Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
887
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Liedertafeln LH7

Geistliche Lieder und Thomas Hoppen Neue Melodeyen, zu sonderbaren Gemüthser-qötzungen ordentlich angestellt wird und bewahrt erfunden worden ist". Der Dichterwar Landrath und Bürgermeister zu Greiffenberg, und der Componist starb als Pastorund Consistorialrath zu Kolberg 1703. Wir werden bald sehen, daß die eigentlichenHaupteinrichtungen dieser alten Gesellschaft in den neuern Instituten der Lieder-tafeln völlig in derselben Art wieder aufleben; nur daß die neuem Zeiten nicht mehrwie in jenen Tagen hauptsachlich Gott fingen, sondern weltlicher geworden sind, waswir indeß nicht als einen Tadel angesehen wissen wollen. Auch würde man sich irren,wenn man meinen wollte, es wäre in jenen Zeiten alles Fröhliche verbannt gewe-sen, oder es würde von den neuen Mannergesellschaften alles Ernste und Heiligegeradehin ausgeschlossen werden; es gibt keine Liedertafel, die nicht auch Ernstesund Heiliges pflegte und liebte. Der Unterschied zwischen den altern und neuemVereinen besteht nur darin, daß nach der Richtung jener Tage die ersten dasFromme und die letzten das Lebensfrohe zum Vorherrschenden machten, was die! jetzt hinzugefügten Abendessen sehr natürlich herbeiführen mußten. Diese mit mun-tern Gesangen veredelten Abendtafeln sind in der That der Hauptunterschied zwi-schen Jetzt und Sonst-, denn was wir in den Einrichtungen der genannten greif-fenbergischen Gesellschaft fanden, finden wir in den unfern in genauester Überein-stimmung wieder. Daß aber die Freuden der Tafel und die Erhebung des Vergnü-gens durch Gesang keine neuen Erfindungen sind, ist wol gewiß, wenn uns auchnamentlich von den Griechen nicht bekannt wäre, daß sie es für eine nothwendigeBildung hielten, bei ihren Schmaufereien die herumgehende Zither anzunehmen, umihre Gesänge durch den Klang derselben zu unterstützen. Hätten sie harmonischen,' d. h. mehrstimmigen Gesang gekannt, sie würden wie wir gleichfalls mehrstimmigi gesungen haben. Diesen Vorzug schöner vielstimmiger Harmonie haben wir derneuem Zeit und den Segnungen des Kirchlichen zu verdanken. Aus den erstenZeiten solcher harmonischen Gesangskunst sind uns zwar nur Stücke für die natür-lichen vier Stimmen und ähnliche übrig geblieben; dennoch sind auch vierstimmigeNannergesänge alter, als Mancher zu glauben scheint. Daß sie hingegen in derneuesten Zeit und am vorzüglichsten durch die Liedertafeln weit verbreiteter und ingrößern Massen erklingen, ergibt sich ohne Weiteres von selbst.

Die meisten unserer Liedertafeln haben ihren Musikdirsctor, der aus ih-rer Mitte gewählt wird. Bei einigen wechselt diese Würde, bei andern steht siefest. Auch darin war der greiffenbergische Männerverein vorangegangen, auch erhatte seinen bestimmten Musikdirektor in der Person eines jungen Theologen, Be-nedict Lisiccus. In der ersten neuen Liedertafel zu Berlin übernahm der Stifterderselben, Professor Zelter, den Vorsitz und das Amt eines Direktors. Im Winter1809 hatte er nämlich als Director der dortigen Singakademie 24 Männer dersel-ben vereinigt, die zu bestimmten Zeiten, meist nach geendigter Akademie, sich zurgemeinschaftlichen Abendtafel an einem öffentlichen Orte versammelten, selbst ge-dichtete und selbst componirte Lieder vortrugen und die gutbefundenen dann in ihreNotenbücher einschrieben, deren jedes Mitglied ein eignes halten mußte. Die mun-tere Gesellschaft fand desto größere Theilnahme, je unwilliger die Meisten bereitsden Druck der Gegenwart trugen, und je lebhafter die innere Kraft sich zu hebenbegann, jene Last des fremden Joches von sich zu schütteln. Schnell wuchs derVerein, und die Kraft der Lieder erhöhte nicht bloß die Lust an den Freuden der Ta-stl. Es entstand sogar in der Folge noch eine zweite Liedertafel in Berlin, die jün-gere, welche unter Andern und vorzüglich von dem bekannten Componisten Bern-hard Klein gegründet wurde. Beide Liedertafeln bestehen noch, sind in erwünsch-tem Flor und haben von Zeit zu Zeit mehre Hefte ihrer vierstimmigen Mannerliederdurch den Druck bekannt gemacht. Nachdem aber die denkwürdigen Anstrengungendes gesammtm deutschen Volkes, die Fesseln zu zerbrechen, einen glücklichen Aus-