82 i Lander (Richard und John)
oder setzte ihre Quellen dicht neben einander, bis dieser Gelehrte und Dan-ville seinen Ursprung in das Quellenland des Senegal und Gambia verlegte.Mungo Park gab dieser Ansicht seine Beistimmung, und Mollien, der die Quel-len beider Flüsse besuchte, erörterte ebenfalls die Wiege des Königs der schwarzenStröme. Nun war die Mündung noch ein Räthsel. Bald sollte er sich in denwestlichen Ozean, bald in den Senegal und Gambia, bald in den Rio Grande,bald in den Rio Castos ergießen, bald (nach arabischen Geographen) einige Seendurchströmen und dann nach langem Laufe durch Sandwüsten mit dem ägyptischenNil vereint sich in das Mittclmeer stürzen. Selbst Rennell, der Mungo Park sEntdeckungen weiter verfolgte, kam nach unsäglichen Mühseligkeiten zu keinemandern Resultate, als daß der Niger über Timbuktu hinaus noch 1000 Meilenostwärts ströme und sich dann in dem großen See Wangara verliere. Maxwellund Mungo Park hielten ihn für einen und denselben Fluß mit dem Zaire oderKongo. Auch Tuckey's und Paddie's Reisen 1816 gaben hierüber keine nähernAufschlüsse. Laing hielt dafür, daß sich der Niger in den Lagos ergieße. EinemDeutschen — Reichard — gebührt der Ruhm, durch Comdination der Wahrheitam nächsten gekommen zu sein, indem er zuerst die Meinung aussprach, daß sichder Niger in den Meerbusen von Benin münde, und daß der Rio Formoso nebstden andern in demselben Busen fallenden Flüssen die Arme des Nigers seien, welchegleich dem Nil in Ägypten ein Delta bildeten.
Zur Ermittelung dieser vielfach angefochtenen Hypothese und der daraus ab-zuleitenden Handelsverbindungen mit dem Innern von Afrika fand die britischeRegierung Niemanden geeigneter als Richard L., dessen Entschlossenheit, Much,sicherer Blick und Erfahrung die gelehrten Kenntnisse eines Andern aufwog. Erund sein Bruder John, der sich freiwillig zur Mitreise anbot, betraten am 22. März1830 bei Badagry zum zweiten Mal Afrikas Boden. Beide setzten nun, nachdemsie vom Könige Aduli sechs Tage waren aufgehalten worden, zu Pferde ihre Reisebis Bussa fort, und überzeugten sich durch Streif- und Querzüge in dieser Gegend,daß die durch Park's Tod merkwürdige Stadt nicht, wie Elapperton in seinemletzten Reisebericht sagt, auf einer Insel gelegen fei. Gegen das Ende des drittenMonatS fuhren sie stromabwärts und fanden bald, daß der Fluß seine Richtunggegen Osten nehme, bis sie die Nachbarschaft von Funda erreichten, welche Stadtauf den Karten mindestens um 2° östlicher als bis dahin gesetzt werden muß.Nahe bei Funda vereinigt sich der Niger (Quorra) mit einem großen Flusse (wahr-scheinlich der Shary), der nach Aussage der Eingeborenen in gerader Richtung ausdem See Tsaad (15 Tagereisen östlich) herkommen soll, sodaß es einleuchtendwar, daß der Niger aus dem See Zufluß erhält, statt sich, nach der frühern An-nahme, in denselben zu ergießen. Unterhalb Funda wurden die Brüder L. voneiner aus 30 — 40 Kriegsbooten bestehenden Flotte der Hikas verfolgt und gefan-gen genommen. Die Eingeborenen behandelten ihre Gefangenen nicht grausam,verkauften sie aber bald an einen Sklavenhändler, der sich ohne Zweifel ein gutesLösegeld versprach. Sie erreichten endlich das Meer auf dem Nun (Non, auchBrasse genannt), einige Meilkn östlich vom Cap Formosa, und wurde hiervondem Schisssherrn einer liverpooler Brigg ausgelöst. Wieder in Freiheit gesetzt, ent-ließen sie einen ihrer Diener, Namens Antonio, der nach Osten hin den Nun auf-wärts schiffte, um in seine Heimath zu gelangen, erfuhren aber bald nach ihrerAnkunft auf der Insel Fernando-Po, daß derselbe auf dem neuen Caleber (Cala-bur) abermals die Küste erreicht habe, woraus hervorgeht, daß der Benin, Nunund Caleber sämmtlich Zweige des großen Nigers sind und mit dem See Tsaad imZusammenhange stehen. So wurde durch den Much und die Ausdauer zweieranspruchslosen Manner die lang verschlossene Pforte von Westafrika zu einer Reihevon Entdeckungen geöffnet, die in ihren Folgen von ebenso großer Wichtigkeit für