Lewe van Aduard
Liberalismus
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in derselben Weise seien auch die Grundlehren der Pathologie, der Gift- und Arz-neimittellehre, sowie der Therapie von Neuem zu entwickeln. Was L. bisher indieser Hinsicht wirklich erreicht und theils umständlicher behandelt, theils nur erstin Vorlesungen angedeutet hat, wird aus einem bald erscheinenden Werke erhellen,das für Arzte eine Theorie der Medicin, zugleich aber auch für Nichtärzte ein zeit-^ gemäßes Hülfsmittel allgemein menschlicher, unmittelbar ins Leben eingreifenderBildung sein soll. Auch seine „Eubiotik" (Berlin 1828) ist für Ärzte undLaien bestimmt.
LewevanAduard (Joannes Jonkheer, d. i. Edler), aus einer der erstenFamilien des Landes stammend, ward am 17. Sept. 1774 zu Groningen geboren,M trat bereits im fünfzehnten Jahre in den Seedienst, machte bald nachher eine Reisein das mittelländische Meer und nach Ostindien und ward im neunzehnten Jahre^ zweiter Lieutenant. Nachdem er an Bord mehrer Schisse gewesen war, rückteer 1795 zum nächsten Dienstgrade auf, gerieth 1796 auf dem Vorgebirge der gu-cheii ten Hoffnung in die Gefangenschaft der Engländer, aus welcher er im folgenden^ ^ Jahre zurückkam, wurde 1801 Capitainlieutenant, reiste als Befehlshaber desHandelsschiffes Hippomenes nach den Vereinigten Staaten und Westindien undfiel in einem hartnäckigen Gefechte auf der Insel Cura^ao abermals in Gefangen-schaft. Im Dec. 1805 befreit, trat er wieder in Dienst, und litt 1807 mit demnach Westindien bestimmten Kriegsschisse Utrecht Schiffbruch auf den Orkaden. Erwar 1808 auf kurze AeitCommandant der Seecadettenanstalt zu Enkhuizen, wurde1810 Capitain und Befehlshaber des Schisses Tromp, das bald nachher zu Ant-werpen außer Dienst gesetzt ward, und mußte in das innere Frankreich sich bege-ben, wo er im Febr. 1814 zum Kriegsgefangenen erklärt wurde. Nach seinerFreilassung ging er nach Holland zurück, ward im Nov. 1814 Befehlshaber desSchiffes Cäsar, mit welchem er in das mittelländische Meer reiste und darauf imNamen des Königs Besitz von den westindischen Colonien nahm. Er ging spätermit der Fregatte van de Werff nach Ostindien, stillte 1820 die Unruhen zu Ma-cassar, befehligte 1821 die ganze Seemacht in dem Kriegszuge gegen Palembangunter dem General van Kock und zeichnete sich bei jener Gelegenheit rühmlichaus. Nack) Holland zurückgekehrt, ward er Contreadmiral und Befehlshaberder zweiten Division der ersten Verteidigungslinie der Scheide. In einem Ge-fechte vor dem von den Belgiern besetzten Fort Kruisschans ward er am 12. Dec.18Z2 durch eine Stückkugel getödtet, die fast Niemand als ihn an Bord seinesSchiffes traf. (74)
Liberalismus. Wenn wir, dem Charakter dieses Werkes gemäß, dieneuesten Erscheinungen und Standpunkte des Liberalismus anzugeben uns bemü-hen, so werden wir immer wieder auf die Betrachtung zurückgeführt, worin dasWesen dieses Proteus bestehe, welcher, so weit die Weltgeschichte reicht, unter tau-send verschiedenen Namen die Völker bewegt, und unter den mannichfaltigstenFormen bald verfolgt und unterdrückt worden ist, bald sich aus dem Staube sieg-reich emporgehoben und aus Trümmern der Vergangenheit neue Reiche erbauthu. Was man heutzutage Liberalismus nennt, ist nicht die Sache selbst, sondernj nur eine Erscheinung derselben, welche sich in dem zufälligen Bedürfen der Zeit"' entfaltet und mit ihm verbindet, aber auch in dem völlig Entgegengesetzten ihrenußere Grundlage finden könnte. Freiheit, Unabhängigkeit, Selbständigkeit istsreilich, wie das Wort anzeigt, der Grundton des Liberalismus; aber nicht die bür-^ und politische Freiheit allein, sondern die Befreiung von jeder naturwidri-M Schranke, welche dem menschlichen Geiste entweder von Außen her gesetzt wcr-d>n soll, oder in welcher er durch seine eigne Unthätigkeit gefangen gehalten wird.Der Gegensatz des Liberalen ist das Knechtische, Servile, und einigermaßen verschie-davon das Illiberale. Servil ist aber nicht bloß Der, welcher, die höhere Wür-