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gang genommen hatten; nachdem die Schlacht bei Leipzig geschlagen worden warund jedes Deutschen Brust freier und höher schlug, verwandelten sich die Kriegsgc-sänge in Freudenlieder. An allen Orten tönte festlicher Gesang, und die Liederta-feln vermehrten sich schnell. Frankfurt an der Oder hatte zunächst nach dem Vor-bilde des ersten berliner einen vortrefflichen Mannervercin gebildet. Daraufwurde in Leipzig der fröhliche Liederbund ins Leben gerufen. Die tüchtigsten Män-ner, meist schon durch Umgang und gebildete Bestrebungen befreundet, traten zu-sammen, und mit den Urzwölfern, wie sich der Stamm dieses Vereins nannte, be-gannen unausgesetzt bis zur Stunde fortgeführte Abenderholungen, die ihre Dauerdadurch zu sichern wußten, daß sie mit dem heitersten Scherz gebildeten Anftandesdas nützlich Belehrende auf das Angenehmste vereinigten. Niemand hat Zutrittin diesen Männerkreis, als wer durch Composition, Dichtung und Gesang dieZwecke der Gesellschaft zu befördern versteht. So ist es bis jetzt geblieben; nurSänger, Ton- und Wortdichter sind wahlfähig. Überhaupt hat sich dieser Vereindurch wohlgeprüfte, gedruckte Gesetze eine ganz eigenthümliche, von andern verschie-dene Einrichtung gegeben. Es ist hier mehr ein häuslicher Freundschaftsbund, dererfreuend belehren und belehrend erfreuen will. Die meisten andern Liedertafelnhalten ihre Vereine an öffentlichen Orten, zwar in geschlossenen Zirkeln, doch so,daß Jeder Gäste mitbringen darf. Jeder zahlt dem Wirth, was er für sich und dieSeinen verzehrt. Diese gewöhnliche Einrichtung der Liedertafelfeste hat das Gute,daß sie eine zahlreichere Vereinigung fast wünschenswerth macht; die Gesellschaftwird dadurch gemischter und das ganze Wesen derselben volksthümlicher, was inmancher Hinsicht und in gewissen Verhältnissen sehr zweckmäßig genannt werdenmuß. Wird hierbei die Freude allgemeiner und die Anregung für die Kunst, dieLiebe zum Gesang verbreiteter, so wird dies Alles durch die leipziger Einrichtunginniger und tiefer. Hier kommt nämlich die Gesellschaft jeden Monat an einemfür das ganze Jahr festgesetzten Tage im Hause eines ihrer Mitglieder zusammen.Die Mitglieder besprechen sich am Schlüsse des Liedertafeljahres über die Auf-einanderfolge der wechselnden Reihe der Bewirthung. Nach vertraulichem Ge-spräche beim Thee wird von 7—y Uhr eine regelmäßige Sitzung gehalten, wo vomgleichfalls wechselnden Secretair zunächst das Protokoll der vorigen Liedertafel ver-lesen wird, woran sich zur Erinnerung an das Vergangene der Vortrag zweier al-ten Protokolle reiht. Darauf werden die eingereichten Compositionen der Mitglie-der gesungen, in deren etwaiger Ermangelung auserlesene Erzeugnisse fremderTonsetzer vorgenommen und nach Befinden in die Fremdenbücher aufgenommenoder bei Seite gelegt werden. Sind die neuen Tondichtungen in drei verschiedenenSitzungen wiederholt geprüft worden, wird durch schwarze und weiße Kugeln ab-gestimmt, ob das Lied aufgenommen werden soll oder nicht. Drei schwarzeKugeln verwerfen völlig. Jedes Mitglied besitzt sein eignes Stimmbuch, wo eseigenhändig die glücklich ballotirten Gesänge einschreibt. Die Partitur der Gesell-schaft ist merkwürdig. Am 24. October wird alljährlich das Stiftungsfest gefeiert,wo auch die Frauen der Mitglieder die Freude erhöhen, wenn es der Wirth desRaumes wegen möglich machen kann. Diesen Tag erhält in der Regel Derjenige,den der Himmel mit einem neugeborenen Kindlein segnete. Ist kein glücklicherHausvater mit vermehrter Familie vorhanden, so kann dies schon auch wol ei-nem Großpapa zu Theil werden. An diesem Tage werden die Monatsbestim-mungen der Zusammenkünfte für das nächste Jahr getroffen. Die Sommer-liedertafeln werden von denjenigen Mitgliedern übernommen, die Gärten oderLandhauser besitzen, wo man dann Mittags sich versammelt. Die Sitzungwird in diesem Falle und gewöhnlich den ganzen Sommer hindurch bis in denSept. von 12 — 2 Uhr gehalten. Selbst die gesellschaftlichen Fuhren haben ihrErgötzliches. Der Verein zählt berühmte Manner. Von ihm sind die dessauer