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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
874
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874 Leßmann

als dieser mit seinem Regiment nach Ungarn abgehen mußte, blieb L. im Hause desCommandanten von Verona, des Herrn von Kraus zurück. Hier vergrub er sich inBibliotheken und Archive und beschäftigte sich namentlich mit der Geschichte der ^Scaliger, üt-cr welche seine dreijährigen Nachforschungen auf dem Schauplatze ih- 'rer verschwundenen Größe ganz neue Resultate versprachen. Diese Geschichte des ^Hauses Scala, aus welche er eigentlich seinen Ruhm begründen wollte, wie er selbstin der Vorrede zu den „Cisalpinischen Blattern" andeutet, ist nicht erschienen undhöchst wahrscheinlich finden sich nur Ercerpte und Notizen. Daß er aber Oberita-lien auch mit den Augen des Dichters gesehen hatte, davon zeugen seine „Cisalpi- Fßnischen Blatter" (2 Bde., Berlin 1828), die er kurz nach seiner Rückkunftaus Italien in Wien niederschrieb. Er eilte darauf nach seiner Vaterstadt zurück,wo sein alter Vater in seinen Armen verschied. Von 1824 an unterbrach er seinen -Ä> ^Aufenthalt in Berlin nur durch kurze Erholungsreisen in die nächste Umgegend.

Sein poetisches Talent, das bisher nur schüchtern sich geregt, halte sich genährtmit der Masse des Stoffes, den ihm die Geschichte, in der er heimisch war, und seineignes bewegtes Leben darboten, und es entwickelte sich jetzt ebenso rasch und üppig ^ Mals es vorher lange geschlummert hatte. Von dieser Zeit an gehorchte ihm sein Ta- Wlent. Unter dem Titel: „Venus Amathusia" (Berlin 1824), gab er eine Samm- Mlung seiner lyrischen Gedichte heraus; einzelne Novellen in Zeitschriften, nament-lich im „Gesellschafter", erregten Aufmerksamkeit; aber erst mit 1827 beginnt seineeigentliche,rastlose Thätigkeit, und es erschienen: „Luise vonHalling, Briefe aus Süd-spanien" (2 Theile, Berlin 1827); dieoben erwähnten„Cisalpinischen Blätter" undeine Sammlung seiner theilweise bereits in Wien und Italien entworfenen „No-vellen" (4 Bde., Berlin 1828—29); eine weniger in streng historischem Stylals vielmehr für ein gemischtes Publicum behandelte Lebensbeschreibung „Mastinodella Scala" (Berlin 1828); eine zweite Sammlung lyrischer „Gedichte" (Ber-lin 1830) und eine Erzählung: „Die Schlittenfahrt" (Berlin 1831); „Biogra-phische Gemälde" (2 Bde., Berlin 1829 — 30); 1831 (in der „Abendzeitung")„Die Quartierfreiheit", ein historischer Roman, und der erste Band des „Wander-buchs eines Schwermüthigen" (Berlin 1831). Bei dieser außerordentlichen Thä-tigkeit fand er noch Muße zur Ausarbeitung einzelner in Zeitschriften abgedrucktenAufsätze und zurübersetzung zweierRomane: „Die Verlobten"von Manzoni (3Bde.,

Berlin 1827) und die „Nonne von Monza"von Rosini (2 Bde., Berlin 1832). Mitdem angespanntesten Fleiße hatte er im Sommer 1831 einen Roman: „Die Heiden-mühle" (Berlin 1833), vollendet, als er sich mit diesem Manuscript und dem dritten ''' »WniTheile der „Biographischen Gemälde", der gleichfalls ausgearbeitet war, in einer hei- DHchrZtern Stimmung und zwar, seiner Gewohnheit gemäß zu Fuße, am 1. Sep-t. auf den ,'^MerÄWeg nach Leipzig begab, um, was er längst beabsichtigte, mit einem dortigen Buch- W AHändler Verbindungen anzuknüpfen. Ii» der Mitte des Monats erhielten seineFreunde in Berlin die erschütternde Nachricht, daß L. zwischen Kroppstädt und Witt ^tenberg einige hundert Schritte abseits der Heerstraße an einer Birke erhängt gesun-den worden sei. Die unwahrscheinlichste Deutung lag naher als die VermuthungdeSSelbstmords; aber die sorgfältigsten Nachforschungen von Freunden, die der Spur 'VL.'s nachgereist sind, haben, soweit menschlicher Scharfblick das dunkle Rathsel zulösen vermag, die traurige Bestätigung zurückgebracht, daß L. wirklich, wahrschein-- ^ ^ ^,lich schon am Abend des 2. Sept., Hand an sein Leben gelegt hat.

L.'s Stärke bestand im Erzählen und er lheilte alle Vorzüge und Mängel, die ^

mit einem überwiegend erzählenden Talent verbunden zu sein pflegen. Seine Lyrikhat sich nur selten aus den Fesseln der Nachahmung befreit, aber wenn er erzählte,wurde er von der Fülle des Stoffes, der ihm freiwillig zuströmte, getragen, seinelebhaste Einbildungskraft rief die widerstrebendsten Bilder hervor, die sein allzeitfertiger Witz keck und barock zu verschmelzen wußte, und, ohne den Faden der Er-