844
Lebensverstcherungsanstalten
Kränkliche ausgeschlossen sind, wie es bei den Versicherungsanstalten der Fall istso muß das wirkliche Verhaltniß der Sterblichkeit unter den Versicherten weit ge-ringer als die Durchschnittangaben sein, die aus der Übersicht der gesummten Be-völkerung gezogen sind. Auf diesen Umstand sich berufend, hat man in Englandhäusig Beschwerde geführt, daß die, von den meisten dortigen Versicherungsanstal-ten gefoderten Prämien höher sind, als sie sein sollten, da die Überschreitung desrichtigen Verhältnisses gewöhnlich über 30 Procent beträgt, und aus diesen hohenBeitragsätzen, wie aus dem Gewinn der Zinsen des aufgehäuften Capitals und derverfallenen Policen, fließen die unermeßlichen Vortheile einiger Versicherungs-gesellschaften in England, wie Professor Babbage in Cambridge in seiner interes-santen Schrift: ,A compewative vien of tke vurio,i8 institutions fcir tbe assur-»nce ok lives" (London 1826), dargethan hat. Er hält die in Northampton ent-worfenen Sterblichkeitstabellen, welche 14 Anstalten in England zur Richtschnurdienen, für irrig, und fodert, daß man nach den Todesfällen unter einer großen An-zahl von Personen aus den höhern Volksclasscn das Sterblichkeitsverhältniß be-rechnen sollte, wozu die Register der englischen Gesellschaften selbst die Grundlagenliefern könnten. Unter den obwaltenden Umstanden erwächst aus den hohen Prä-mien der englischen Anstalten in wenigen Jahren ein bedeutender Capitalüberschußüber den Betrag der zu tilgenden Ansprüche. Babbage gibt ein Beispiel, aus wel-chem sich das günstige Verhaltniß ersehen laßt. Die Gesellschaft bestehe aus 1000Mitgliedern, deren jedes, mit dem zwanzigsten Lebensjahre eintretend, jahrlich 1 Pf.Sterling 94 Schilling bezahlt, um auf den Todesfall 100 Pf. Sterling zu gewin-nen. Die Prämien betragen am Ende des ersten Jahres nebst Ainsenzuwachs1468 Pf. Nach Abzug der Zahlungen für sechs Todesfalle als Durchschnittzahl,bleiben 868 Pf. als Überschuß. Im zweiten Jahre steigt durch 994 Prämien jeneSumme auf 2334 Pf. ohne die Zinsen, und es werden nach Abzug der Versiche-rungssummen 1804 Pf. Überschuß bleiben. Dieses Capital wird wahrend einerReihe von Jahren wachsen; bis endlich die, von der verminderten Zahl der Bei-tragpflichtigen gezahlten Prämien gerade hinreichen, die jährlichen Ansprüche zubefriedigen. Ist das jahrliche Einkommen endlich unzulänglich geworden, so mußein Theil des Capitals verwendet werden, bis nach einer Reihe von Jahren dieÜberreste des Fonds gerade hinreichend sind, den letzten Anspruch zu befriedigen.Wenn nun aber in jenem Beispiele die jahrliche Prämie jedes der 1000 Versicher-ten ein Drittheil mehr, oder 1 Pf. 19 Schillinge betragen hätte, was weniger istals die meisten englischen Versicherungsgesellschaften jetzt verlangen, da die Lyuit-ub!e Society für die angenommene Alterftufe 2 Pfund 34 Schilling nimmt, sowürde der Verein, außer der oben berechneten Summe, im zweiten Jahre noch1007 Pfund besitzen und der Fonds bis zur Befriedigung des letzten Anspruchssteigen, sodaß nach der Auflösung der Gesellschaft ein großes unbenutztes Capitalübrig bliebe.
Die englischen Lebensversicherungsgesellschaften zerfallen in drei Elasten.Zur ersten Classe gehören diejenigen, in welcher alle Versicherten für die ganzeLebzeit gegenseitig verantwortlich sind; sie haben alle Theil an dem Gewinn, undmüssen die Ansprüche befriedigen, welche an sie gemacht werden, einen Verlust odereinen Mangel an Vermögen zu ersetzen. Diese Verantwortlichkeit ist jedoch bloßnominell, da aus den oben angegebenen Gründen ein bedeutender Überschuß sich bil-den muß. Diese Vereine haben nicht nöthig, mit einem Capital anzufangen, dasie auf die jährlichen Einnahmen rechnen können, welche in den öffentlichen Fondsangelegt werden, lange vorher ehe große Ansprüche zu befriedigen sind. Zu dieserClasse gehören z. B. die L^uitable und die /emicuble «nciet^. Die zweiteClasse bilden die Gesellschaften, deren Mitglieder ein Capital unter sich aufbringen,als Bürgschaft für alle Policen, die sie ausgeben. Sicherheit der Versicherten und
'iiiN.