Liberia
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waren, auf den fürchterlichen Despotismus, welchen nicht etwa nur die Ministerund andere höhere Staatsdiener, sondern, und vielleicht am meisten, die unternBeamten und kleinen Landherren ausüben konnten, auf die Langsamkeit und Will-kür der Rechtspflege, auf die Erpressungen und Unterschleife der Verwaltungs-I ^ beamten, auf die Rechtlosigkeit, welche in allen öffentlichen Verhaltnissen herrichte,und man wird nicht seine Auflucht zu Voltaire, Rousseau und Kant zu nehmenbrauchen, um jenes Erwachen der liberalen Ideen in Hinsicht auf Verfassung undVerwaltung des Staats zu erklären. Man glaube doch ja nicht, daß die Völker je-nes Austandes sich nicht bewußt gewesen wären; sie erkannten recht wohl was ih-nen fehlte; aber das ist wahr, daß sie nicht ahnten, wie eine Abhülfe möglich sei,und daß sie dies erst durch die französische Revolution gelernt haben. Seitdem istdie Gährung immer allgemeiner und größer geworden und hat weder durch Napo-leons kraftigen Militairdespotismus, noch durch die seitdem fast allenthalben einge-tretenen großen Verbesserungen beschwichtigt werden können; denn obgleich Vielesseitdem geschehen ist, so ist doch noch Vieles zu thun übrig, und wir sind, wie esscheint, noch weit von dem Punkte entfernt, wo eine neu gegründete Ordnung derDinge eine breite und feste Basis für eine ruhig fortschreitende weitere Entwicke-lung abgeben könnte. Vielmehr haben die Ereignisse des Jahres 1830 der Gäh-rung neue Nahrung gegeben und in ihren Folgen zu Spannungen und Spaltun-gen geführt, zu Awisten zwischen den Regierungen und den Sprechern des Volkes,bon welchem sich das Ende noch nicht absehen laßt. Wie weit nun in den liberalenTendenzen der neuesten Aeit Planmäßigkeit und Verbindung herrsche, ist schwer zusagen. Man hat schon vor der Juliusrevolution von einem dirigirenden Ausschussein Paris gesprochen, welcher wie er früher die revolutionnairen Versuche in Italienund Spanien geleitet habe, auch von 1830 an Aufstande und Tumulte selbst inden deutschen Landen angestiftet habe. Gerichtliche Beweise sind dafür bis jetztnicht geliefert worden, und es steht dahin, was die neuen Untersuchungen, dieim südlichen Deutschland im Gange sind, an den Tag bringen werden. DaßFrankreich und Italien von einer Menge politischer Verbindungen durchkreuzt sind,ist unbezweifelt, denn in Frankreich treten diese Gesellschaften öffentlich hervor.Wie weit sie sich aber über den Rhein verbreitet haben, ist bis jetzt noch eine Sacheder Gerichte, nicht der Literatur. So viel ist aber gewiß, daß es eine Verirrung desLiberalismus ist, wenn er seine eigenthümliche Bahn des individuellen redlichenWirkens für Wahrheit und Recht verlaßt, um durch Verbindung zu einer Par-tei, durch gemeinschaftlich verabredetes Handeln Dasjenige von Außen her zuerreichen, was nur von Innen heraus durch Lehre und Beispiel gefördert wer-den kann. (3)
Liberia, eine nordamerikanische Negercolonie in Afrika, auf der Körner-vder Pfefferküste, unweit des Caps Mesurado im Lande Sanguin. Das Gebiet,das sie umfaßt, wurde 1821 von der amerikanischen Colonisationsgesellschaft ge-kaust und sie erhielt 1824 auf den Antrag des Generals Robert Goodloe Harper ih-ren Namen. Die Sklaverei ist ein dunkler Flecken in dem Volksleben der freienNordamerikaner. Darum beschlossen edle Bürger, eine Colonie freier Neger aufder Westküste von Afrika in Oberguinea bei dem Cap Mount oder Mesurado, süd-lich von Sierra Leone anzulegen und allmalig einen Theil der schwarzen Bevölke-rung der Vereinigten Staaten dahin zu verpflanzen. Das Land ist fruchtbar undhat einen immer blühenden Frühling. Das Gebiet erstreckt sich bis zum Cap Gal-linas an der Küste der Sierra Leone. Die Anlage der Colons? war mit großen Auf-opferungen verbunden. Die ersten Ansiedler ließen sich im Jan. 1822 unter derAufsicht des l)r. Apres nieder. Viele Weiße fanden den Tod, theils im Kampfenrit den feindlichen Stammen, theils in Folge klimatischer Krankheiten, und ApresI^ldst wurde durch Krankheit genöthigt nach Amerika zurückzukehren. Mitten unterEonv.^Lex. der neuesten Zeit und Literatur. II. 56