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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
891
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Lindenau L91

noch spater zu erzählen, daß der junge L. die katechetische Prüfung vor der Consir-mation lateinisch gemacht und die Beweise aus dem Neuen Testamente griechischangeführt habe. So vorbereitet, bezog er schon 1794 die Universität Leipzig, daein älterer Bruder zugleich mit ihm die Hochschule besuchen sollte, in Begleitungder Altern, die nur um ihrer Söhne willen Leipzig zu ihrem Wohnorte wählten.Dort verblieb er bis 1798. Seine Bildung war während eines vierjährigen Stu-dienplans eine juristisch-kameralistische. Seine hauptsachlichsten Lehrer warenSammt, Heidenreich, Haubold, Rau, Erhard, Einert, Stockmann, Weiße,Platner, Ernesti, Leonhardi, Wieland. Seine erste mathematische Bildung er-hielt er durch Hindenburg, dessen Vortrage durch Gründlichkeit ersetzten, was ihnendurch Trockenheit abging. L. erlangte hier nach überstandener Prüfung und Ver-theidigung einer Dissertation die juristische Doctorwürde. Bald nach seiner Rück-kehr, noch im Jahr 1798, wurde er als Assessor im Kammercollegium in Alten-burg angestellt. Jugendliche Unerfahrenhcit und durch die lebhafteste Phantasieaufgeregte Leidenschaftlichkeit, die arglose Hingebung an nicht sorgfältig genug ge-prüfte Altersgenossen verlockten ihn auf Irrwege. Im Strudel der Vergnügungenwurden die ersten Jahre seiner Dienstzeit verlebt. Trübe Erfahrungen, der Ver-lust einer geliebten Freundin, die durch den Tod ihm entrissen wurde, brachten aufeinmal den festen Entschluß in ihm zur Reife, sich von Allem zurückzuziehen. Erschloß sich Monate lang ein, nur seinen Büchern und Studien lebend. Im Jahr1891 begann sein ernstes mathematisch astronomisches Studium. Ein günstigerUmstand kam zu Hülfe. Der Oberststallmeister von Hardenberg hatte sich vom Hofein Gotha zurückgezogen, wo er bei dem Baron von Zach, dem Director der neu-erbauten Sternwarte auf dem Seeberg bei Gotha, seit 1787 Manches gelernt undpraktisch getrieben hatte. Dieser hatte große Freude an der Liebhaberei und demernsten Eifer L.'s und unterstützte ihn mit Rath und That, gestattete ihm den Ge-brauch seiner Bibliothek und Instrumente und gewährte dem Wißbegierigen neid-los Alles, was er selbst darzubieten vermochte.

Eine kleine Abhandlung, die L. über die Dimension des Erdsphäroids ge-schrieben und dem Obersten von Zach zugeschickt hatte, brachte ihm die freundlichsteEinladung. Er kam nun auf die Sternwarte zu Zach, der ihn mit offenen Armenempfing, sein eigentlicher Lehrer für praktische Astronomie wurde und ihn an allenBeobachtungen sowie an den damals durch ganz Obersachsen organisirten Grad-messungen Theil nehmen ließ. Er blieb dabei noch immer Kammerrath in Alten-burg, wohin er auch von Zeit zu Zeit zurückkehrte, bis er bei der endlichen Über-nahme der Sternwarte Urlaub auf unbestimmte Zeit nahm. Da in der Folge Zachals Oberhofmeister die verwitwete Herzogin von Sachsen-Gotha, die mit ihmJahre lang die schwersten astronomischen Berechnungen besorgt hatte, 1894 aufihrer Reise durch das mittägliche Frankreich begleitete und eine längere Abwesen-heit desselben vorauszusehen war, übertrug dieser L. die Direction der Sternwarteund die Redaction der von ihm an die Stelle der „Geographischen Ephemeriden",wegen welcher er mit Bertuch zerfallen war, gesetzte Zeitschrift: „AstronomischeKorrespondenz zu Beförderung der Erd- und Himmelskunde". Als aber Zach>m Sommer 1805 zurückgekehrt war, trat L. in seine alte dienstliche Laufbahn imaltenburgischm Kammercollegium wieder ein, ohne daß dadurch seine astronomi-schen Arbeiten unterbrochen worden wären. Allein nach dem völligen Abgange3ach's 1808, wurde L. vom Herzog August, der ihm schon längst sein ganzes Zu-trauen geschenkt hatte, förmlich zum Director der Sternwarte ernannt, wo er miteiniger Unterbrechung bis 1817 verblieb, und Sommer und Winter im Genußeiner gesunden Luft und einladender Fernschau, die selbst im Winter ihre eignenReize hatte, fern vom Hofgeräusch, aber der höhern Politik nicht entfremdet, jedenwissenschaftlich Gebildeten mit Gastfreundschaft ausnehmend, aber am liebsten