Leopold (König der Belgier) L6ö
seiner Entsagung, „daß es nicht mit seiner Denkweise übereinstimme, sich denGriechen gegen ihren Willen aufdri.rgen zu lassen, da sie in der Meinung standen,daß die Grenzen ihres Staats zu beschrankt waren, und es nicht dulden wollten,daß ein Theil ihres Landes, den sie mit ihren Waffen vertheidigt hatten, den Tür-ken zurückgegeben würde; diese Veranstaltungen und de: Widerwille der Griechenentzögen ihm die Macht, die Souverainetät mit freudiger Zustimmung des Volkeszum Besten desselben auszuüben; der aus den Berichten des Präsidenten hervor-gehenden Sachlage zufolge habe man ihm nur die Stelle eines Abgeordneten derverbündeten Machte zugetheilt, der bestimmt sei, durch die Gewalt der Waffendie Griechen in Unterwerfung zu halten u. s. w." Ob nicht auch die geheime Un-zufriedenheit eines Hofes, dem in dem Prinzen L. Englands Wahl misfiel, undder den britischen Einfluß in Griechenland mit Eifersucht beobachtete, sowie die inEngland nach Georgs IV. Tode bevorstehende Veränderung auf den Entschlußdes Prinzen mit eingewirkt habe, läßt sich mit Gewißheit nicht behaupten. Wel-lington und Aberdeen waren über des Prinzen Entschluß sehr unwillig; dagegenerklarten sich Lord Durharn, GrafGrey und Lord Holland im Parlamente für denPrinzen beifällig. Jene Veränderung im britischen Regierungssystem trat nachGeorgs IV. Tode (26. Jun. 1830) ein, als das Wellington'sche Ministerium imNov. d. I. resignirte, und Lord Grey an die Spitze des neuen trat.
Prinz L lebte nun wieder in stiller Zurückgezogenheit aus seinem schönenLandsitze, bis ihn der Wunsch der Belgier auf ihren aus dem Abgrunde einer Re-volution emporgestiegenen Thron berief. König Ludwig Philipp hatte in Folgedes Beschlusses der londoner Conferenz (s. d.) die Wahl seines Sohnes,des Herzogs von Nemours, zum Könige der Belgier (Febr. 1831) abgelehnt, undebenso war der Herzog von Leuchtenberg durch das londoner Protokoll vom 1. Febr.von dem belgischen Throne ausgeschlossen worden; dagegen hatte Ludwig Philippgewünscht, daß der Bruder des Königs von Neapel gewählt werden möchte. Alleinder belgische constituirende Congreß beschloß einen Regenten zu wählen, welcher die! Constitution in Kraft setzen und das Provisorium in einen festen Zustand verwan-I dein sollte. Hierauf wurde der bisherige Präsident des Congresses, Surlet de Cho-kier, als Regent am 25. Febr. 1830 eingesetzt, welcher mit Genehmigung desam 29. März eröffneten Congresses, eine Deputation von vier Congceßmitglie-dern (Graf F. de Merode, Hippolyt Vilain XIIII, Abbe de Foere und de Brouckere)am 17. April nach London sandte, um die Gesinnungen des Prinzen L. für denFall, daß ihm die Krone angetragen würde, zu erforschen. In der Stellung, inwelcher der Prinz Hch der britischen Regierung und dem Parlamente gegenüber be-fand, mußte er wol auf die Wünsche der londoner Conferenz, des britischen Mini-steriums und der belgischen Nation eingehen; doch konnte er seinen Entschluß nichterklären, bevor nicht Belgien als Staat förmlich anerkannt und seine Wahl.aus-gesprochen war. Als nun in Brüssel (am 25. Mai) die Nachricht eintraf, daß diebelgische Flagge in den britischen Häfen zugelassen werden, und daß Belgien dieAbtretung von Luremburg gegen eine Entschädigung erhalten solle, so gab es zwarim Congresse noch über die Kriegsfrage sehr stürmische Debatten; indeß ward dochMetz: auf den Vorschlag von 78 Deputirten am 4. Zun, zur Königswahl geschrit-ten. Der Minister Lebeau sprach am kräftigsten für die Wahl des Prinzen. Von^99 Repräsentanten waren 196 anwesend; 19 derselben enthielten sich der Ab-stimmung; 10 waren gegen eine Königswahl; 14 für Surlet de Chokier; einStimmzettel war unzulässig. Als darauf der Präsident des Congresses, Ger-lache, die Wahl des Prinzen unter der Bedingung, daß er die Verfassung so an-nehme, wie sie vom Nationalcongreß decretirt worden, verkündigte, ließ sich keinBcifallrufen hören. Der Präsident und neun Mitglieder wurden nun als Depu-tation nach London gesandt, um dem Prinzen das Wahldecret zu überbringen.
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