Leopold (Grossherzog von Baden)
861
id-B >
endlich in völlige Apathie überging. L. wurde von derselben Krankheit befal-len, und sein Gesicht, immer schwach, erblindete 1822 völlig. Erstarb im Nov.1829, wenige Monate nach dem Tode seiner Frau. Die schwedische Akademielegte Trauer an und beschloß, ihm ein Denkmal zu errichten. Noch vor seinemTode gab er drei Bande seiner gesammelten Schriften heraus, welchen 1831 dervierte folgte mrd zwei Bande noch folgen werden. L. nahm vorzüglich Voltaireund Pope zu Vorbildern. Mit Ausnahme des Epos hat er sich fast in allen Dich-tungsarten versucht und Alles geleistet, was nach den Ansichten seiner Schule ei-nen großen Dichter macht. In seinen frühern Iahren war L. ein AnhängerLocke's, spater studirte er Kant und Schölling, aber wahrend Jener ihn nicht be-friedigte, konnte er Diesen wenig begreifen. Er schrieb gegen Beide und stellte eineignes Spstem auf, dessen Grundlage das Gefühl war und das den ersten Theilseiner nachgelassenen Schriften bildet. Ehrenström weihte seinem Andenken eine„lMice bloFrnxkitine", Pontin hielt ihm eine Lobrede in der Akademie derWissenschaften, Grubbe in der schwedischen Akademie, doch sind alle diese Schrif-ten zu panegyrisch. (6)
Leopold (Karl L. Friedrich), Großherzog von Baden, ist geboren denL9. Aug. 179t) zu Karlsruhe und der älteste Sohn des Großherzogs Karl Fried-rich aus dessen zweiter Ehe mit der Reichsgrasin von Hochberg. Von Anfang ohneAussicht auf den Thron, für den die ältere Linie noch so viele Erben bereit zu haltenschien, genoß L. bei seiner Erziehung den Vortheil, dem unverfälschten Bilde deswirklichen Lebens weniger entfremdet und fern gehalten zu werden, wie er denn alsGraf von Hochberg mitten unter seinen akademischen Mitbürgern in Heidelbergßudirte, und sein Gemüth erhielt sich so jene Unbefangenheit und Offenheit für dieAuffassung des Thronverhältnisseß von der Volksseite, welche den im Purpur Ge-borenen so selten zugänglich wird, und wenn sie es ward, so schnell wieder verlorengcht. So gewann der Graf von Hochberg manche Anschauung des Lebens, welchedem Prinzen von Baden schwerlich zu Bereich gekommen wäre. Erst als die altereLinie zu erlöschen drohte, trat eine Bestimmung ins Leben, welche Karl Friedrichbei seiner zweiten Vermählung durch Urkunde vom 24. Nov. 1787 sich vorbehal-ten und am 19. Sept. 1896 unter agnatischem Beitritt zum Familienstatut er-hoben hatte, und in Folge derselben wurden durch öffentliche Deklaration vom 4.Ott. 1817 die Grafen von Hochberg zu großherzoglichen Pkinzen und Markgrafenvon Baden mit Beilegung des badischen Haustitels und Stammwappens erklart.Am 25. Jul. 1819, wenige Tage nach der Gewahrleistung dieses Erbfolgerechtsdurch die großen Mächte in Frankfurt, vermählte sich Markgraf L- mit SophieWilhelmine, Tochter Gustavs IV. von Schweden und einer badischen Prinzessin,eine Vermahlung, welche ihm die Quelle eines wahrhaft häuslichen Glückes wurde.Auch lebte er als Erbgroßherzog, durch den auf seine Gewalt eifersüchtigen Regentenvon aller Theilnahme an Regierungsgeschaften oder dem Einfluß auf dieselben ängst-lich fern gehalten, mit Vorliebe in dem Kreise seiner Familie, welcher schon vor 1839mitdrei Prinzen und einer Prinzessin gesegnet war. Der Tod desGroßherzogs Ludwigam 39. März 1839 rief L. auf den Thron seiner Väter. Mit überschwanglichem Ju-bel bewillkommt, trat er auch seinerseits einem so wohlwollenden Volke wohlwollendentgegen, entfernte nach und nach, wiewol mit rücksichtsvoller Pietät gegen das An-denken seines Vorjahrs, die der öffentlichen Meinung anstößigen Personen aus derUmgebung des Thrones und bezeichnete das System, welches seinefolgen sollte, durch die öffentliche und feierliche Betheurung, daß die Verfassungihm heilig sein werde. Eine Rundreise durch die Städte und Provinzen des Lan-des knüpfte das Band der gegenseitigen Anhänglichkeit noch fester, und die Folgender französischen Juliusrevolution, welche mitten in diese Zeit siel, trafen in Badenwcht auf jene feindseligen Gährungselemente, welche sich in andern Tbcilen von