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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
886
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Liebig Liedertafeln

Gegenstande der Geschichte und Politik Vorlesungen gehalten, und sammelt Ma-terialien für eine Geschichte der constitutionnellen Entwickelung der europaischenMenschheit.

Liebig (Justus), Professor der Chemie in Gießen, verdient ungeachtetseiner Jugend nach Dem, was er geleistet hat, schon den ersten Chemikern Deutsch-lands beigesellt zu werden. Er wurde geboren zu Darmstadt am 14. Mai1803, zeigte schon frühe Neigung zu den Naturwissenschaften, die sein verstan-diger Vater, ein Kaufmann, weckte und unterstützte, auf dem Gymnasiumin seiner Vaterstadt unterrichtet und brachte vor seinem Besuche der Universitätein Jahr in einer Apotheke zu. Im Jul. 1819 ging er nach Bonn, von danach Erlangen und 1822 nach Paris. Eine Abhandlung über das Knallsil-ber, welche von ihm der Akademie der Wissenschaften mitgetheilt wurde, machteA. von Humboldt aufmerksam auf ihn. Dies begründete seine spatern Verhalt- ^ 'nisse und seine wissenschaftliche Richtung. Humboldt widmete ihm die wohlwol-lendste Theilnahme und verschaffte ihm die Bekanntschaft aller ausgezeichnetenChemiker in Paris. Nach Deutschland zurückgekehrt, erhielt er 1824 eine außer-ordentliche Professur der Philosophie und 1826 die ordentliche Professur der Che-mie in Gießen. Die Untersuchungen, die L. geliefert hat, sind schon sehr zahlreich,und zeugen sämmtlich von großem Scharfsinn und sicherm Takte in Aufsindung derMittel, die zu einem interessanten oder wichtigen Ergebnisse führen können. Ammeisten hat er sich durch Aufsindung und Verbesserungen von Bereitungsmethodensehr vieler chemischer Präparate, durch genaue Analysen mehrer organischen Stoffe(besonders Kampher, Kamphersäure, Alkaloide), durch seine Untersuchungen überCyanverbindungen, Kohlenstickstoffsaure, Platinschwarz, Chloral u. f. w. verdientgemacht. Sämmtliche Arbeiten desselben dürften in Poggendorff's „Annalen",Schweigger's „Journal" und dem seit einiger Zeit gemeinschaftlich von ihm undGeiger herausgegebenen „Magazin für Pharmacie", worin er die Arbeiten andererChemiker einer strengen, aber gediegenen experimentalen Kritik zu unterwerfen pflegt,enthalten sein. Bei der sonst so seltenen Vereinigung des wulta und multum, diein seiner Thätigkeit anzutreffen ist, hat sich die Chemie noch Vieles von ihm zu ver-sprechen. (11)

Liedertafeln. Unter diesem Namen sind in neuern Zeiten musikalischeMännervereine äußerst beliebt geworden. Sowie man viel zu weit geht, wennman gläubig annimmt, das Recitaciv sei zu den Zeiten der Verbreitung der Operin Italien erfunden worden, ebenso sehr würde man sich täuschen, wollte mandiese Art deutscher Männervereine mit dem Namen einer Erfindung beehren.Wenn wir auch Meister- und Minnesängergesellschaften, durch welche sicheinst unser Vaterland auszeichnete, hier nicht erwähnen wollen, obgleich sie auchhierhergehören, so würden sich doch außer jenen Verbindungen immer noch weitfrühere dieser Art ausfinden lassen. Ein merkwürdiges Beispiel solcher Gesellschaf-ten hat bereits Fink in Nr. 43 der „Allgemeinen musikalischen Zeitung" für 1832bekannt gemacht, wo von einem Männerverein zu Greissenberg in Hinterpommernberichtet wird, welcher schon 1673 blühte. Er bestand aus 16 angesehenen Mit-gliedern des gebildeten Standes, aus Bürgerlichen und Adeligen, Geistlichen undWeltlichen, welche die Liebe zur Dichtkunst und zur Musik vereinigt hatte. Mandichtete und componirte sich seine Lieder selbst und sang sie dann in freundschaftli-chen Zusammenkünften. Es ist auch von dieser klingenden und singenden Gesell-schaft ein Liederwerk in vier Foliobänden zu Altstettin vom Jahre 1673 — 75 un-ter folgendem Titel herausgegeben worden: „Greiffenbergische Psalter- und Har-fenlust wider allerlei Unlust, welche unter Gottes mächtigem Schutze und churfürst-lich brandenburgischem Gnadenschatten von der daselbst Gott singenden Gesellschaft (^in vertraulichen Zusammenkünften durch zweier Gesellschafter, Johann Möller's