670 Leopold (Fürst zur Lippe) Leopold (Großh. von Toscana)
Leopold (Paul Alexander), Fürst zur Lippe, geboren zu Detmold am6. Nov. 1795, der Sohn des regierenden Fürsten Friedrich Wilhelm Leopold,wurde nach dem 1802 erfolgten Tode seines Vaters, unter der unmittelbaren Lei-tung seiner edeln und geistreichen Mutter, Pauline Christine Wilhelmine, gebo-renen Prinzessin von Anhalt-Bernburg, von dem Generalsuperintendenten Weerth,dem Legationsrath Preuß und dem Jnspector Krücke sorgfaltig unterrichtet, und jeneseltene Frau war eine ebenso tressliche Mutter, als sie wahrend der achtzehnjährigenVerwaltung des Landes ausgezeichnete Herrschertugend erprobte. *) Der Prinzbezog 1814 mit seinem Bruder Friedrich die Universität Göttingen, und trat 1818,von dem Professor Hausmann begleitet, die Reise nach der Schweiz und Italienan, von welcher er 1819 zurückkehrte. Er vermahlte sich in demselben Jahre mitder Prinzessin Emilie von Schwarzburg-Sondershausen und übernahm am4. Jul. 1320 die Regierung aus den Händen seiner Mutter, welche das Ende ih-rer Regentenlaufbahn nur wenige Monate überlebte. Der Fürst setzte fort, wassie begonnen, und pflegte mit treuer Sorgfalt die Wohlthätigkeitsanstalten, in wel-chen sie ihr schönstes Denkmal hinterlassen hat. Zu den Anordnungen, durchwelche seine Regierung sich auszeichnet, gehören die Verbesserung der Polizeiver-waltung; die Einrichtung einer Leggeanftalt im Lemgo, welche die im Lande ge-webte zum Verkauf bestimmte Leinwand aufnimmt, nach ihrer Güte ordnet, fürden Absatz aufbewahrt und bedürftigen Webern gegen geringe Zinsen Vorschüsseauf ihre Waaren gewährt ; die Verminderung einiger Abgaben und mehrer Anstal-ten zur Beförderung der Landescultur, wie unter andern die Verbesserung derPferdezucht. Der Staatshaushalt wurde nach den Grundsätzen besonnener Spar-samkeit geordnet, aber bei beschränkten Mitteln viel zur Befriedigung wesentlicherZeitfoderungen gethan, und z. B. außer der Erhöhung der Gehalte der Staats-diener, durch Zuschüsse aus den Staatscassen bewirkt, daß keine Pfarrerstelle un-ter 425 Thaler Einkünfte hatte. Nicht minder wohlthätig war die Anordnung,nach welcher überall, wo es an einem eignen Kirchenfonds mangelte, für die Be-friedigung der Bedürfnisse der Kirchen und Schulen eine Abgabe eingeführt wurde,zu welcher sammtliche Pfarrgenossen nach dem Werth ihrer Hauser beitragen muß-ten. Detmold verdankt dem Fürsten, außer mehren Verschönerungen, eine 1823gegründete öffentliche Bibliothek, die aus einigen Büchersammlungen gebildetward, und der benachbarte Badeort Meinberg wurde durch die auf seine Kosten ge-machten Anlagen sehr in Aufnahme gebracht.
Leopold (Johann Joseph Franz Ferdinand Karl), Großherzog von Tos-cana, ward am 3. Oct. 1797 zu Florenz geboren, der zweite Sohn des Großher-zogs Ferdinand III. In zarter Jugend mußte er die schöne Heimath verlassen, alssein Vater, 1799 durch Frankreichs Heere verdrängt, sich nach Wien begab, und ehedieser für das im luneviller Frieden abgetretene Stammland das verweltlichte Erz-bisthum Salzburg als Kurfürst in Besitz genommen hatte, verlor der Prinz 1802seine Mutter, Luise Amalie, Tochter Ferdinands I. von Neapel. Auch in Salz-burg brachte er nur wenige Jahre zu, da die neuen Besitzungen seines Hauses impresburger Frieden 1805 an Ostreich und Baiern abgetreten wurden und sein Va-ter dagegen das Fürstenthum Würzburg erhielt, das als Großherzogthum demRheinbund angehörte. Sorgfältig gebildet und mit der vaterlandischen wie mitder deutschen Literatur vertraut, kam der Prinz 1814 nach Florenz zurück, ver-mahlte sich 1817 mit der Prinzessin Maria Anna, Tochter des Prinzen Maximi-lian von Sachsen, und folgte am 17. Jun. 1824 seinem Vater in der Regierung.Die weisen Verwallungsgrundsätze seines Großvaters, Leopolds I., hatten Toscanazu einem der blühendsten Lander Italiens gemacht, wo auch Wissenschaft und
*) „Zeitgenossen", zweite Reibe, Nr. 6.