Leopold (König der Belgier) 867
wo sie von ihm am 12. empfangen wurde, und am 16. Iul. verließ L. sein zweitesVaterland, um in das dritte einzuziehen. Vorher hatte er am 16. an den LordGrey ein Schreiben erlassen, welches unter Anderm Folgendes enthielt: „Als Sou-verän von Belgien ist es nicht meine Absicht, aus England irgend einen Thcil desEinkommens (56,060 Pfund Sterling) zu beziehen, das mir zur Zeit meiner Ver-mahlung durch Parlamentsacte festgesetzt worden ist. Sobald ich daher die Be-zahlung der Geldverbindlichkeiten und ausstehenden Schulden bewirkt haben werde,ist es meine Absicht, das ganze Jahrgehalt, das ich von diesem Lande beziehe, denHänden von Curatoren zu folgenden Zwecken zu übergeben: das Haus, die Gar-ten und den Park von Claremont in vollkommen wohnlichem Zustande zu erhalten,ferner alle Gehalte, Pensionen und Gnadengeschenke an diejenigen Personen aus-zuzahlen, die wegen ihrer treuen Dienste während meines Aufenthaltes in diesemLande Ansprüche an mich haben, und die jahrlichen, von der Prinzessin Charlotteoder von mir selbst bewilligten Beiträge und milde Gaben an wohlthätige Instituteauch künftig zu entrichten. Nachdem all Dieses erfüllt ist, soll der Überrest in diebritische Schatzkammer zurückgezahlt werden." Überdies gab der Prinz seine Ent-lassung ein als Oberster des fünften Gardedragonerregiments, wovon er den Ge-halt seit 15 Jahren bezogen hatte.
Der Prinz reiste über Calais nach Ostende; am 17. wurde er an der Grenzevon einer belgischen Commission im Namen des Regenten empfangen; von denbelgischen Deputirten und von Stockmar, seinem Adjutanten, begleitet, zog er inOstende, Brügge und Gent unter den Huldigungen der Bewohner ein. Spät amAbend des 19. langte er im Schlosse von Laeken an, und am 21. Iul. um dieMittagsstunde fand die feierliche Einsetzung statt, nachdem L. auf dem schönenMarktplatze von Brüssel nach alter Sitte unter freiem Himmel die von Vi-lain Xllll vorgelesene Constitution mit folgenden Worten beschworen hatte: „Ichschwöre die Constitution und das Gesetz des belgischen Volkes zu beobachten, dieUnabhängigkeit der Nation und die Integrität des Gebiets zu handhaben." *)Der König unterzeichnete hierauf das Protokoll der Eidesleistung, nahm auf demThrone Platz und hielt eine Rede an die Versammlung, in welcher er unter An-derm sagte: „Belgier, durch Eure Adoption werde ich es mir zum Gesetze machen,in meiner Politik stets Belgier zu bleiben. In dem Theile des französischen Ge-biets, den ich auf meiner Reise berührte, bin ich ebenfalls mit einem außerordent-lichen Wohlwollen aufgenommen worden, und in diesen Äußerungen, auf die icheinen großen Werth lege, habe ich das glückliche Vorzeichen vertrauungsvoller undfreundschaftlicher Verhältnisse, die zwischen den beiden Ländern bestehen müssen,zu sehen geglaubt." Das Volk bezeigte allgemein und laut die lebhafteste Freude.
Unter welchen Schwierigkeiten der König die Regierung eines in jeder Bezie-hung erschütterten und von innern wie von äußern Gefahren dedrohten Landesübernahm, ist in dem Artikel Belgien gezeigt worden. Alle bis jetzt (EndeMärz 183?) noch nicht ganz gelöste Streitfragen der endlichen Ausgleichung zwi-schen Belgien und Holland sind aus der Protestatio» im Haag, den 12. Iul., her-vorgegangen, durch welche der König Wilhelm die 18 Artikel verwarf, weil sie mitdem von ihm angenommenen Anhange zum 12. Protokolle und mit dem 11.und 12. Protokolle selbst nicht übereinstimmten, ungeachtet jener Anhang von derConferen; als unveränderliche Grundlage der Unterhandlungen hingestellt wordenwar. Zwar äußerte der König L. gegen die Mitglieder des Congresses am 22. Iul.:„Der König von Holland hat freilich bisher einige Schwierigkeiten gemacht, sichwit uns auszugleichen; aber ich vermuthe, daß er bloß so gehandelt hat, um mich
*) Diese Integrität umfaßte mit Luxemburg, Limburg und das rechte Schelde-ufcr, in'.vicsern eine spätere Übereinkunft in Folge der 13 Artikel die Gebietsab-grenzung nicht anders bestimmte.
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