsische Diensteals wirklicher Geheimrath und mit der Aussicht, als Bundestagsgesandter nachFrankfurt zu gehen. Da er bei seiner uneigennützigen Gesinnung in Gotha nieeinen hohen Gehalt angenommen und nur die ihm als Landschaftsdirector in Al-tenburg gebührende, verhältnismäßig geringe Besoldung bezogen, Vieles dagegenaus seinen eignen Mitteln bestritten hatte, so zeigte er dieselbe Gesinnung auch beiseinem Eintritt in den sächsischen Staatsdienst und hat sie selbst bei der höchstenStellung im Civiletat fortdauernd bewährt.

Einige freie Monate, die ihm bis zu seiner diplomatischen Sendung blieben,benutzte er zu einem schnellen Ausflug nach Genua, Paris, Graubünden u. s. w.,trat dann 182? an die Stelle des zum Conferenzminister ernannten von Carlowitzin den sächsischen Gesandtschaftsposten beim Bundestage ein, wurde 1828 auchbeim König der Niederlande accreditirt, 1829 aber nach Dresden zurückberufen.

Er verließ Frankfurt im Sept. 1829, ging über Amsterdam, Hamburg, Kopen-hagen, Christiania, Stockholm nach Berlin und kam Ende Nov. 1829 nachDresden, wo er als Director der Commerziendeputation und Mitglied des gehei-men Raths im innern Dienst eintrat. Die vielfach bedrängten Handelsverhält-nisse, die Ermunterung und Förderung der sächsischen Industrie und Gewerbthä-tigkeit, die verschiedenartigen Ansichten über den in Kassel gestifteten, durch Sachsen MM mr.damals besonders geförderten mitteldeutschen Handelsverein, nahmen sogleich seine 'McH'Mganze Thätigkeit in Anspruch, überall aber kam ihm, sei es bei seinem Erscheinenaus der leipziger Messe, oder beim Bereisen der vorzüglichsten Fabrikplätze Sach- WeittHrsens, wobei der in Chemnitz gestiftete, in ganz Sachsen verzweigte Jndustriever- Grunasein vorzüglich seiner Aufmunterung genoß, das unbegrenzte Zutrauen Aller, dieihm ihre Anliegen vorzutragen und von ihm Rath und Weisung zu empfangenhatten, auf eine Weise entgegen, die seine fruchtbare Wirksamkeit nach allen Sei-ten hin kräftigte und erweiterte. Der von Lübeck ins Vaterland zurückgerufeneHofrath Gruner, bei dessen früh erfolgtem Tode er später innige und hülfreiche Teil-nahme bewies, stand ihm dabei kräftig eingreifend zur Seite. Auch beschäftigteihn die Oberaufsicht der königlichen Museen, welche ihm der Cabinetsminister vonEinstedel, in der Überzeugung, daß sie da in den besten Händen wäre, abge-treten hatte. L., selbst Kenner der schönen Künste, selbst im Besitz einerreichenBüchersammlung, hat viele wesentliche Verbesserungen in mehren Museen, beson-ders in der Gemäldegalerie und durch Verwandlung der Rüstkammer in ein Na-tionalmuseum, mit seinen besten Nathschlägen und Einsichten befördert.

Bei den Alles neu gestaltenden Maßregeln, welche die stürmischen September-tage 1839 unerwartet schnell, doch lange vorausgesehen, herbeiführten, bethätigtesich das allgemeine Zutrauen, welches nicht bloß die Bewohner Dresdens, sondernauch das ganze Land auf die humane Mäßigung, freisinnige Denkart, vielerprobteGeschäftsthätigkeit und unerschütterliche Rechtlichkeit L.'s zu setzen angefangen hat- ^ >ten. Für den Cabinetsministerposten hatte der Wunsch der Nation und die Über- s' ^

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