858 Leonhard
fassung^und Charakteristik weltgeschichtlicher Perioden immer tief und originell.
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und leidet vielleicht nur hin und wieder daran, sich in gewissen Sonderbarkeiten-zu gefallen. L.'s neuestes Werk sistd die „Zwölf Bücher niederländischer Ge-schichten" (erster Theil, Halle 1832) erschienen. Diese ausgezeichnete Arbeit be-hauptet besonders durch die zum ersten Mal gegebene fleißige Ausammenstellungder Specialgeschichten der niederländischen Provinzen im Mittelalter einen eigen-thümlich-n W-tth,
Leonhard (Karl Cäsar von), Geheimrath und Professor an der Univer-sität zu Heidelberg, ward zu Rumpenheim bei Hanau, am 12. Sept. 1779 gebo-ren. Sein Vater, Johann Konrad, war Rath in Diensten des Landgrafen Karlzu Hessen. Durch Privatunterricht zur akademischen Lausbahn vorbereitet, bezoger 1797 die Universität Marburg, wo er das kameralistische Studium in der wei-testen Bedeutung des Wortes betrieb. Zur Vervollständigung seiner Ausbildungüberhaupt und seiner naturwissenschaftlichen Studien insbesondere, ging er noch:1799 nach Göttingen, wo Blumenbach einen vorzüglichen Einfluß auf seine Bil- '
dung ausübte und ihm namentlich jene Vorliebe für die mineralogischen Wissen-schaften einflößte, welche spater für sein ganzes Leben so bedeutsam geworden ist. .W,/Im Marz 1800 bestand L. rühmlich die gesetzmäßige Prüfung bei dem staats-wirtschaftlichen Institute zu Marburg, und erhielt in demselben Jahre eine An-stellung in Hanau als Assessor bei der Landcassen- und Steuerdirection. Neben Aseinen Berufsgeschästen strebte er fortwahrend nach weiterer Ausbildung in den »mineralogischen Wissenschaften, und unternahm auch zu diesem BeHufe 1803 eine zZschWwissenschaftliche Reise nach Sachsen und bereiste 1805 Franken, Baiern, Ostreich, jeck-MymwSalzburg und Schwaben. Mit dem Jahre 1805, der Epoche, welche sein Va-»",MHHterland unter französische Oberherrschaft brachte, änderte sich L.'s ganze Lebens-M kr >
weise. Wahrend ihm sein früheres Amt nur wenig Geschäfte aufgelegt und hin-
reichende Muße zu fast ungestörtem Verfolge seiner wissenschaftlichen Studien ge- ichit iPs Bchfflassen hatte, drohte ihn jetzt, bei dem Eintritte der fremden Verwaltung und aller MerMkMch!'!sie begleitenden Veränderungen, der Ernst des Dienstlebens zu umfassen. Gernwürde er aus diesem Grunde, sowie aus andern Ursachen, jedem Amtsverhältnisse ichss^MMt!entsagt haben, um ausschließend der Wissenschaft zu leben. Allein das ihm vonden obersten Landesbehörden zu Hanau bewiesene Vertrauen, die Anerkennung sei- Mml.'NW'mner Geschaftskenntniß und Sprachgewandtheit von Seiten der französischen Auto- ^ ^ritaten, die Hoffnung, manches Gute wirken zu können, und die Liebe zum Vater- ' 'lande fesselten ihn nicht nur an seinen Posten, sondern bestimmte ihn auch zur An-nahme anderer erledigter Ämter. So fand ihn der Großherzog von Frankfurt beider 1810, zufolge des pariser Vertrags, vollzogenen Übernahme des FürstenthumsHanau als Kammerrath. Dalberg ernannte ihn bei der Organisation des Groß-herzogthums zum Generalwspector der Domainen. Diese Stelle verwaltete er je-doch nur einige Monate, da er in Folge der, bei dem Liquidationsgeschafte zwi-schen Hanau und Frankreich erregten Unzufriedenheit der französischen Behörden,und der Verleumdung einiger, an strenge Geschäftsführung nicht gewöhntenaschaffenburger Finanzbeamten, schon in den ersten Tagen des Jahres 1811 inseiner Amtsführung suspendirt wurde. L. lebte nun zwei Jahre in ungestörterMuße seiner Wissenschaft. Allein Dalberg überzeugte sich später von dem Unrechte, ^welches L. zugefügt worden; er ernannte ihn 1812 zum Geheimrath, übertrugihm die Generalverwaltung der Octroidomainen und verlieh ihm 1813 den da- ^
mals gestifteten Concordienorden. Als nach der Schlacht bei Hanau die alte Ord- ^
nung der Dinge wiederkehrte, fand L- im Vaterlande keine, seinen bescheidenen Er« ^!i^.Wartungen entsprechende Abstellung. Dies bestimmte ihn 1814 um seine Ent-lassung aus kurhessischen Staatsdiensten zu bitten und 1815 eine ehrenvolle An-
stellung bei der königlichen Akademie der Wissenschaften zu München anzunehmen.
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