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gehörte, nahm nunmehr ihren Sitz auf dem Stadthause, erließ eine Proclamationund besetzte provisorisch alle Verwaltungszweige. L. gab eine halbe Million zu denersten Ausgaben der Municipalcommission. An demselben Morgen war es, woGraf von Argout sich zu den bei L. versammelten Deputirten begab und ihnenim Namen Karls X. bekannt machte, daß der König die Ordonnanzen zurückgenom-men und ein neues Ministerium gewählt habe. Als Präsident der Versammlungerwiderte L., daß der Sieg des Volkes die Frage schon entschieden habe, es gebe keinenKarl X., König von Frankreich, mehr. Von nun an galt die Frage: soll Frankreicheine Monarchie bleiben, oder eine Republik werden? Auf diesem Scheidewege standL. und lenkte das Schicksal Frankreichs. Die Jugend auf dem Stadthause sprachvon einer Republik und von Lafayette; dieser und andere Männer von Erfahrungwollten nichts davon hören; da nannte L. den Herzog von Orleans: „der werdeproclamirt; es gibt kein anderes Mittel, die Republik zu vermeiden". Dieses Wortentschied. *) Dupin erklärte sich sofort für den Herzog; so auch mehre Journali-sten. Nun leitete L. theils selbst, theils durch seine Freunde, die weitere Verhand-lung am 30. mit den Deputirten und mit der Versammlung im Club Lointier.Thiers, Larreguy und Mignct wirkten durch die Journale in demselben Sinne aufdie öffentliche Meinung. Die letzte Unterhandlung Karls X. durch Collin de Sussymit S. ward von diesem zurückgewiesen. Eine Proclamation verkündigte, daßKarl X. aufgehört habe zu regieren, und von L. eingeladen, kam der Herzog vonOrleans von Neuilly noch um 11 Uhr Abends in das Palais royal. Hier em-pfing er am 31. eine Deputation der Deputirten, L. an der Spitze, welche ihmdas Amt eines Statthalters des Königreichs übertrug, und L. las die Adresse derErnennung, welche die Bedingungen derselben enthielt. Hierauf führte er denHerzog auf das Stadthaus, wo General Lafayette sich für ihn erklärte und dassogenannte Programm vom Stadthause in die Worte zusammenfaßte, es soll einpopulairer Thron, umgeben mit republikanischen Institutionen, errichtet werden.Dieser Anschluß Lafayette's an L.'s Plan erstickte den ungewissen, haltlosen Rufder Menge nach einer Republik und gab dem Strome der Bewegung eine be-stimmte Richtung. Der Statthalter eröffnete die Kammern am 3. Aug., L. wurdezum Vicepräsidenten der Wahlkammer gewählt, und trat, als Casimir Perierwegen Krankheit die Präsidentenstelle aufgab, durch 215 Stimmen gegen 11 er-wählt, an Perier's Platz. So leitete er jetzt die wichtigen Verhandlungen derKammer, welche die Erhebung des Herzogs von Orleans auf den Thron und dieAbfassung der Charte von 1830 zur Folge hatten. Die Pairskammer folgte denBeschlüssen der Wahlkammer. Als der König Ludwig Philipp am 11. Aug.sein Ministerium ernannte, wurden L., Casimir Perier, Dupin und BignonMitglieder des Ministerraths ohne Portefeuille. Endlich am 2. Nov. 1830 wardL. zum Präsidenten des Ministerrathes und, statt des Baron Louis, zum Fi-nanzminister ernannt. Seine Lage war schwierig. Die Führer der Julius-revolution trennten sich; Lafayette legte den Oberbefehl der Nationalgarden nie-der; Dupont de l'Eure, der Mann der äußersten Linken, trat aus dem Mini-sterium ; die Aufregung der Parteien, die Noch des GewerbstandeS und Emeutenstörten den Gang der Verwaltung. L. konnte sich nicht an der Spitze des Wider-standes gegen die Gewalt der Bewegung mit Kraft behaupten; er verlor seine Po-pularität und der Credit seines großen Handelshauses wankte. Es mußte liqui-dsten. Der König unterstützte seinen Freund, und dieser schlug für den König eineEivilliste von 18 Millionen vor. Sein Budget war ein doppeltes: das ordentliche
') Sarrans behauptet in seiner Schrift: „l-aka^etts «t I» r^volutw» <le 1830",schon seit dem S8. früh sei durch die Vermittlung de« Hrn. Oudard, Secretairsder Herzogin von Orleans, ein Briefwechsel zwischen t. und dem Herzog« von Or-leans angeknüpft worden.