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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
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und die göttinger Liedertafel ausgegangen, deren Verhältnisse es jedoch nicht thun-lich machten, die Einrichtungen ihrer Abstammung beizubehalten. Wir kennenkeine Liedertafel, die nicht öffentlicher wäre als die leipziger. Seit 1818 sind sieso allgemein geworden, daß die »misten Städte Deutschlands dergleichen Vereinepflegen. Viele haben sich jetzt bedeutend erweitert. In manchen sind alle Künstlerohne Unterschied wahlfähig, z.V. in Hanover; in einigen nehmen auch die Frauenund Töchter der Mitglieder daran nach Belieben Theil. Noch andere halten von Zeit zuZeit sogenannte Provinzialliedertafeln, wo mehre solche Vereine an einem durchUmlausschreiben bestimmten Orte sich versammeln, um den Liederbund im Großenfester zu knüpfen. Einige solcher Provinzialversammlungen sind von den Mitglie-dern der Magdeburger, der dessauer und leipziger Liedertafeln 1831 und 1832 inKothen gefeiert worden.

Manche dieser Gesellschaften haben ihre eignen Archive und namentlicheinen köstlichen Festpokal von zierlich getriebener Silberarbeit, der mit dem Be-sten gefüllt wird, was der Traubensaft nur zu liefern vermag. Einen solchenFestpokal besitzen z. B. die berliner und die leipziger. Der letzte enthalt die einge-grabenen Namen der Urzwölfer und Derer, die an die Stelle der Hingeschiedenen,denen vom ganzen Verein die letzte Ehre erwiesen wird, aufgenommen worden sind.Den Deckel ziert eine Lyra und ein Schwan. Der berliner Pokal heißt nach einemihrer geehrten Mitglieder Flemming, welcher unter Anderm das bekannte „lote-ger vitue" des Horaz in eine sehr ansprechende Melodie gebracht hat, wozuC, Schulz, Musikdirektor und Mitglied der Liedertafel in Leipzig, so gelungenedeutsche Verse verfaßte, daß sie sich fast noch schöner den Tönen anschließen, als derlateinische Urtext, welcher vom Componisten nicht nach lateinischer Weise scandirtworden ist. Da die schöne Composition sich weit verbreitet hat, so theilen wir zubeliebigem Gebrauche die deutsche Wortanbildung den Freunden deutscher Dich-tung mit:

Hier, in des Abends traulich ernster Stille,

Kann erst das Leben freudig sich gestalten;

Hier, wo der Eintracht sanfte Geister walten,

Stärkt sich der Wille.

Eintracht und Liebe halten uns zusammen,

Wie auch im Wechsel steigt und fällt das Leben.

Aufwärts die Blicke! kräftigt euer Streben!

Wahret die Flammen.

, Rastlos und fröhlich treiben unsre Blüten,

Wenn schon der Jugend Sterne abwärts zogen;

Winken sie freundlich doch vom fernen Bogen

Ruhe und Frieden. (81)

Linde (Justin Timotheus Balthasar), ein Sohn des RechtsanwaltsLinde zu Brilon im Herzogthum Westfalen, wo er am 7. Aug. 1797 geborenwurde. Er besuchte das Gymnasium zu Arnsberg und studirte von 1816 —18zu Münster, dann zu Göttingen und Bonn die Rechtswissenschaft. Nachdem er18Zl) in Bonn promovirt hatte, habilitirte er sich als Privatdocent durch Verthei-bigung seiner Schrift : „He successinne germanica, inz»rimis pactitia", und wurdeaußerordentliches Mitglied des Spruchcollegiums. Er erhielt 1823 einen Ruf alsaußerordentlicher Professor der Rechte nach Gießen, wurde 1824 ordentlicher Pro-fessor und trat 1826 zugleich als Rath in das dortige Kirchen- und Schulraths-collegium, nachdem er 1825 einen Ruf nach Freiburg im Breisgau als Lehrer desdeutschen Privatrechts und der römischen Rechtsgeschichte abgelehnt hatte. Beiseiner ausgedehnten juristischen Gelehrsamkeit und seinem klaren Vortrag war esnn großer Verlust für die Universität, als er 1829 als Ministerialrath nachDarmstadt abberufen ward. Als Referent in Universitatsangelegenheiten hat er be-