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Leopold Friedrich (Herzog zu Anhalt-Dessau) 37 !
Kunst unter freisinniger Pflege mehr als in andern Theilen der Halbinsel gediehen,und wurden von seinem Vater auf ihn vererbt. Er setzte die seit 1818 begonnenenVerbesserungen des Vo.Wschulwesens fort, um von dem gebildetsten Volke Ita-liens die Schmach hinwcgzunehmen, daß drei Viertheile der Bewohner des Landesnicht lesen und schreiben konnten. Ein rühmlicher Beweis seiner Liebe für die va-terländische Literatur war die 1826 auf seine Kosten veranstaltete Prachtausgabeder ersten vollständigen Sammlung der Gedichte des großen Lorcnzo diMedici, undseine freigebige Unterstützung setzte den Professor Rosellini und andere toseanischeGelehrte in Stand, 1828 eine wissenschaftliche Reise nach Ägypten zu unterneh-men, die durch einen reichen Ertrag von Zeichnungen und Älterthümern belohntwurde. Diese Begünstigung des geistigen Strebens mußte auch auf den literari-schen Verkehr wohlthatig zurückwirken, der nirgend in Italien so frei als in Tos-kana ist, und die Gründung literarischer Anstalten befördern, durch welche Florenzsich auszeichnet. Der Großherzog schützte nicht nur den seit frühem Zeiten in Li-vomo, Pisa und Florenz bestehenden protestantischen Gottesdienst, sondern gestat-tete sogar dem bei der protestantischen GemeindeHn Floren; angestellten Prediger,Colomb aus der französischen Schweiz, auch italienische Predigten zu halten, dieselbst von Italienern besucht wurden. Wie sein Vater das einst verpestete Chiena-thal in eine der fruchtbarsten Gegenden Toscanas umgewandelt hatte, verordneteder Großherzog 1828 die Austrocknung der Maremmen, einer von Piombino bisOrbitello sich erstreckenden Ebene, die eine ungesunde Luft unbewohnbar gemachthat, seit die im Alterthum bestandene Verbindung zwischen dem See Castiglioneund dem Meere durch einen Damm gesperrt worden ist. Der Großherzog willdurch die Arbeiten, deren Dauer auf zehn Jahre berechnet ist, die alte Verbindungwiederherstellen lassen. Diese Unternehmungen geben den Arbeittosen Beschäfti-gung, und auch dies mag dazu beigetragen haben, daß, obgleich die Thätigkeit ge-heimer Verbindungen auch nach Toscana reichte, doch wahrend der für die Nach-barländer so verhangnißvollen Jahre 1830 und 1831 die Ruhe dort nicht gestörtwurde, wiewol der Großherzog es bei den Bewegungen in der Romagna für nö-thig hielt, die alte Stadtgarde in Florenz wiederherzustellen.
LeopoldFriedrich, Herzog zu Anhalt Dessau, geb. am 1. Oct. 1794,der Sohn des 1814 gestorbenen Erdprinzen Friedrich, ward unter der sorgsamenAufsicht seiner trefflichen Mutter, Christiane Amalie Prinzessin von Hessen-Homburg, von dem Hofprediger Bcttger unterrichtet, und das Vorbild seinesGroßvaters, des Fürsten Franz*), der durch Sorge für Volksveeedlung, Wissen-schaft und Kunst sein kleines Land zu hoher 'Auszeichnung brachte, wirkte von frü-her Jugend an wohlthätig auf ihn ein. Nach der Schlacht bei Leipzig begab er sichmit seinem Bruder Georg Bernhard zu dem H.ere der Verbündeten und wohnteunter seinem Oheim, dem Erbprinzen Friedrich von Hessen-Homburg, mit dergegen Augereau aufgestellten Südarmee dem Fclozug im südlichen Frankreich bei.Von Lyon reiste der Prinz nach Paris, ging aber, kaum vom Nervensieber gureftn,aus die Nachricht von dem Tode seines Vaters, nach Dessau zurück, und begabsich darauf mit den Abgeordneten seines Großvaters nach Wien, um auf dem Eon-gresse für dasInteresse seines Landes zu sorgen. Er folgte am 9. Aug. 1817 seinemGroßvater in der Regierung und vermählte sich 1818 mit der hochgebildctenPrinzessinFriederike, Tochter des Prinzen Ludwig von Preußen. Die wohlthatigen Einrichtun-gen seines Großvaters wurden treu gepflegt und vervollkommnet, aber nach undnach mehre heilsame Veränderungen in der Verwaltung vorgenommen, wozubesonders die 1819 verordnete Aufhebung der den Domainenpachtem überlassenenUntergerichte, welche in zwei neu errichtete Justizämter vereinigt wurden, die Ver-
*) S. „Zeitgenossen", erste Reihe, Nr. 7.