838
Langcnbeck
Langenbeck (Konrad Johann Mariin), Hofrath und Professor der Anato-mie und Chirurgie zu Göttingen und Generalchirurgus der hanöverischen Armee, ei-ner der verdientestenAnatomcn und zugleich einer der größten chirurgischenOperateursin Deutschland, durch mündliche Vorträge und praktische Kunst eine Zierde derGeorgia Augusta. Er ward am 5. Dec. 1776 zu Horneburg im Bremischen ge-boren, wo sein Vater Pastor war und ihn in den Vorbereitungswissenschaften un-terrichtete. Darauf studirte er zu Jena von 1794 — 97, promovirte daselbst1798, ging alsdann nach Wien, wo er acht Monate lang die praktischen Vorle-sungen der Klinik unter Peter Frank und der Geburtshülse, Anatomie, Chirurgieund Augenheilkunde benutzte. Nachdem er darauf ein Jahr lang in seiner Vater-stadt besonders als Augenarzt mit Glück prakticirt hatte, wurde er durch königlicheUnterstützung in den Stand gesetzt, eine neue Reise zu seiner wissenschaftlichenAusbil-dung zu unternehmen. Er ging Ende 1799 nach Würzburg und übte sich dort bisAnfang 1891 unter Siebold im Zergliedern und Operiren; dann ging er noch-mals nach Wien, um unter Beer und Frank seine Ausbildung fortzusetzen. Hier-auf kehrte er nach Würzburg auf ein halbes Jahr zurück und schrieb seine Abhand-lung : „Über eine einfache und sichere Methode des Steinschnitts" (Würzburg1802). Nach seiner Rückkehr ins Vaterland erhielt er 1802 eine Anstellung alsPrioatlehrer und Wundarzt des akademischen Hospitals in Göttingen, welche sei-nem Wunsche, die Anatomie in Verbindung mit Chirurgie und Augenheilkundetheoretisch und praktisch betreiben zu können, sehr entsprach. Im Winter 1801erhielt er die Erlaubniß, anatomische Vorlesungen zu halten, und von da an bauteer dieses Feld als Lehrer mit großem Eifer und Beifall aus. Er ward 1804 au-ßerordentlicher Professor; 1807 errichtete er mit königlicher Unterstützung das kli-nische Institut für Chirurgie und Augenheilkunde, welches jetzt in einem mit seinerWohnung in Verbindung siehenden Hause bis gegen 300 Kranke jahrlich auf-nimmt. Zum ordentlichen Professor der Anatomie und Chirurgie ward er 1814ernannt und in demselben Jahre auch zum Generalchirurgus der hanöverischenArmee, in welcher Eigenschaft er sich auch indem Kriegsjahre 1815 zu Antwerpenund Brüsiel aufhielt. Die Liebe zu seinem, durch rastlosen Fleiß erweiterten unvbelohnenden Wirkungskreis in Göttingen erhielt ihn dieser Universität, ungeachtetmancher vortheilhaften Anträge vom Auslande. Die Regierung, welche die vonihm zum Vortheil seiner Wissenschaft getroffenen Anstalten gern unterstützte, ließauch 1828—29 seinen Wünschen gemäß ein neues anatomisches Theater er-bauen, welches allen Anfoderungen der Zweckmäßigkeit und Schönheit entspricht,und welches L. in einem besondern lateinischen Programm beschrieben hat. Hiek ister mit ganzer Seele, umgeben von Hunderten lernbegieriger und durch ihn begei-sterter Schüler, den größten Theil des Tages über wirksam. Die Regierung er-nannte ihn 1816 zum Hofrath und 1818 zum Ritter des Guelphenordens. SeinLeben ist g.anz seiner Wissenschaft, die er mit kräftiger Begeisterung zu preisenpflegt, gewidmet, und durch Familienglück verschönt. Wie umfassend und rast-los seine Thätigkeit ist, läßt sich schon daraus erkennen, daß er nicht nur injedem Semester mehre Stunden des Tages zu Vorlesungen über Anatomie unddie gesammte Chirurgie sowie zu praktischen Übungen in diesen Fächern anwen-det, sondern auch wichtige Schriften verfaßt und seine reichen Entdeckungen in tnrChirurgie und Augenheilkunde darin vorgetragen hat. Hierher gehört nament-lich sein „Anatomisches Handbuch" (Göttingen 1806), ferner die von ihm her-ausgegebene „Bibliothek für die Chirurgie und Ophthalmologie", welche er von1806 sn und von 1818 an in einer neuen Folge in Göttingen herausgegebenhat; die „Prüfung der Keratonyxis" (Göttingen 1811); der „Oommentunus<ie structur» peritonaei etc." (Göttingen 1817); „Abhandlung von den Leisten-und Schenkelbrüchen" (Göttingen 1821); seine „Nosologie und Therapie der
F. .
»I!G