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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
856
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856 Leo

seiner eignen Familie einheimische Sage, daß dieselbe ursprünglich aus wälschemLande nach Mainz eingewandert sei, erweckten schon so früh in ihm dieLust am italieni-schen Wesen, daß er bereits in seinem neunten Jahre, ungeachtet man ihm keinenLehrer dafür gewahren wollte, auf seine eigne Hand Italienisch zu lernen ansing;und so schien sich darin sein künftiger Beruf, Geschichtschreiber Italiens zu werden,schon in der Vorahnung anzudeuten. Im Herbst 1816 verließ er das vaterlan-dische Gymnasium, um in Breslau Medicin zu studiren. Seine Reise dahin führteihn über Berlin, wo er Jahn kennen lernte, der nicht verfehlte, auch auf L. einensolchen Einfluß zu gewinnen, daß er plötzlich eine völlige Änderung seines Lebens-planum demselben bewirkte. In Breslau angekommen, hatte sich L. daher bereitsentschlossen Philologie zu studiren, Schulmann zu werden und für die sogenanntegute Sache auf die deutsche Jugend zu wirken. Er verließ jedoch schon im Som-mer 1817 Breslau wieder und reiste in Gesellschaft mit Wolfgang Menzel durchdas Riesengebirge nach Dresden, und von da allein nach Jena, wo er seine in Bres-lau begonnenen Studien besonders der historischen Seite der alten Literatur mit Ei-fer fortsetzte. Sein Aufenthalt in Jena wurde jedoch noch eines andern Umstandeswegen für ihn wichtig, indem er, schon früher mit Turnern befreundet, hier mitvielen der spater ruchbar gewordenen Demagogen in Verbindungen gerieth, auchwol entferntem Antheil an der Wartburgsfeier nahm und dadurch, sowie durchseinen nachmaligen Umgang mit Karl Follenius, den Grund zu einer spater nichtohne Nachtheil für ihn gebliebenen demagogischen Verdächtigung legte. In wis-senschaftlicher Hinsicht bedeutender wurde für ihn dort die Bekanntschaft Reisig's,der bald sein innigster Freund ward und zur höhern und richtigem Erfassung desvon L. nunmehr entschiedener ins Auge gefaßten Studimns der Geschichte sich ihmwesentlich nützlich erzeigte. Reisig bestimmte ihn nach Göttingen zu gehen, wohinsich L. Ostern 1819 begab, und wo er sich, außer den Vorlesungen von Hugo undEichhorn, und denen von Benecke über mittelhochdeutsche und englische Sprache, /vornehmlich mit der Geschichte des Mittelalters beschäftigte, deren Studium er sogründlich betrieb, daß er alle Quellenschriftsteller und Hülfswerke selbst zu lesen undzu excerpiren begann. Nachdem er darauf Göttingen wieder verlassen und in Jenaauf eine eingereichte Dissertation über den Johannes Grammaticus die philoso-phische Doctorwürde erhalten hatte, begab er sich 182t) nach Erlangen zu seinemFreunde G. von Tucher, und ließ sich theils freundschaftlicher Verbindungen wegen,theils weilSchelling dort wieder Vorlesungen halten wollte,bestimmen, daselbst zu ver-weilen. Um dieselbe Zeit hat er auch seine erste im Druck erschienene Scyrist:Überdie Verfassung der lombardischen Städte", ausgearbeitet, die er 1820 zu Rudolstadtherausgab, obwol er es bald bereute, dieselbe in ihrer fragmentarischen Gestalt zu über-eilt dem Drucke übergeben zu haben, da er die Fähigkeit in sich fühlte, Besseres leistenzu können. Seinen Plan, sich in Erlangen als Privatdocent niederzulassen, stelltensich jedoch sehr ungünstige Verhaltnisse in den Weg, da ihm auf sein Ansuchen da-rum die Erlaubniß erst verweigert, und dann nur mit der Weisung zugestandenwurde, daß er sich nie in Baiern Rechnung auf eine künftige Anstellung machendürfe. Untröstlich darüber, da er fürchtete, daß ihm dieselbe Ungunst, die er ausseiner damaligen demagogischen Verdächtigung herleiten zu müssen glaubte, auchauf andern Universitäten verfolgen werde, bestimmte er sich dock endlich selbst un-ter diesen aussichtslosen Verhältnissen zur Habilitation, in der Meinung, daß esihm anderwärts schon zur Empfehlung gereichen könne, einige Zeit ruhig in BaiernPrivatdocent gewesen zu sein. Au Michaelis 1822 begab er sich jedoch nach Ber-lin, in der Hoffnung, nun endlich bessern Aussichten entgegenzugehen, nachdem erzuvor seine AbhandlungÜber Odin's Verehrung in Deutschland" (Erlangen 1822)hatte drucken lassen, die zu seinen unbedeutendem Arbeiten gehört. In Berlinsuchte er sich zuerst in die dortigen Verhältnisse einzuführen und besuchte vornehm: