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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
827
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Landstande

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der Grundeigenthümer ihre Abgeordneten gerade nur aus ihrer Mitte wählen darf.Diests fast allgemein durchgeführte Princip, welches seine Herrschaft zwei Jrrthü-mern verdankt, erstlich dem historischen, daß von scher nur Grundbesitz reprasentirtworden sei, was in Ansehung der Kirche und der Städte völlig falsch ist, und zwei-tens dem philosophischen Jrrthum, daß der Boden seinem Eigenthümer eine Nei-gung zum Beharrlichen beibringe, hat schon sehr nachtheilige Wirkungen hervor-gebracht und wird sich immer unhaltbarer And schädlicher zeigen, je größer der Ein-fluß der Stande auf die Gesetzgebung und Verwaltung des Staats wird; dennauch die Erwartung, welche vielleicht einige Staatskünstler von den aus nichts alsGrundeigenthümern bestehenden Standen hegten, daß sie theiis wegen ihrer viel-fachen Abhängigkeit von der Regierung, theils wegen ihres Mangels an wissen-schaftlicher Kenntniß lenksamer sein würden, ist nicht in Erfüllung gegangen. Alledeutschen Landstande haben seit 18!3 das Bestreden bewiesen, ihren Beruf mitKraft und Erfolg zu erfüllen, und sie haben sich sämmtlich zu einer immer bedeu-tendem Wichtigkeit emporgehoben. Besonders merkwürdig ist dabei die Erschei-nung, daß, wahrend man die Staatsbeamten aus den Standeversammlungenanfangs im Volksinteresse zu entfernen suchte, weil man meinte, daß sie in derRegel zu sehr für alle Maßregeln der Regierungen stimmen und selbst Misbraucheverchndigen würden, jetzt die Ministerien alle Mittel anwenden, die Wahl derStaatsbeamten zu erschweren, weil gerade sie der Opposition durch ihre Kenntnißder Geschäfte und aller Verhältnisse eine viel größere Kraft geben. So wird mansich immer getäuscht sehen, wenn man mit zufälligen Nebendingen etwas erreichenwill, durch Beschrankungen der Wahlfreiheit, ungesetzlichen Einfluß auf die Wah-len und Ähnliches, was sich nur ourch gerades Fortschreiten auf der rechten Bahn,aber da auch sicher erreichen läßt. Wenn auch für eine Zeitlang durch solche Mit-tel die Opposition der Landstände beschwichtigt worden ist, so ist der nächste Erfolgeinübest» größere Reaction und spätere Landtage haben die Unterlassungen ihrerVorgänger mit Zinsen nachgeholt. Wie dies in den verschiedenen Ländern Deutsch-lands unter mancherlei Abwechselungen, aber im Ganzen unverrückt und rasch vor-wärts gegangen ist, haben die Artikel über die Landstände der einzelnen Bundes-staaten dargestellt, und es ist fast kein Jahr vergangen, ohne daß da oder dort in die-ser Hinsicht etwas Bedeutendes geschehen wäre und das conftitutionnelle System,welches sich im Ganzen in den Landstanden ausbildet, wichtige Entwickelungenund Erweiterungen erhalten hatte. Der Zug der Zeit scheint hierin so stark, daßer mit der Zeit alle deutschen Staaten ergreifen wird, so stark auch die Damme sind,welche noch entgegenstehen. Je größer die Staaten sind, desto gewaltiger ist aberauch nach einmal durchbrochenem Damme die Bewegung. Besonders nach demJahre 1830 wurden die Fortschritte der Stande in den meisten deutschen Landenrascher und entscheidender als zuvor, und es schien, als ob jeder Landtag den vorigenund die der andern Staaten überbieten müsse. Die sehr geringe Theilnahme,welche die Verhandlungen der Stande bisher, mit 'Ausnahme weniger vereinzelterVerkommenheiten, außer dem Lande im übrigen Deutschland gefunden hatten,verwandelte sich schnell in eilst sehr lebendig? und allgemeine. Die wichtigsten Fra-gen des Staatsrechts wurden nach und nach fast allenthalben angeregt, und wieman im Jahr 1832 schon mit dem größten Interesse die Landrage in Baden,Kurhessen, Nassau, Hanover, Braunschweig beobachtet hatte, so sah man mitnochgespannternErwartungen den spätem entgegen. Beschränkung der Staatsausgaben,vorzüglich im Militair, Fixirung und Beschrankung der Civilliste, Erklärung derRomainen für Staatsgüter, Begünstigung des kleinen Grundeigenthums imKampfe gegen die Grundherrlichkeit, Verbesserung der Rechtspflege, Preßsreiheit,Öffentlichkeit, das waren die vorzüglichsten Gegenstande der landstandischen Thä-ligkcir, die durst) Adressen, Petitionen und Vereine noch stärker angeregt wurden.