Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
851
Einzelbild herunterladen
 

Lelewel

85!

kl»

schau 1821);Sprach- und Verfassungsdenkmale von Polen und Masovien im13., 14. und 15. Jahrhundert" (Warschau 1824 ,4.). Dieses Werk gab L. vereintmit dem Professor Jgnaz Danilowicz heraus, der ebenfalls seines Amtes entfetztund spater nach Charkow berufen wurde. Es enthalt die ältesten früher noch unge-druckten Reichsstatuten und ist für Polens Geschichte von hoher Wichtigkeit.L.'s Umarbeitung derGeschichte des polnischen Reichs" von Theodor Waga, mitder Periode Stanislaus August Poniatowski's vermehrt, erschien 1824 zu War-schau.Kritische Bücherschau über alle die polnische Geschichte der altern undneuern Zeit betreffende Werke";Ältere polnische Bibliographie" (2 Bde.,Warschau 1823 26). Diese Fundgrube der Nationalliteratur der Polen istdurch treffende Bemerkungen über die Bibliotheken und Druckereien seines Va-terlandes und eine Kritik der Schriften I. S. Bandtkie's über die Geschichteder krakauischen Buchdruckerkunst und der Universitätsbibliothek bereichert.In Michael Podczaszynski's und Moritz Mochnacki's trefflichemJournal fürWissenschaft und Kunst" (Warschau 182526) lieferte L. Abhandlungen überdie zu Trzebun in der Woiwodschaft Plock gefundenen alten Münzen, mit scharfsin-nigen Bemerkungen über englische, deutsche und böhmische Münzkunde im Mittel-alter.Die Geschichte mit ihren Zweigen als Bildnerin der Menschheit" (eine1826 zu Wilna gekrönte Preisschrift);Polens E.Haltung unter Wladislaw demZwerge" (1826);Von der Gesetzgebung in Polen und Lithauen" (auch in derIdewis äe viuielles", 1827);Edda, oder die Religion der alten Skandina-vier" (Warschau 1827);Die russisch-polnische Diplomatie seit dem 13. bis17. Jahrhundert" (1827). Aus dem noch ungedruckten Original L.'s übersetzteDrakeGeschichte Polens unter Stanislaus August" (Braunschweig 1831).

L.'s politische Wirksamkeit begann mit dem 30. Nov. 1830. Nachdem erlange vorher vertraute Jünglinge insgeheim um sich versammelt hatte, trater plötzlich an der Spitze der patriotischen Gesellschaft aus seiner Einsamkeit hervor.Aber der Mann der rastlosen literarischen Thatigkeit war nicht der Mann der öf-fentlichen Energie. Wahrend er den glühenden Durst nach Unabhängigkeit inseiner Seele ängstlich abwog, prüfte, sichtete, handelten die unüberlegten Jüng-linge der Universität und der Militairschule; doch blieb er der Mittelpunkt, von wel-chem anfangs alle Kraftäußerungen wie Radien ausgingen. Dies wußte Lubecki,als er gleich im Beginn des Aufstandes, um dadurch die Revolution im Zaumezu halten, L. zu allen öffentlichen Geschäften zog. Als der noch hinter den Bar-rieren von Warschau aufgestellte Cäsarewitsch die Foderungen der Nation zu ken-nen und einen Vergleich zu treffen wünschte, war auch L. unter Ven Abgeordneten,die ihm den Wunsch des Volkes vorlegen sollten: daß die Constitution des Reichsin ihrem ganzen Umfange aufrecht erhalten und das frühere Versprechen des Kai-sers erfüllt werden sollte, alle von Rußland erworbenen Provinzen deS alten Kö-nigreichs Polen wieder mit demselben zu vereinigen. Nachdem der Administrations-rath zur Leitung der Geschäfte des Augenblicks eine Vollziehungsbehörde einzusetzenbeschlossen hatte, war L. wieder einer der Ersten, den man seiner Volksgunst undseiner Kenntnisse wegen zu diesem Posten berief. Den Vorsitz im patriotischen Ver-eine mußte der mit Geschäften überladene Mann an Xaver Bronikowski abtreten.Doch wurden auf L.'s Vorschlag vier Mitglieder des Clubs von der vollziehendenGewalt eingeladen, an ihren Berathungen Theil zu nehmen, wozu Bronikowski,Machnicki, Plichta und Mochnacki gezogen wurden. Der Administrationsrath sahbald ein, daß er wegen seiner Unpopularität das Königreich nicht länger regierenkönne, legte die höchste Militairgewalt in die Hände eines Dictators und setzte eineVollziehungsbehörde unter dem NamenProvisorische Regierung" nieder, die ausCzartoryski, Pac, Kochanowski, Dembowski, Niemcewicz, Ladislaus Ostrowskiund L. bestand. Das allgemeine Ausschreiben zur Reichstagsversammlung (auf

54*