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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
868
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868 Leopold (König der Belgier)

zu bestimmen, den Thron, den Sie mir angeboten, nicht anzunehmen. Jetzt,wo er wissen muß, daß meine Annahme erfolgt ist, haben wir Grund zu glauben,daß er seine Gesinnung ändern werde Die Räumung der Citadelle von Ant-werpen ist zur Wiederherstellung des Wohlstandes und der Sicherheit von Ant-werpen durchaus nöthig. Doch wir haben Grund zu hoffen, daß diese Räumungunverzüglich stattfinden werde." So wenig aber der König sowie die ConferenzHolland und dessen König kannte, um so gründlicher erkannte er die Interessen undBedürfnisse jeder belgischen Provinz und Stadt. Allein die ungewisse Lage desStaats hemmte fast jeden Schritt der neuen Regierung und nur selten gelang esder Einsicht und der Thatigkeit des Königs, im Einzelnen Abhülfe und Unter-stützung zu gewähren.

Das Unerwartetste geschah, als der Prinz von Oranien mit Waffengewalt ein-brach, um den ohne Hollands Zustimmung aufgerichteten Thron umzustürzen oderBelgien wenigstens zur Annahme der in der Anlage^zum 12. Protokolle enthalte-nen Bedingungen einer Trennung zu zwingen. Fünf große Mächte waren dem Kö-nige L. Bürgen gewesen, daß Holland den Waffenstillstand halten werde, und dochüberschritt der Feind am 2. Aug. die Grenze. Der König rief sofort die Unter-stützung Frankreichs und Englands auf; er selbst begab sich zuerst nach Antwer-pen, wo der französische Gesandte am belgischen Hofe, General Belliard, denholländischen Befehlshaber der Citadelle, General Baron Chasse, vermochte, dieBefehle seines Königs zu erwarten, ehe er Feindseligkeiten gegen die Handelsstadtunternähme. Die belgische Armee aber, an deren Spitze der König L. stand, ge-rieth durch die in dem Armeecorps des Generals Daine an der Maas am 7. und 8.entstandene Verwirrung und Auflösung in eine so gefährliche Lage, daß sie nachdem Siege des Prinzen von Oranien am 12. bei Löwen ohne die schnelle Ankunftdes französischen Hülfsheeres, der Nordarmee unter dem Marschall Gerard, am9. und 10. Aug., und die Erklärung der londoner Conferenz vom 5. Aug., welcheWaffenruhe gebot, verloren gewesen, und Brüssel, von welcher Stadt der KönigL. bereits abgeschnitten war, von dem Prinzen von Oranien erobert worden wäre.Ein Waffenstillstand ward geschlossen, und die holländische Armee zog sich am13. Aug. über die Grenze zurück. L. handelte in dieser kritischen Lage ebenso tapferund kriegskundig als besonnen und staatsklug; sein Heer aber und die Nationtheilten diesen Ruhm nicht mit ihm. Es war daher sein erstes Geschäft, das Heerdes „ewig neutralen" Belgiens zu verstärken und mit Hülfe französischer Offizierezu organisiren, sowie auf die Intervention des benachbarten Frankreichs, obgleichdies den Grundsatz der Nichtintervention proclamirt hatte, sich fortwährend zustützen. Die Diplomatie nannte dies jedsch eine Zwangsmaßregel zur Vollziehungder Conferenzbeschlüsse. Wie nun die londoner Conferenz eine neue Grund-lage des Friedensvertrags zwischen Belgien und Holland in 24 Artikeln am 15.Nov. 1831 zu Stande brachte, Hollands Zustimmung aber nicht erlangen konn-te, dies wird im Artikel Niederlande erzahlt werden. In dieser Zeit wardie förmliche Anerkennung des Prinzen L. als König der Belgier von Seiten derlondoner Conferenz am 12. Nov. erfolgt; Ostreich, Preußen und Rußland ertheil-len jedoch erst im April 1832 und nur mit Vorbehalt den 24 Artikeln ihre Ratifi-cation, welche hierauf zu London am 4. Mai 1832 mit der belgischen ausgewech-selt wurde. Unterdessen war die belgische Regierung bereits mit den amerikanischenStaaten im Jan. 1832 und in den folgenden Monaten in diplomatische Verbin-dung getreten. Die Anerkennung L.'s als König der Belgier an den italienischenHöfen erfolgte schon im März und April 1832; allein erst im Aug. und im Sept.wurden seine Gesandten in Wien und in Berlin in feierlicher Audienz empfangen.In St.-Petersburg ist bis jetzt noch kein belgischer Gesandter accreditirt, und dieSouverains des deutschen Bundes wollen vor Entscheidung der luxemburgi-