Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
830
Einzelbild herunterladen
 

830

Landwirthschaftlick e Lehranstalten

Beispiel eines förmlich cassirten Landesgesetzts, wegen Unverträglichkeit mit denBundesbeschlüssen. Es fällt in die Augen, daß auch dabei eine wichtige staats-rechtliche Frage zur Sprache kommt. Konnte die Regierung zurücknehmen, dasGesetz unbedingt für unwirksam erklären, oder hatte sie vielleicht dasselbe nur, solange die Bundestagsbeschlüsse bestehen, suspendiren sollen? Es wird nicht fehlen,daß diese und ahnliche Fragen noch in vielfachen Beziehungen die Landstande be-schäftigen werden, und es ist mit großer Wahrscheinlichkeit vorauszusehen, daß esdarüber lebhafte Diskussionen geben wird. In Würtemberg ist freilich der Antragdes Abgeordneten Pfizer, die Verhaltnisse des Staats zum deutschen Bunde be-treffend, durch ein königliches Reskript zurückgewiesen worden und hat in seinenFolgen zur Auflösung der Standeversammlung geführt; allein solche Zurückweisun-gen werden nicht immer anwendbar sein, indem andere Diskussionen sich dadurchnicht beseitigen lassen. Und so möchte denn die Bedeutsamkeit der Landstande nurnoch im Steigen begriffen sein. (3)

Landwirth schaftliche Lehranstalten. Sie sind ein Produkt derneuern Zeit, wo man erst die Wichtigkeit einer wissenschaftlichen Vorbildung beiallen Gewerben erkannt hat, und junge Leute aus den gebildeten Ständen sich mitLiebe der Landwirthschast gewidmet haben. In früherer Zeit, wo man bloß diemechanischen Beschäftigungen des Ackerbaus zu ihrem Betriebe für nothwendigerachtete und in dem Wahne stand, daß keine Geistesbildung dazu gehöre, daß selbstder einfaltigste, zu keinem andern Geschäft taugliche Mensch, wenn er nur denPfiug dirigiren, den Mistwagen leiten und allenfalls die Aufsicht über rohe Ar-deiter führen lerne, doch noch zum Landwirth, gemeiniglich Ökonom genannt, fä-hig sei, konnte die Idee zu einer Lehranstalt für die wissenschaftliche Erlernung derLandwirthschast freilich nicht entstehen. Zu der Überzeugung, daß der Ackerbau,den schon der große Sully die Saugamme des Staats nannte, das wichtigste Ge-werbe sei, von dessen Wohl auch das der übrigen abHange, daß der Wohlstand ei-nes Landes vorzüglich auf seinem Gedeihen beruhe, zu dieser Überzeugung warman zwar schon früh gekommen, aber man glaubte doch immer, daß nur eine me-chanische Thatkrast dazu erfodert werde, und konnte sich nicht zu der Ansicht erhe-ben, daß zu seinem glücklichen Betriebe eine wissenschaftliche Ausbildung nöthigsein könne. Auf Antrieb einsichtsvoller Männer, die jenes allgemeine Vcrurtheilnicht theilten, wurden zwar schon zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Lehrstühleder Landwirthschast auf Universttaten errichtet, aber sie hatten die Meinung dermeisten wirklichen Ackerbauer gegen sich, wurden gewöhnlich mit Mannern, diewol einige wissenschaftliche Kenutniß vom Gewerbe, aber keine von seiner wirkli-chen Ausübung hatten, besetzt und nicht gehörig mit den Mitteln unterstützt, diezur Beglaubigung der vorgetragenen Lehren nothwendig gewesen wären'; sie schaff-ten daher bei weitem den Nutzen nicht, den man sich von ihnen versprach, trugenim Gegentheil, durch Schuld der Lehrenden, die selten erfaßten, worauf es eigent-lich ankomme, hausig mehr dazu bei, die Wissenschaft des Landbaus in den Augendes sich klug dünkenden landwirthschaftlichen Publikums herabzusetzen, wol garlacherlich zu machen. Jetzt ist dies freilich anders geworden; es gibt auf den mei-sten deutschen Universitäten schon seit längerer Zeit tüchtige Manner, welche dieWissenschast und ihre weitere Ausbreitung nicht wenig fördern, aber ihre Vortragekönnen nur immer mehr dahin wirken, dem Gelehrten und künftigen Geschäfts-mann eine für ihn zureichende Kenntniß des landschaftlichen Gewerbes, die ihnenin vielen Beziehungen nothwendig wird, zu geben, als auch den künstigen prakti-schen Landwirth wissenschaftlich bilden, weil sie meistentheils von den andern dazuerfoderlichen Hülfsmitteln entblößt sind.

Erst in neuerer Zeit, wo mehre denkende, wissenschaftlich gebildete Männerden praktischen Landbau selbst betrieben, und man gewahr wurde, daß dieselben da-

F«

DG'