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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
872
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872 Lerchenfeld Leslie

besserung der Rechtspflege überhaupt, die Umbildung des Schulwesens in Dessauund die Vereinigung der fürstlichen Büchersammlungen zu einer öffentlichen Bi-bliothek gehören. Einen Beweis seiner Kunstliebe gab der Herzog durch die, ausseine Kosten unternommene Wiederherstellung der verfallenen Nikolaikirche zuZerbst, eines ehrwürdigen Denkmals der altdeutschen Baukunst, durch mehre Ver-schönerungen seiner Residenz, durch geschmackvolle Anlagen in dem Garten zuBurg-Kühnau, den er schon als Erbprinz von seinem Großvater zum Geschenk er-halten hatte, durch die Vervollkommnung der herzoglichen Kapelle, einer der vor-züglichsten Musikanstalten in Deutschland, und durch die Pflege der reichen Kunst-sammlungen in Dessau und Wörlitz, für welche auch seine Reise nach Italien imWinter 1822 vielfach förderlich war. Die Vereinigung der beiden protestanti-schen Bekenntnisse zu einer evangelischen Kirchengemeinde bewirkte der Herzog1827 nicht sowol durch Verordnungen als durch Ubereinkunft mit den Predigernseines Landes und durch sein Beispiel, indem er mit seiner Familie und mit 59Predigern und über 350 Personen aus allen Standen an der ersten gemeinschaft-lichen Abendmahlsfeier in der Schloßkirche Theil nahm. In den Streitigkeiten, inwelche ihn und die übrigen anhaltischen Häuser die Maßregeln der preußischen Re-gierung, Anhalt zur Annahme ihres neuen Sttuersystems zu nöthigen, verwickel-ten, behauptete der Herzog standhaft sein Recht, bis der Zwist, nach lebhaften Er-örterungen am Bundestage, auf dem staatsrechtlich allein zulassigen Wege freierUbereinkunft durch den Vergleich vom 17. Jul. 1828 geschlichtet wurde.

Lerchenfeld (Maximilian, Freiherr von), 1779 zu München geboren,studirte zu Ingolstadt und trat 1806 im höhern Staatsdienste als bairischer Ge-sandter am würtewbergischen Hofe auf, schied aber bald wieder aus der diplomati-schen Laufbahn und wurde 1808 zum Generalcommissair zu Ansbach, 1809 zuNürnberg, 1811 zu Jnnspruck und 1814 zu Würzburg ernannt. Von 1817 biszum Regierungsantritt des jetzigen Königs 1825 war er Finanzminister und ist seit-dem bairischer Gesandter am Bundestage. In seinem frühern Geschäftsleben wollteman von einer eingreifenden Thätigkeit nichts bemerken, besonders aber macht manseiner Leitung des Finanzwesens den Vorwurf, daß sie sich unter Förmlichkeiten fort-geschleppt habe, ohne etwas Bedeutendes zu Stande zu bringen, und während sie nachunten kleinliche, am unrechten Orte versuchte Ersparungen, z. B.ein Umzugsreglementund Verkürzungen der Witwen- und Waisenpensionen, gemacht habe, sei sie gegen ei-nen vergeudenden Hofhaushalt und gegen die Vermehrung der Staatsschuld, unterUmstanden, wo Verminderung hätte stattfinden können, zu nachsichtig gewesen.Auf dem Landtage von 1825 wurden nachdrückliche Beschwerden gegen ihn beson-ders darum erhoben, weil man die den Ständen vorzulegenden Mittheilungenmangelhaft und unvollständig fand, wodurch der Geschäftsgang der Ständever-sammlung erschwert und gehemmt wurde.

Leslie (Sir John), ein berühmter englischer Physiker, war geboren im April1766 und anfangs zu nichts weiter bestimmt, als den Betrieb eines kleinen Pacht-guts und einer Mühle fortzuführen, wovon seine Altern lebten. Noch vor seinemzwölften Jahre indeß empfahl er sich durch seine Neigung für Calcul und Geo-metrie dem Professor John Robinson, durch den er mit den Professoren Playfairund Stewart bekannt ward. Dies und zugesicherte Unterstützung gab seinen AlternVeranlassung, ihn, nach einigem vorgängigen Unterricht, auf der UniversitätSt.-Andrew's studiren zu lassen. Von hier ging er einige Zeit darauf nach Edin-burg, wo er den gewöhnlichen Eursus vollendete, und von da, voll Abneigung gegendie kirchliche Lausbahn, zu welcher er von seinen Altern bestimmt gewesen zu seinscheint, nach London, wo er sich auf schriftstellerische Arbeiten legte, und als grö-ßere selbständige Arbeit zuerst eine Ubersetzung von Buffon's „Naturgeschichteder Vögel" 1^93 in 9 Bänden herausgab. Das dafür erhaltene Honorar legte