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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
869
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Leopold (König der Belgier)

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schen Frage (s. d.) Belgien nicht anerkennen. Am engsten ward die Verbin-dung mit Frankreich geschlossen. In den letzten Tagendes Mais 1832 fand eineZusammenkunft des Königs L. mit dem Könige der Franzosen zu Compiegne statt,wo die Vermahlung L.'s mit der ältesten Tochter Ludwig Philipps, Louise, verabre-det wurde. „Diese Verbindung", sagte der „IVIoniteur bel^e" vom3. Iun., „wirddie Bande der beiden Machte durch die Allianz der beiden Dynastien befestigen."

Am 9. Aug. feierte der König seine Vermahlung mit der Prinzessin Louise(geboren zu Palermo am 3. April 18 t2) zu Compiegne. Der Bischof vonMeaux vollzog die Trauung nach dem römischen Ritual in der Schloßcapelle, weilder Erzbischof von Paris, wie behauptet wird, dieselbe, da die Ehe eine gemischtewar, weder in der Hauptkirche zu Paris noch sonst in einer Pfarrkirche gestattenwollte. Hierauf folgte die Trauung nach dem evangelischen Ritus durch den Pa-stor der evangelisch-lutherischen Kirche, Göpp, der von Paris nach Compiegne ge-kommen war, in einem Saale des Schlosses. *) Als Brautschatz soll der Königinder Belgier eine Million Francs zugesichert worden sein. Die junge Königinward in Belgien mit allgemeiner Huldigung sehr festlich empfangen, und alle Höfebeantworteten die amtliche Anzeige von dieser Vermahlung; nur der Ministerdes Königs von Holland lehnte die Annahme des Notisicationsschreibens ab,weil der Prinz von Koburg vom Könige Wilhelm noch nicht als König der Bel-gier anerkannt worden sei. Seitdem haben zwar Großbritannien und Frank-reich am 22. Oct. 1832 sich verbunden, um die holländisch belgische Frage, nachder Grundlage der 24 Artikel, mit Gewalt zu entscheiden, und eine französischeArmee hat in Folge des Vertrags zwischen Frankreich und Belgien vom 10. Nov.18Z2 die Citadelle von Antwerpen am 24. Dec. erobert; allein nach dem Rück-züge des Heers ist der diplomatische Streit der Entscheidung nicht näher gerückt.Dies Alles mußte die Stellung des Königs L. seinem Volke und dem belgischenCongresse gegenüber nur um so schwieriger und verwickelter machen. Sein Mini-sterium verlor die Mehrheit in den Kammern und dankte ab. Nach vergeblichenVersuchen, ein neues zu bilden, sah sich der König genöthigt, den Ministern derJustiz, Raikem, des Innern, Meulenaere, und des Auswärtigen, Lebeau, ihrAmt wieder zu übertragen. Kriegsminister blieb der französische General Evain,und Finanzminister wurde an Coghen's Stelle Duvivicr. In dieser dornenvollenLage zeigt der König Ruhe, Muth, Festigkeit und eine würdige Haltung. Durchdringende Vorstellungen an den König der Franzosen und durch directe Unterhand-lungen mit den Mächten, die ihn zur Annahme der belgischen Krone bewogen ha-ben, sucht er die Ausgleichung Belgiens mit Holland zu beschleunigen. Hat aberder König von Holland ein Recht, sich über den Gang der londoner Conferenz-politik zu beschweren, so hat es gewiß der König L. noch weit mehr, weil er diesesLabyrinth, in das ihn der Wille der fünf Mächte geführt, nicht voraussehen konnte.An Kraft zu regieren fehlt es ihm so wenig als an Einsicht und Thätigkeit. AlleUnterhandlungen werden von ihm selbst bearbeitet; jede Staatsangelegenheit gehtdurch seine Hände. Jedes Talent, jedes vom Publicum anerkannte Verdienst er-regt seine Aufmerksamkeit. Er liebt die Musik, und ist selbst Musiker. So ist die-ser deutsche, von Europa hochgeachtete Fürst seines hohen Berufs vollkommen wür-dig, und die Kammern konnten dem Verdienstorden, welcher auf den Vorschlag derRegierung im Iul. 1832 gestiftet wurde, keinen schicklichem Namen geben, alsden des Leopoldordens. (7)

*) Beide Kirchen, die katholische und die protestantische, wurden mit gleicherAchtung berücksichtigt. Man sehe den Bericht in der Zeitschrift: „1.« ?rotestant"(Paris 1882, Aug.). Der ,,^mi la reüßion" berichtet über die römische (Zere-monie. Der Prälat verkündete vor der Trauung zuerst die von Rom erhalteneDispens, welche von dem Erzbischof von Paris visirt war, und die von diesem Prä-laten sowie von dem Ordinarius der Diöccs bewilligte Erlaubniß,

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